Die Schwarzmäntel – Band 1 – Kapitel 3
Paul Féval
Die Schwarzmäntel
Originaltitel: Les Habits Noirs
Band 1
Kapitel 3
Fünfzig Don Juans
Wir müssen einige Stunden zurückgehen, um von einer Sache zu sprechen, die noch berühmter war als Monsieur Bancelles Geheim- und Tresorkassette. Zu jener Zeit war Caen eine etwas lautstarke Stadt: Die Studenten und das Militär machten viel Aufhebens um die hübschen Frauen. Die reizendste und zugleich schönste Erscheinung in Caen war Julie Maynotte, die Frau des Stahlschneiders. Die goldene Jugend der Stadt verließ die große Promenade und den Park der Präfektur, um unter den fernen Bäumen des Akazienplatzes auf und ab zu flanieren, seit André Maynotte an der Ecke der Promenade einen bescheidenen Laden für Büchsenmacherei und Kuriositäten eröffnet hatte, der rasch Zulauf fand.
Das Astoria-Abenteuer – Teil 8
Max Felde
Das Astoria-Abenteuer
Nach den zeitgenössischen Aufzeichnungen von Washington Irving erzählt
Illustriert von L. Berwald
Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig. Stuttgart, Berlin, Leipzig. 1912
Dreiste Eigenmächtigkeiten und des Kapitäns Sturrkopf
Die Seekrankheit erfasste Mr. Dougal später als alle anderen. Dafür lag er aber auch umso länger matt und erschöpft in seiner Koje. Mac Kay, der schon lange wieder wohlauf war, fragte ihn eines Morgens allen Ernstes, ob er in diesem Zustand etwa bis zu den Sandwich-Inseln zu reisen gedenke.
Diese andauernde Schwäche hatte jedoch ihr Gutes: Die Hitze, die der Zusammenstoß mit dem Kapitän erzeugt hatte, verflog auf beiden Seiten allmählich. Als Mr. Dougal eines Morgens bei herrlichstem Wetter wieder munter an Deck erschien, kam man nicht mehr auf den Auftritt zu sprechen. Schließlich wünschten sich im Grunde beide Seiten nichts als ein gutes Einvernehmen.
Kapitän Jonathan Thorn war ein durchaus ehrenfester und gewissenhafter Mann, der mitunter recht gutmütig sein konnte. Weiterlesen
Der Detektiv – Band 32 – Zwei Zigarettenstummel – Kapitel 4
Walter Kabel
Der Detektiv
Band 32
Kriminalerzählungen, Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1920
Zwei Zigarettenstummel
Kapitel 4
In der Shwedagon-Pagode
Über die Lage und die Bauart der birmanischen Hafenstadt Rangun habe ich bereits in der vorigen Erzählung alles Nötige gesagt. Der Leser wird sich außerdem noch an den Namen Chatarsan besinnen, den ich zu Anfang dieses Abenteuers nur flüchtig erwähnen konnte. Detektivinspektor Chatarsan war der Abschied von uns sehr schwergefallen. Dies lag wohl weniger daran, dass er uns besonders ins Herz geschlossen hatte, als vielmehr an seiner Überzeugung von der eigenen Unzulänglichkeit einer Gegnerin wie Eugenie Malcapier gegenüber.
Der Wolfdämon – 5. Kapitel
Albert W. Aiken
Der Wolfdämon
Oder: Die Königin von Kanawha
5. Kapitel
Virginias Verehrer
Im besten Zimmer von Trevelings Haus saßen der alte General und ein junger Mann namens Clement Murdock. Murdock war ein Verwandter Trevelings und genoss hohes Ansehen beim alten Soldaten.
General Treveling war ein Mann von fünfzig Jahren. Die Jahre hatten sein Haar ergrauen lassen und seine einst stattliche Gestalt gebeugt. Murdock war um die dreißig – ein dunkler, blasser Mann mit stechenden schwarzen Augen und einem hochmütigen Auftreten.
Der junge Mann war gerade eingetreten und hatte nach der herzlichen Begrüßung des Generals an dessen Seite Platz genommen.
Das Wrack des Piraten – 2. Kapitel
Friedrich Gerstäcker
Das Wrack des Piraten
2. Kapitel
Das Wrack
Am anderen Morgen saß die Señora allein in dem noch leeren Gastzimmer. Sie hatte ihr Nähzeug vor sich auf dem Schoß, doch die sonst so geschäftige Nadel ruhte in ihrer Hand. Für sie höchst ungewöhnlich blickte sie nachdenklich vor sich nieder.
Aufrichtig gesagt, ging ihr der Fremde nicht aus dem Kopf. Gemeinsam mit Manuela hatte sie fast bis Mitternacht all die alten Schuldner in ihren Büchern durchsucht – von A bis Z. Und das waren wahrlich nicht wenige: Chilenen, Engländer, Franzosen, Deutsche, Amerikaner und Italiener; eben alle, die das Schicksal an diese Küste geworfen hatte. Doch sie hatte keinen Einzigen gefunden, dessen Person oder Rechnung auch nur im Geringsten zu dem wunderlichen Fremden passte. Die alte Dame erfreute sich zwar eines ausgezeichneten Gedächtnisses, sodass sie sich zu fast jedem Namen nach kurzem Nachdenken die Gestalt des Betreffenden ins Gedächtnis rufen konnte; der gewaltige Bart jedoch und das tief über die linke Gesichtshälfte fallende Haar Weiterlesen
Neueste Kommentare