Der lustige Kirmesbruder – Teil 8
Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Der lustige Kirmesbruder
welcher durch listige Ränke auf den Kirmessen die Bauern und andere Personen unterhalten und vergnügt gemacht hat
Siebente Kirmes
Wie der lustige Kirmesbruder verschiedene Wetten abschließt und gewinnt
Je mehr Kirmesfeste ich besuchte, desto bekannter wurde ich. Das war auch der Grund, weshalb ich an verschiedene Orte eingeladen wurde, um den Gästen mit meinen kurzweiligen Scherzen die Zeit zu vertreiben. In dieser Absicht nahm man mich einstmals auch mit nach Wetzelfeld zu einem sehr reichen Bauern, der uns aufs Herrlichste bewirtete. Bei dieser Kirmes suchte man sich vornehmlich mit Wetten zu belustigen. So wettete ich zuerst um einen halben Gulden, dass David Springer, wenn er unter den Tisch kriechen würde, drei Schläge, die ich mit der Hand auf den Tisch tun wollte, nicht aushalten könnte.
David Springer, der sich viel zutraute, machte sich daran, die Wette ganz sicher zu gewinnen, und begab sich deshalb unter den Weiterlesen
Das Buch vom Rübezahl – Teil 29
Das Buch vom Rübezahl
Neu erzählt von H. Kletke
Breslau, 1852
29. Wie Rübezahl sein Testament macht
Zu einer Zeit, in der in einem benachbarten Städtchen Jahrmarkt war, bekam Rübezahl Lust, einen Krämer zu spielen. Er fuhr mit seinem Kasten, wie die anderen Krämer, auf einem Schubkarren zum Markt. Bei seiner Ankunft ging er gleich in ein Wirtshaus und bat den Wirt um ein eigenes Kämmerlein, damit seine Habe sicher sei. Nachdem er zwei Tage im Wirtshaus verbracht hatte, stellte sich Rübezahl plötzlich krank, ließ den Wirt und die Wirtin zu sich kommen, gab ihnen den Schlüssel zu seinem Kasten und gestattete ihnen, die Sachen, die darin lagen, zu betrachten. Zu ihrer großen Verwunderung sahen sie eine Menge Gold und Silber, Schaustücke, Löffel und Becher sowie prächtige seidene Stoffe.
Als Rübezahl sah, dass ihnen diese Kostbarkeiten so gut gefielen, sagte er: »Ich spüre deutlich, dass ich es hier nicht mehr lange Weiterlesen
Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland – Teil 3
Oskar Wächter
Femegerichte und Hexenprozesse in Deutschland
Stuttgart, Verlag von W. Spemann, 1882
Erster Abschnitt
Zwei Erzählungen1
II. Macht in die Ferne
Im Oktober des Jahres 1429 wurde in Nürnberg eine prächtige Hochzeit gefeiert. Der Ratsherr Tucher verheiratete seine jüngste Tochter Mechtild an den Bürgermeister Pferinger von Nördlingen. Aus weiter Ferne kamen die Gäste herbei. Die Herbergen waren von Pferden und Reisenden besetzt. Denn in jenen Zeiten des Faustrechts schien es nicht ratsam, unbewaffnet zu reisen. Besonders lebhaft war es in der Herberge Zur goldenen Au. Sie lag dicht am Tor, wo die Landstraße nach Nördlingen einmündete. Der geräumige Saal fasste kaum die Gäste, die ihr Mittagsbrot heischten und dem Würzburger Wein, der hier gezapft wurde, Weiterlesen
Das Buch vom Rübezahl – Teil 28
Das Buch vom Rübezahl
Neu erzählt von H. Kletke
Breslau, 1852
28. Wie Rübezahl einen groben Knecht zum Besten hat
Ein Knecht eines Bauern aus Warmbrunn fuhr einmal mit einem Wagen nach Hirschberg, um dort Getreide zu holen. Als er unweit von Hermsdorf kam, stand ein reisender Geselle am Wegesrand und bat darum, ihn ein Stück mitzunehmen. Der Knecht sagte jedoch, er müsse eilen, um bei guter Zeit in die Stadt zu kommen. Da wies der Reisende ihn so derb auf seine Ungefälligkeit hin, dass jener dennoch anhielt und ihn aufsitzen ließ. Nachdem sie eine Weile in starkem Trab gefahren waren, begannen die Pferde, immer langsamer zu gehen, sodass der Knecht fortwährend damit beschäftigt war, sie mit Schreien und Peitschen im Gang zu halten. Als er aber in Kunersdorf durch den Zacken fahren wollte, blieben die Pferde beim Ausgang des Wassers mit dem Wagen stehen und wollten nicht von der Stelle. Der Knecht wusste gar nicht, was er denken sollte, denn die Pferde zogen überhaupt nicht an. Da lachte der Reisende und wollte ihm einen guten Rat geben, wie er es anfangen solle, um weiterzukommen.
Weiterlesen
Dämonische Reisen in alle Welt – Kapitel IX, Teil 7
Johann Konrad Friederich
Dämonische Reisen in alle Welt
Nach einem französischen Manuskript bearbeitet, 1847.
Kapitel IX, Teil 7
Die beiden Reisenden gingen nun durch mehrere enge, krumme und finstere Gänge des Rummlers zur Reisbimbascherei und traten wieder unsichtbar in diese ein.
Hier fanden sie vor dem Reisbimbasch, der zugleich als Schumli diesem Amt vorstand, und dessen Beisitzer eine ziemliche Anzahl Quitschi-Quatscher versammelt. Es wurde eine Zahnausreißerei verhandelt, welche sogar einen Börsenlauf veranlasst hatte, bei dem es zu Realinjurien gekommen war, weshalb die Sache vor die hochlöbliche Polizei kam. Ein bekannter Zahnarzt L. hatte nämlich dem Sohn eines Kaufmanns einen schlechten Zahn gezogen und dafür sechs Franken (nach unserem Geld) verlangt. Der Kaufmann fand diese Forderung übertrieben und wollte nur drei Franken bezahlen, da dies seiner Meinung nach der höchste Preis sei. L verweigerte Weiterlesen
Neueste Kommentare