Die Gespenster – Vierter Teil – 39. Erzählung
Die Gespenster
Kurze Erzählungen aus dem Reich der Wahrheit von Samuel Christoph Wagener
Allen guten Schwärmern, welchen es mit dem Bekämpfen und Ablegen beunruhigender Vorurteile in Absicht des Geisterwesens ernst ist, liebevoll gewidmet von dem Erzähler Friedrich Maurer aus dem Jahr 1798
Vierter Teil
Neununddreißigste Erzählung
Der Glaser Schwenk zu Wittenberg
Vor mehreren Jahren lebte in Wittenberg ein Glasermeister namens August Schwenk. In seinem vierten Lebensjahr geriet er in große Gefahr, lebendig begraben zu werden. Nach einer kurzen Krankheit fiel er in eine Art Betäubung, sodass man ihn für tot hielt, ihn entkleidete und in eine kalte Stube brachte.
Die Stunde seiner Beerdigung war bereits angesetzt, als zu seinem großen Glück ein Zimmermann zufällig das Leichenzimmer betrat. Dieser hörte eine schwache Stimme, die nach einem Getränk verlangte. Er blickte umher, sah jedoch niemanden. Erschrocken trat er zum Sarg, horchte und suchte nach Lebenszeichen. Da er zunächst nichts weiter bemerkte, wollte er sich bereits wieder abwenden.
Doch als er die Tür hinter sich schließen wollte, hörte er die Stimme erneut. Nun war er überzeugt, dass sie von der vermeintlichen Leiche stammte. Er öffnete den Sarg, nahm den Knaben heraus und brachte ihn zu seinem Vater. Obwohl man noch keine deutlichen Lebenszeichen sah, hielt der Vater es für seine Pflicht, eine Wiederbelebung zu versuchen. Man erwärmte den Jungen, und tatsächlich: Bald öffnete er die Augen, bewegte Hände und Füße und kam wieder zu sich. Mit der Hilfe eines geschickten Arztes genas er in kurzer Zeit vollständig.
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