Detektiv Nobodys Erlebnisse und Reiseabenteuer Band 1 – Teil 16
Detektiv Nobodys Erlebnisse und Reiseabenteuer
Nach seinen Tagebüchern bearbeitet von Robert Kraft
Band 1
Kapitel 3, Teil 1
Flederwisch und Wetterhexe
Seit einem halben Jahr hatte Mr. H. P World die Angewohnheit angenommen, beim Sprechen sich immer schmunzelnd die Hände zu reiben, und er hatte allen Grund dazu.
Bisher war er in New York nur ein lumpiger Millionär gewesen, welcher von allen denen, bei denen der wirkliche Mensch erst mit der hundertsten Million beginnt, verächtlich über die Achsel angesehen wurde. Aber nicht lange mehr, so würde auch Mr. World zu dieser exklusiven Geldaristokratie gehören, die Einkünfte eines hundertfachen Millionärs hatte er bereits! Was allein diese Annoncen einbrachten! Vier Seiten Unterhaltung, vierzig Seiten Annoncen und Reklamen, die Zeile zwei Dollar! Und wenn er dieses ideale Ziel eines jeden echten Yankees nicht mehr erreichte, dann doch ganz bestimmt seine Kinder und Kindeskinder. Die Gründung einer neuen amerikanischen Milliardärsfamilie war gesichert.
»Mein lieber Mister Nobody – ehem – es ist heute gerade ein Jahr her – ehem – dass Sie mir Ihren genialen Gedanken unterbreiteten – ehem – wissen Sie noch ehem? – und – ehern – ich möchte mich gern erkenntlich zeigen – ehem – und – ehem – wenn Sie erlauben – ehem – Ihnen von jetzt an für jedes Tausend sechs Dollar geben – ehem.«
Denn wem hatte er alles zu verdanken? Nur diesem Nobody, diesem Teufelskerl! Und Teufelskerl war das schmeichelhafteste Lob, die höchste Respektbezeugung, die Mr. World einem Menschen zuteil lassen werden konnte.
Aber es hatte eine Zeit gegeben, da Mr. World auf diesen Teufelskerl ganz gotteslästerlich geschimpft und ihn den ersten und letzten Nagel zu seinem Sarg genannt hatte, und das war die Zeit gewesen, da Nobody seine achttägige Vorstellung im Atlantic-Garden beendet hatte, um sich in den Dienst des neuen literarischen Unternehmens zu stellen, und als Mr. World drei Wochen lang jeden Tag geglaubt hatte, heute endlich müsse die Geschichte losgehen.
Das Erste war gewesen, dass Nobody den Verlagsbuchhändler veranlasst hatte, 500 000 Pfund Papier zu kaufen, welche 30 000 Dollar kosteten. Dieses Papier musste bereitliegen, um sofort, wenn der geeignete Zeitpunkt da war, von der ersten Nummer der neuen Zeitschrift Millionen Exemplare in die Welt hinauszuschleudern.
Aber dieser verdammte Kerl, dieser vermaledeite Lumpenhund, dieser Moody Dutchman hatte ihn ganz sicher zu diesem Kauf nur deshalb überredet, um die 500 000 Pfund Papier als Sargdeckel für den biederen Buchhändler zu verwenden. Wirklich, der ungeheure Stapel Papier, der so unbenutzt dalag, wurde noch der Tod des alten Mannes.
