Archiv

Mythen & Wirklichkeiten

Adventskalender 2021 – 14. Türchen

Richard von Volkmann-Leander
Träumereien an französischen Kaminen
Märchen, Leipzig 1874
Die künstliche Orgel

Vor langen, langen Jahren lebte einmal ein sehr geschickter junger Orgelbauer, der hatte schon viele Orgeln gebaut. Und die Letzte war immer wieder besser als die Vorhergehende. Zuletzt machte er eine Orgel, die war so künstlich, dass sie von selbst zu spielen anfing, wenn ein Brautpaar in die Kirche trat, an dem Gott sein Wohlgefallen hatte. Als er auch diese Orgel vollendet hatte, besah er sich die Mädchen des Landes, wählte sich die Frömmste und Schönste und ließ seine eigene Hochzeit zurichten. Wie er aber mit der Braut Weiterlesen →

Adventskalender 2021 – 13. Türchen

Die Riesen und das Stippfeuerzeug
Aus: Kinder- und Volksmärchen von Heinrich Pröhle
Leipzig 1853

Es war einmal ein Schusterjunge, der lief aus der Lehre und wollte in die weite Welt gehen. Er kam aber an einen alten verfallenen Bergstollen, vor dem stand eine Hexe und sprach, sie wolle ihn im Korb in den Schacht hinablassen, damit er ihr das heraufhole, was dort auf einem Tisch stände. Sie ließ also den Schusterjungen im Korb in den Schacht.

In dem Schacht war ein Kupfergang, ein Silberhohlgang und ein Quergang. In dem Quergang aber stand ein Tisch, daran saß ein Kerl, der hatte Krallen an Fingern und Füßen, Weiterlesen →

Sagen der mittleren Werra 20

Sagen-der-mittleren-Werra

Der Bermbacher Hirte und der Otternkönig

Der Bermbacher Hirte sah eines Tages, als er dort im Wald hütete, eine weiße Schlange von der Länge eines Mannes, die trug eine glitzernde Krone und hatte gar keine Eile.

Da es dem Hirten nach der Krone gelüstete, so schlug und warf er mit seiner Schöpfe nach dem Otternkönig. Der Hirt aber wäre beinahe übel angekommen. Der Otternkönig tat einen gellenden Pfiff und im Nu schoss von allen Seiten alles lebendige Gewürm Weiterlesen →

Adventskalender 2021 – 12. Türchen

Georg Keil
Neue Märchen für meine Enkel
Leipzig, 1849

Der Schneemann

Ach! Es war so herrlich draußen im Garten! Der Schnee lag fast eine halbe Elle hoch, und die Sonne schien so hell und klar. Alles glänzte und blitzte wie lauter Edelgestein, die Luft glitzerte und funkelte, als ob jemand Demantstaub hineingestreut hätte. Die Äste der Apfel- und Birnbäume waren wie mit Zuckerkant überzogen. Man hätte sich gleich einen Zuckerstängel abbrechen und aufessen mögen. Die Zweige der Tannen und Fichten hatten Weiterlesen →

Aus dem Wigwam – Kosmogonie der Sauk und Muskogee

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Zwanzig Sagen
Mitgeteilt von Kah-ge-ga-gah-bowh

Kosmogonie der Sauk und Muskogee

m Anfang schuf der Große Geist alle Tiere, die auf der Erde leben. Als er damit fertig war, machte er auch Menschen, die aber grausam und närrisch waren. Darauf gab er einem jeden Menschen das Herz eines der besten Tiere, doch sie blieben, wie sie waren, sodass Gott sich genötigt sah, ein Stück von sich abzuschneiden und daraus Herzen für sie zu machen. Danach wurden die Menschen klüger als alle Tiere.

Die Erde war zu dieser Zeit auch von unzähligen Jamwoi (Riesen) und Göttern bewohnt. Mit den Ersteren verbanden sich nun die Götter, welche unter dem Wasser hausten, um Wesukkä, den Häuptling der Götter auf der Oberwelt, zu stürzen. Aber sie fürchteten sich doch so sehr vor Wesukkä, dass sie nicht wagten, ihn in einer Weiterlesen →