Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 14
Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig
Wie Virgilius in Rom eine eherne Schlange erschuf
Daraufhin erschuf Virgilius durch seine Zauberkunst in Rom eine Schlange aus Erz. Wer ihr die Hand in den Rachen legte, musste schwören, dass seine Sache gerecht und wahr sei. War die Sache falsch und lügenhaft, konnte man die Hand nicht wieder herausziehen. Im gegenteiligen Fall zog man sie ohne Mühe und Schaden heraus. Nun geschah es, dass ein Ritter aus der Lombardei seine Frau in Verdacht hatte, mit einem seiner Mannen zu fremdgehen, den sie sehr wertschätzte. Die Dame verteidigte sich jedoch sehr klug und edel und willigte ein, mit ihm nach Rom zu der Schlange zu ziehen und dort einen Eid zu schwören, dass sie unschuldig sei.
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Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel IX, Teil 6
Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.
Kapitel IX, Teil 6
Sie traten nun wieder unsichtbar in ein ziemlich geräumiges Gemach, welches Asmodi seinem Gefährten als die Stadtdimbascherei bezeichnete und in dem es recht lärmend, ja mitunter toll genug herging.
Im Zentrum hinter einer Art Balustrade saß ein wohlgemästeter Körper, auf dessen Rumpf eine Art Kürbiskopf saß, jedoch nicht mit hohlen, sondern im Gegenteil mit wohlglotzenden, etwas stieren Augen. Es war der Herr Stadtbimbasch, er verstand zwar wenig mehr als lesen, etwas barbarisch schreiben und mit einer ewig heiseren Kastratenstimme fortwährend Ruhe und Stille zu gebieten, aber er war der Sohn eines der einflussreichsten Schmuli, weshalb man ihm diesen so wichtigen wie schwierigen und große Intelligenz erfordernden Posten als lebenslängliche Stallfütterung und Mast übergeben hatte. Zu seiner Rechten saß ein schöner, ebenfalls Weiterlesen
Der Märkische Eulenspiegel 22
Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe
Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin
Wie Clauert Herr und Narr im Haus wurde
Wenn Hans Clauert gefragt wurde, wer zu Trebbin ein böses Weib hätte, so pflegte er zu sagen, er wisse sonst keinen, als nur einen Einzigen, der dort Bürger geworden wäre, und der ein sehr böses Weib hätte; derselbe hieße Jedermann und unter diesen Orden rechne er auch sich selbst mit, da er ein sehr herbes Kraut im Haus hätte. Weil aber Clauert sehr kurzweilig und scherzhaft war, wie auch aus seinen Geschichten wohl zu sehen ist, so hatte ihn ein jeder gern bei sich, ungeachtet sie für ihn stets bezahlen mussten.
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Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 13
Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig
Wie der Kaiser die Stadt Neapel belagerte und dieselbe von Virgilius befestigt wurde
Der Kaiser sandte heimlich Briefe zu allen seinen Vasallen und befahl ihnen, so bald wie möglich ein Heer aufzubringen und nach Rom zu kommen, um von dort auszuziehen und die Stadt Neapel zu belagern. Dieses taten sie, brachten ein großes Heer zusammen, zerstörten Alles auf dem Wege und belagerten Neapel. Der spanische Ritter aber, der sich mit der Tochter des Sultans vermählt hatte, verteidigte die Stadt sehr tapfer gegen den Kaiser und dessen Heer und sandte mittlerweile einen Boten zu Virgilius, um ihn von allem, was sich zugetragen hatte, Kenntnis zu geben. Darüber ergrimmte Virgilius sehr und ließ ihm wieder sagen, er solle sich nur tapfer behaupten, denn er würde ihm mit seiner ganzen Kunst und Zauberkraft Beistand leisten. Als der ausgesendete Bote dem Spanier diese Antwort zurückbrachte, war derselbe sehr beruhigt. Virgilius aber trocknete alle Quellen im kaiserlichen Lager aus, sodass es Weiterlesen
Der lustige Kirmesbruder – Teil 7
Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Der lustige Kirmesbruder
welcher durch listige Ränke auf den Kirmessen die Bauern und andere Personen unterhalten und vergnügt gemacht hat
Sechste Kirmes
Wie sich der lustige Kirmesbruder für einen Doktor ausgibt und viel Abgang findet
Einstmals war ich in der Stadt gewesen und hatte dort auf der Straße ein Päckchen gefunden, in welchem vier Pulver waren. Auf den beiden ersten derselben stand geschrieben: »Larierpulver, wovon das eine abends und das andere früh einzunehmen ist.« Auf den beiden Übrigen stand: »Brechpulver, alle zwei Stunden eines zu gebrauchen und warmes Wasser danach getrunken.« Diese Pulver brachten mich auf den Einfall, bei der nächsten Kirmes als ein Doktor zu erscheinen. Ich machte mich also darauf gefasst und reiste nach Heilfeld. Vorher aber hatte ich allerhand Pulver, Tropfen und Pillen zubereitet. Das Pulver machte ich aus Asche und Kreide, desgleichen auch aus Ziegelmehl, und so bekam ich denn zweierlei Arten desselben, graues und rotes, wovon ich jedes in Weiterlesen
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