»Nobody, jetzt müssen wir aber endlich anfangen, ich kann doch nicht die 500 000 Pfund Pap…«
»Noch nicht, Mr. World, noch ist keine günstige Gelegenheit vorhanden, mit der ersten Nummer herauszukommen. Es muss ein ganz sensationeller Fall sein.«
»In San Francisco ist ein Raubmord …«
»Der Raubmörder ist bereits gefasst.«
»In Genf sind 142 Menschen an giftigem Schweizer Käse gestorben, es steht in sämtlichen Zeitungen der Welt.«
»Giftiger Käse ist kein passendes Sujet für die erste Nummer unserer neuen Zeitschrift.«
»Haben Sie es schon gehört? Es steht in allen Zeitungen. Auf Honolulu sollen die kleinen Kinder, gleich wenn sie geboren werden, die brennende Zigarre in den Mund bekommen. Nobody, da müssen Sie schnell hin, ob das wirklich wahr ist. Das ist besonders etwas für unsere Frauenwelt.«
»Nein, Mr. World, deshalb gehe ich nicht nach Honolulu.«
»Ei die Deiwel!«, schrie Mr. World jetzt entrüstet. »Ich muss aber doch meine 500 000 Pfund Pap…«
»Mr. World, das überlassen Sie nur mir, ich halte meine Augen schon offen, ich warte einen anderen Fall ab, es ist jetzt gerade eine faule Zeit, aber ich versichere Ihnen, dass wir, wenn ich einmal mit der ersten Nummer herauskomme, mit einem Schlag jede Woche eine Million feste Abnehmer für unsere Zeitung haben.«
Und das ging nun schon drei Wochen lang so fort! Immer und immer wieder eine Vertröstung! Und was trieb inzwischen Mr. Nobody? Der trieb sich in New Yorker Kneipen herum, machte sich das Leben schön, und wie schön! Denn dass er dies tat, das merkte man vor allen Dingen daran, dass er bereits nach vierzehn Tagen zu Mr. World ins Kontor kam und um Vorschuss bat, oder solchen vielmehr forderte, gleich 1000 Dollar. Er habe sie dringend nötig, und dann kam er nochmals und forderte wiederum auf seine zukünftigen Reisespesen 1000 Dollar Vorschuss – und zuletzt ließ sich der Lump überhaupt nicht mehr sehen. In seinem Hotel hatte er hinterlassen, dass er für acht Tage verreist sei, nichts weiter.
Mr. World war im Geschäftsleben ein sehr ruhiger und besonnener Mann, durch seine energievolle Kaltblütigkeit war er zum reichen Manne geworden, und er hatte auch schon größere Verluste mit Gleichmut ertragen, als diese 30 000 Dollar für das Papier für ihn bedeuteten, das er ja überhaupt noch verwenden konnte. Im Geschäftsleben hatte Mr. World auch warten gelernt, er wusste, dass Rom nicht an einem Tag erbaut worden ist – aber seinem Personal gegenüber zeigte sich der alte Herr manchmal von einer höchst nervösen Seite. Wenn ihm in seinen Geschäftsräumen etwas in die Quere kam, wenn da nicht gleich jeder seiner Winke verstanden wurde und nicht gleich alles sprang, da fing der Herr Prinzipal allemal gleich mit Händen und Füßen zu strampeln an und konnte höchst unangenehm werden. Freilich war dann alles ebenso schnell wieder vergessen.
»Nein, Artur, nein,« sagte Mr. World zu seinem Schwiegersohn, der ihn im Kontor besucht hatte, »das geht so nicht weiter. Denkt der Kerl vielleicht, ich habe meine 500 000 Pfunds Pap…«
»Aber lieber Schwiegerpapa, beruhige dich doch. Ich habe zu Nobody Zutrauen, er wird dich nicht im Stich lassen.«
Mit den Füßen zappelte der alte Herr bereits, er ging aufgeregt im Zimmer hin und her, immer im Sturmschritt, jetzt fing er auch mit den Händen an.
»Artur, unterbrich mich nicht! Und ich sage dir: Der Kerl ist ein Lump! Wo sind denn die 10 000 Dollar geblieben, die er von Mr. Lewis hat ausgezahlt bekommen? Verludert hat er sie. Jawohl, innerhalb von 14 Tagen verludert! Sonst hätte er mich doch nicht schon angepumpt! In zwei Jahren zehn Millionen, in 14 Tagen 10 000 durchgebracht, jawohl, das kann so ungefähr stimmen. Und ich Narr schmeiße diesem Lumpen auch noch 2000 Dollar nachträglich in den Rachen, und jetzt sitze ich mit meinen 500 000 Pfund Pap…«
»Er wird schon wiederkommen, lieber Schwiegerpapa.«
»Artur, ich sage es dir zum letzten Mal, lasse mich aussprechen, dass wir uns nicht wegen dieses infamen Halunken noch erzürnen!«, schrie der alte Herr wütend.
