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Mythen & Wirklichkeiten

Aus dem Wigwam – Die Kirchhofschlange und der Kornriese

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Noch vierzig Sagen
Mitgeteilt vom Navajohäuptling El Zol

Die Kirchhofschlange und der Kornriese

ie Seneca wohnten früher, wie die Sage geht, am Chippewa River, nicht weit von den Niagarafällen in Kanada. Dort hatten sie eines Jahres viel durch allerlei Krankheiten auszustehen, wozu auch noch das Unglück kam, dass das Korn, das sie gepflanzt hatten, nicht geriet.

Nun träumte einst einer ihrer Propheten, dass eine große Schlange unter dem Dorf mit dem Kopf gegen den Kirchhof liege. Dieselbe nähre sich von den Körpern der Toten und verpeste durch ihren Atem die Luft. Auch habe sich ein Riese in den Feldern versteckt, der alles Korn auffresse.

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Oberhessisches Sagenbuch Teil 105

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Der Drache

Unterhalb Rainrod ist eine wüste Bergwand, nur hier und da mit Dorngestrüpp bedeckt, da stand vor Alters ein hoher, heiliger Wald und haben die Heiden drin Kirche gehalten. Im Schoß des Berges sind viele Reichtümer versteckt, welche ein boshafter Drache behütet, der selten oder gar nicht ans Tageslicht kommt. Es ist eine kleine Höhlung noch sichtbar, die heißt das Drachenloch. Daraus soll das Ungetüm manchmal her vorkriechen in mitternächtiger Stunde, um in dem entfernten Mühlbach bei Eichelsdorf seinen brennenden Durst zu löschen. Weiterlesen

Ishi

Ishi
Oder: Die Legende von dem Steinzeitmenschen, der so gerne Straßenbahn fuhr

Die Geschichte beginnt in Kalifornien, genauer gesagt vor dem Maschendrahtzaun, der das Schlachthaus des kleinen Städtchens Oroville, das etwa 100 Meilen nordöstlich von Sacramento liegt, vor unliebsamen Besuchern, in diesem Fall hauptsächlich vor vierbeinigen Kojoten, die hier auf der Suche nach leichter Beute sind, und vor ihren zweibeinigen Artgenossen, die selbst aus den Schlachtabfällen noch einen Profit ziehen wollen, schützen soll.

Man schreibt den 29. August 1911.

Vergeblich versuchen die ersten Strahlen der aufgehenden Morgensonne den Frühnebel, der über dem Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 12

Sagen-der-mittleren-Werra

Von dem Schatz auf dem großen Hermannsberg

Auf dem großen Hermannsberg, dessen riesiges Porphyrdiadem ihn vor seinen Nachbarn schon in weiter Ferne kennzeichnet, stand auch einmal ein Schloss, und zwar ein großes und prächtiges, denn der Ritter oder Graf, der den Namen Hermann geführt haben soll, war ein mächtiger Herr. Einstmals, als er in ferne Lande in den Krieg ziehen wollte, vergrub er dort oben all seine Weiterlesen

Aus dem Wigwam – Die Seeschlange und die Steinriesen

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Noch vierzig Sagen
Mitgeteilt vom Navajohäuptling El Zol

Die Seeschlange und die Steinriesen

ls die fliegenden Köpfe verschwunden waren, erschien eine neue Plage in Gestalt einer großen Seeschlange, die sich zwischen die Dörfer legte und so den Verkehr der Stämme miteinander behinderte. Wo sie sich nur sehen ließ, richtete sie großes Unheil an. Während die Irokesen beratschlagten, wie sie diesen schrecklichen Feind am sichersten aus dem Wege räumten, erschien auf einmal ein noch viel schrecklicherer Feind auf dem Schauplatz, nämlich die sogenannten Steinriesen. Diese waren groß, stark und so tapfer, dass jeder Widerstand vergeblich war. Auch waren sie Kannibalen und aßen alle Männer, Frauen und Kinder auf, deren sie nur habhaft werden konnten.
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