Archiv

Mythen & Wirklichkeiten

Elbsagen 92

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

94. Der Brunnen auf dem Dockenhudener Berg

Aus dem Dockenhudener Berg bei Blankenese hauste einst ein Raubritter. In seiner Burg befand sich ein Brunnen, der war so tief, dass er bis in die Elbe reichte. Deshalb konnte der Ritter auch nicht von den Hamburgern, die seine Burg belagerten, zur Übergabe gezwungen werden, denn die Hexe, die den Brunnen gebohrt hatte, war mit dem Ritter im Bunde und trug von der Elbe her durch den Brunnen so viele Nahrungsmittel in die Burg, wie die Weiterlesen

Aus dem Wigwam – Unkatahe

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Noch vierzig Sagen
Mitgeteilt vom Navajohäuptling El Zol

Unkatahe

hah-co-pee war ein alter Häuptling, der aber, da er drei Frauen hatte, nie recht zur Ruhe kam. Die Älteste war runzlig, hager und hässlich, und es lag ihm so wenig an ihr wie an dem dürren Reis, das sie abbrach und ins Feuer warf. Sie zankte den ganzen Tag mit jedermann, der ihr in die Quere kam, denn dies war die einzige Weise, wie sie sich noch bemerklich machen konnte. Die Glanztage seiner zweiten Frau waren auch schon vorbei. Sie flocht zwar ihr Haar noch immer kunstgerecht und behing sich immer noch mit allerlei Schmucksachen wie ein junges Mädchen, aber der alte Gemahl wollte doch nichts mehr von ihr wissen, denn er hatte sein ganzes Herz seiner jüngsten Frau, die er mit wertvollen Geschenken ihren Eltern abgekauft hatte, zugewandt.

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Oberhessisches Sagenbuch Teil 85

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Die stumpfe Kirche unter Burkhards

Eine halbe Stunde unterhalb Burkhards im Grunde, die Nidder entlang, stehen hart am Wasser die spärlichen Mauerreste einer uralten Kapelle, auf welche von Wingershausen aus ein Fußpfad über die Bach führt, der noch heute der Pfaffenweg heißt. Es ist nun schon lange her, da machten zwei Burkhardser Männer auf einer Wiese bei dieser stumpfen Kirche Heu. Es war um die Mittagszeit und der Schweiß lief ihnen unter dem Wenden vom Gesicht. Indessen sah der eine zwei alte Mönche mit grauen, langen Bärten und in ihrem klösterlich schwarzen Weiterlesen

Madelaine de Mandol und Louys Gaufridi (1611)

Das 17. Jahrhundert

5. Madelaine de Mandol und Louys Gaufridi (1611)

Gegen Ende des Jahres 1609 machte Magdalene von Mandol oder Mandouls, eine Nonne der heiligen Ursula, die Tochter eines provenzalischen Edelmanns, ihrem Beichtvater das Geständnis, dass sie in die Gewalt einer großen Zahl von Dämonen gefallen sei, und dass ein Zauberer sie schon vor ihrem zehnten Jahr verführt habe. Sie war damals 19 Jahre alt. Eine andere Nonne aus demselben Kloster, Louise Capel oder Capeau, erklärte fast zu derselben Zeit, auch sie sei von drei Teufeln besessen, von denen einer Verrine hieße. Der Vater Romillon ließ darauf beide Mädchen heimlich in seiner Kapelle exorzisieren. Da sich aber nach einem Jahr und einigen Monaten gar kein Erfolg seiner Bemühungen zeigte und er die Teufel nicht einmal zum Reden bringen konnte, so führte er Weiterlesen

Elbsagen 91

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

93. Die Hand des Himmels

In Blankenese war ein junger Fischer, dem ging es unglücklich. Es wollte ihm mit dem Fang gar nicht gelingen. Er geriet in Mangel und Elend, und Frau und Kinder mussten Hunger leiden. Einmal war ein heißer Sommertag. Als aber gegen Abend ein Gewitter mit der Flut im Westen aufstieg, entschloss sich der Fischer, noch eine Fahrt zu wagen, weil er gehört hatte, dass in solchen Augenblicken die Fische am besten ins Netz gingen. Er stieg ins Boot Weiterlesen