»Aber jetzt weiß ich, was ich zu tun habe. In einer Woche wollte er wieder zurück sein, die Woche ist vergangen, jetzt gibt es bei mir nur noch ein Entweder – Oder. Hast du den Fall in Brasilien gelesen, in der Provinz Guarani, die Geschichte von der reichen Minenbesitzerin, Ines da Costa heißt wohl das Frauenzimmer, und die Geschichte mit ihrem toten Hund?«
Nein, Mr. Law hatte noch nichts davon gelesen, und das entflammte von Neuem den Zorn des Schwiegervaters, der sich eben wieder etwas beruhigt hatte.
»Was? Du hast nichts davon gelesen? Wo es in allen Zeitungen steht? Und du willst ein Journalist sein? Schämen sollst du dich was! Also, da ist in Brasilien in der Provinz Dingsda eine Donna Dingsda gewesen, eine ungeheuer reiche Minenbesitzerin, die hat einen Hund gehabt, Apollo hieß das räudige Vieh, und wie der Hund krepierte, da hat ihn die alte Donna Dingsda begraben und hat sein Grab gepflegt. So wenigstens hat es im Testament gestanden. Die Donna Dingsda hat ganz einsam auf einer Plantage von so 5000 Acre Umfang gelebt. Und weiter steht in dem Testament, dass ihre Erben das Grab dieses räudigen Viehes immer pflegen müssen, das wird ihnen zur Pflicht gemacht, sonst kriegen sie eben nischt. Ja, heißt es aber jetzt: Wo liegt denn nun eigentlich der Hund begraben? Das Grab ist in dem riesig großen Garten nicht zu finden, und Gott weiß, wo die Donna Dingsda den Hund überhaupt begraben hat. Jetzt schreien alle die Erben ängstlich: Wo liegt der Hund begraben? Und alle Zeitungen schreien mit: Wo liegt der Hund begraben! Siehst du, da muss Nobody jetzt sofort hin nach Brasilien und nachsuchen, wo der Hund begraben liegt, und wenn er ihn gefunden hat, dann geben wir die erste Nummer von unserer Zeitschrift heraus. Pass auf, das wird ein Bombenerfolg! Unser Detektiv hat den toten Hund von der Donna Dingsda gefunden … na, was hast du denn zu feixen?«
»Aber, lieber Schwiegerpapa!« Mr. Law lachte aus vollem Hals. »Das ist doch wirklich nicht so wichtig …«
»Was, nicht so wichtig?!«, schrie aber der Schwiegerpapa erbost. »Na ja, du hast eben die Zeitungen nicht gelesen, das kommt davon. Ich sage dir, alle Zeitungen stehen voll davon – wo liegt der Hund begraben – die ganze Welt schreit: Wo liegt der Hund begraben. Der NEW YORK HERALD hat den Stanley nach Afrika geschickt und den verschollenen Livingstone suchen lassen. Das hier mit dem toten Hund ist noch etwas ganz anderes! Da handelt es sich um Hunderte von Millionen! Und die Donna Dingsda hat ganz dicht an der argentinischen Grenze gewohnt, wenn jetzt die Argentinier mit nach dem toten Hund suchen und ihn finden – pass auf, Artur, das kann zwischen Argentinien und Brasilien noch zum Krieg kommen – na, ganz sicherlich, das kommt noch so weit! und Chile steht natürlich auf argentinischer Seite – aber da macht jetzt auch Mexiko mit – und da kommt selbstverständlich auch gleich England gelaufen, jedenfalls verbündet mit Frankreich – aber das lässt sich doch der Nordamerikaner nicht gefallen, wir machen also auch mit … na, Artur, ich sage dir, ich werde es hoffentlich nicht mehr erleben, aber du ganz sicher noch – pass auf, das kommt noch zu einem internationalen Weltkrieg, und dies alles nur wegen so eines lausigen Hundes!«
Mr. World, der sich immer mehr in den Eifer hineinredete, trocknete den Schweiß von der Stirn und fuhr fort: »Überhaupt, mir ganz egal, mein Entschluss ist gefasst. Jetzt muss Nobody endlich einmal zeigen, ob er etwas kann oder ob er nur ein Großmaul ist. Er muss fort nach Brasilien und suchen, wo der Hund begraben liegt, und das sogleich. In einer Woche wollte er zurück sein, die Woche ist um, ich schreibe ihm jetzt einen eingeschriebenen Brief wegen dieser Sache, schicke Paddy hin, ist Nobody nicht im Hotel, so quittiert der Portier. Bekommen muss Nobody den Brief auf alle Fälle, und reist er dann nicht sofort nach Brasilien und sieht zu, wo der Hund begraben liegt, dann … pfffffffft!«
Nach diesem letzten Laut, mit einer entsprechenden Handbewegung und einem Fingerschnalzen begleitet, öffnete Mr. World eine Nebentür, welche zum Hauptkontor führte.
»Bitte, Miss Haddock, ich will Ihnen einen Brief diktieren.«
Eine junge Dame zwischen zwanzig und vierzig mit sehr spitzer Nase und vergißmeinnichtblauen Augen trat ein und setzte sich an den für sie bestimmten Tisch.
Der Journalist brannte sich eine Zigarette an, kreuzte die Beine und legte sich behaglich in seinen Stuhl zurück, des Kommenden wartend. Denn er wusste schon, wie das immer ausfiel, wenn sein Schwiegerpapa in solch aufgeregter Stimmung einen Brief diktierte. Der alte Herr rannte noch immer wie ein hungriger Löwe im Käfig auf und ab.
»Sind Sie bereit?«
»Jawohl, Mr. World,« piepsten die vergißmeinnichtblauen Augen.
»Also los: An … ehem … haben Sie das geschrieben?«
»Jawohl, Mr. World.
»Sagen Sie es, wenn Sie nicht nachkommen, ich diktiere manchmal sehr rasch. Was haben Sie geschrieben? Lesen Sie vor.«
»An, Mr. World.«
Wie ein Wilder stürzte der Prinzipal auf die Schreiben los.
»An Nobody will ich doch schreiben, doch nicht an mich selbst!«, brüllte er, da er die Antwort falsch verstanden hatte.
Er sah seinen Irrtum ein und beruhigte sich wieder, wenn auch seine sonstige Erregung blieb.
»Gut, sehr gut. Also: An Mr. Nobody. Sir! Ehem. Sie haben – ehem – sicherlich – ehem – von dem Fall in Brasilien – ehem – gelesen – ehem – wie die Donna – ehem – Ines da Costa – ehem – einen schönen – ehem – Hund gehabt hat – ehem – den sie – ehem – irgendwo begrub – ehem – und wie jetzt die Frage lautet – ehem – wo liegt der Hund begraben – ehem – Punkt – ehem – Haben Sie geschrieben?«
»Jawohl, Mr. World.«
In tiefem Sinnen schritt der Herr Prinzipal auf und ab, nach der Fortsetzung suchend.
»Wo liegt der Hund begraben?«, wiederholte er. »Wo – liegt – der – Hund – begraben -? Hm … Wo war ich stehen geblieben? Wiederholen Sie den letzten Satz!«
»Wo liegt der Hut begraben.«
Mit einem Ruck blieb World stehen und wandte den Kopf nach der Schreiberin.
»Wuuooaaas?«
»Wo liegt der Hut begraben,« wiederholte die Dame.
»Wumwoooaaaaas? Höre ich recht? Was habe ich diktiert? Lesen Sie mir noch einmal das Ganze vor.«
»An Mr. Nobody. Sir! Sie haben sicherlich von dem Fall in Brasilien gelesen, wie die Donna Ines da Costa einen schönen Hut gehabt hat, den sie begrub, und wie jetzt die Frage lautet: Wo liegt der Hut begraben …«
Mit weit vorgerecktem Kopf schlich der Prinzipal auf sie zu.
»Hund!«, donnerte er sie an. »Hund!! … Hund!!!«
Langsam stand die Dame auf und musterte den Prinzipal mit ihren vergißmeinnichtblauen Augen von oben bis unten.
»Meinen Sie damit mich, Mr. World?«
»Den Hund meine ich, den Huuhnd! Wo liegt der Huuh- hnd begraben! Doch nicht der Hut! Da hört doch, weiß Gott, alles auf!« Nichts weiter als Hüte die gekränkte Antwort.
»Haben Sie etwa schon einmal einen Hut begraben?«
Die vergißmeinnichtblauen Augen wurden schwärmerisch zur Decke emporgeschlagen.
»Ja, ich habe einmal einen Hut begraben, mein verstorbener Bräutigam hatte sich darauf gesetzt …«
»Nehmen Sie einen neuen Briefbogen. Schon wieder ein Briefbogen futsch! Sie denken wohl, weil ich 500 000 Pfund Papier daliegen habe, nun kann darauf losgewüstet werden, was?«
Der neue Brief wurde glücklich zu Ende geführt. Nobody sollte sich also unverzüglich nach Brasilien begeben, um zu suchen, wo der Hund begraben lag, der alle Welt beschäftigte, und wenn er es nicht tat, immer wieder eine Ausrede hatte, dann … pfffffft!
Der Prinzipal unterschrieb, die Schreiberin adressierte das Kuvert.
»Paddy!«
Ein rothaariger, krummbeiniger Mann erschien, dem man den Irländer schon von Weitem ansah.
»Sssssssssssssssssss,« fing er bei seinem Eintritt wie eine Lokomotive zu zischen an, und dann war es nicht anders, als ob die nachfolgenden Worte mit einer Kanone herausgeschossen würden, »… ie wünschen, Mr. World?«
Paddy, der Firma langjähriger Kassenbote, stotterte nämlich ein bisschen. Aber wenn ein Kassenbote sonst treu und zuverlässig ist, so hat das nichts weiter zu sagen. Paddys Stottern war auch gar nicht so schlimm. Nur das erste Wort brachte er immer nicht gleich heraus. Entweder verweilte er längere Zeit bei dem ersten Buchstaben oder er wiederholte mehrmals die erste Silbe. Desto schneller ging es dann, die anderen Worte sprudelte er nur so heraus, man dachte wirklich immer an das Abschießen einer Kanone. Nur wenn er erregt war, dann machten ihm auch die nächsten Worte Schwierigkeiten, bis er erst richtig in Schuss kam.
»Du weißt doch, wo Mr. Nobody logiert.«
»Ho-Ho-Ho-Ho-Ho-Ho-Ho …«
»Hotel,« kam ihm Mr. Law zu Hilfe.
Das hätte er nicht tun sollen, denn jetzt ging es noch einmal los:
»Kakakakakakakakakalifornia.« Und nun mit Vehemenz: »Hotel Kalifornia.«
»Hier, diesen Brief trägst du hin, und wenn Mr. Nobody nicht da ist, lässt du vom Portier quittieren. Verstanden?«
»A-a-a-a-a-a-a-a-a-a-a-allemal, Mr. World.«
Die krummen Beine marschierten ab.
In einer Viertelstunde war Paddy wieder da. Mr. Law befand sich auch noch im Kontor.
»Mimimimimimimi…«
»Mister,« wurde ihm unvorsichtigerweise zu Hilfe gekommen.
»Nononononononono …«
»Nobody!«
»Bobobobobobobobobo …«
»Body! Zum Himmeldonnerwetter, was ist denn heute mit dir los?«
Der Mann sah auch recht echauffiert aus. Aber so eine Bevormundung ließ sich der brave Paddy nicht gefallen, das kränkte ihn, er war selbst Mann genug, seine eigenen Worte herauszubringen, da brauchte ihm niemand zu helfen, und wenn es einmal gar nicht ging, dann stampfte er mit dem Fuß auf, und dann krepierte die Granate jedes Mal mit absoluter Sicherheit. Also noch einmal denselben Vers von vorn:
»Mimimimimimi…« nun ein kräftiges Aufstampfen und »… Mister Nobody war zu Hause und hat den Brief gleich gelesen.«
»Ach was! Da muss er gleich selbst herkommen.«
»U-u-u-u-und ich soll Ihnen gleich die Antwort bringen.«
»Was für eine Antwort? Was hat er gesagt?«, rief Mr. World mit begreiflicher Lebhaftigkeit.
»Ssssssssssss,« fing die Lokomotive jetzt wieder zu zischen an. »Sssssssssssssssss …«
»Na, da stampfe doch einmal mit dem Fuße auf!«
Das besorgte Paddy denn auch gründlich, das ganze Haus wackelte, hinter der Tapete rieselte der Kalk.
»Ssssssssssie sollten selber nach Brasilien gehen und nachsehen, wo der Hund begraben liegt.«
»Was?! Das hat der Kerl zu sagen gewagt?!«
Und Mr. World gab seiner gerechten Entrüstung weiteren Ausdruck, bis diese wieder in demjenigen Gedanken ausklang, der ihn schon seit drei Wochen Tag und Nacht wie ein Schreckgespenst verfolgte.
»Diesem Halunken ist es nur darauf angekommen, mich mit den 500 000 Pfund Pap…«
Das verhängnisvolle Wort blieb ihm in der Kehle stecken, denn sein Blick war auf den krummbeinigen Paddy gefallen, und was er da zu sehen bekam, das war das Menschenunmöglichste, was er jemals in seinem Kontor zu sehen bekommen hatte.
Griff dieser Mensch, sein Kassenbote, sein Angestellter, sein Sklave, ganz kaltblütig in die seinem Schwiegersohn zur Verfügung stehende Zigarettenkiste und brannte sich ganz gemütlich eine an, hier im Kontor, in Gegenwart seines Prinzipals!!!
»Mensch, bist du denn plötzlich wahnsinnig geworden?! Oder hast du dir draußen einen Sonnenstich geholt?! Oder bist du besoffen?!«
»Nichts von alledem,« erklang es fließend und ruhig aus dem Mund des rothaarigen Irländers zurück, während er das Streichholz in den Aschenbecher legte, »ich bin persönlich gekommen, um Ihnen zu sagen, dass ich nicht nach Brasilien gehen werde, dass ich mir von Ihnen, Mr. World, überhaupt nichts vorschreiben lassen werde. Ich tue und lasse, was mir gefällt, denn ich bin nicht Ihr Angestellter, sondern in Sachen der projektierten Zeitung Ihr Kompagnon.«
Schon beim ersten Klang dieser plötzlich so veränderten Stimme war der Journalist wie von einer Tarantel gestochen von seinem Stuhl aufgeschnellt, und auch er sah, wie die stark geschweiften Beine des Irländers mit einem Mal gerade wurden, und jetzt nahm er die roten Haare vom Kopf, eine Perücke, die nicht gerade von besonderer Geistesfähigkeit sprechenden Gesichtszüge veränderten sich …
»Nobody!!!«, riefen die beiden wie aus einem Mund, und ihr grenzenloses Staunen war begreiflich.
Und es war nicht etwa das erste Mal, dass der Verwandlungskünstler zu Mr. World in einer fremden Maske kam. Dieser hatte ihn noch niemals wieder in seiner eigentlichen Gestalt gesehen. Wenn Nobody ein Anliegen gehabt hatte, so war er in diesem Kontor stets als ein anderer erschienen, bald als alter Mann, bald als junge Dame, immer wieder in einer anderen Gestalt, und nicht etwa, dass er sich sofort zu erkennen gab, sondern der arme, alte Mann hatte unter irgendeinem Vorwand um Unterstützung gebeten. Bei der jungen Dame war es zuletzt auf einen Liebesantrag hinausgelaufen, und erst wenn Nobody den alten Herrn zu seinem eigenen Ergötzen lange genug veralbert hatte, gab er sich zu erkennen.
Es war schon so weit gekommen, dass Mr. World ganz irre geworden, jeden Unbekannten, der ihn in seinem Kontor in irgendeiner Angelegenheit zu sprechen wünschte, ob Mann oder Frau, zuerst immer für den Verwandlungskünstler hielt, den oder die Betreffende bat, doch die Maske fallen zu lassen, woraus natürlich die merkwürdigsten Szenen entspringen mussten.
Dies war auch der Grund, warum Mr. World mit diesem Mann gar nicht mehr persönlich verkehren wollte, nur noch schriftlich. Er fürchtete sich förmlich vor ihm – und für diese Furcht war auch schon ein anderer und wirklich sehr triftiger Grund vorhanden, wie wir gleich sehen werden.
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