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Mythen & Wirklichkeiten

Deutsche Märchen und Sagen 160

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

207. Jäger verschwindet

Ein sehr mächtiger Ritter war der Jagd über die Maßen ergeben und zwang tagtäglich viele seiner Untertanen, ihn auf seinen Zügen zu begleiten. Dadurch versäumten diese Leute aber ihre Geschäfte und ihren Ackerbau und sanken langsam mit ihren Familien in die tiefste Armut. Eines Tages zog der Ritter wieder zur Jagd und hatte einige der seinen nur mit sich genommen. Kaum war er im Wald, als ihm ein Wild aufstieß, auf welches er die Hunde hetzte und es dann selbst auf seinem Pferde sitzend verfolgte. Den ganzen Tag war er schon hinter dem Tier her, konnte es aber nicht einholen. Wütend, es immer so vor sich laufen zu sehen, setzte er mit seinen Begleitern ihm Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 45

Sagen-der-mittleren-Werra

Von der Belagerung der Wallenburg

Von der Wallenburg geht die Sage, dass sie durch einen unterirdischen Gang mit der zwei Stunden Wegs von ihr entfernten Stadt Schmalkalden, und zwar, wie einige sagen, mit dem dortigen Schmidthof in Verbindung gestanden habe.

Einstmals wurde sie von Feinden belagert. Da diese aber bald einsahen, dass hier weder mit stürmender Hand noch durch List etwas auszurichten sei, so beschlossen sie, die Burg auszuhungern. Aber auch dies schlug fehl, denn die Belagerten blieben immer fröhlich und guter Dinge. Da machte endlich der Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 159

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

206. Der Mann ohne Kopf in den Begynensleiden

Vier Meilen von Maastricht am linken Maasufer erhob sich ehedem das Städtchen Stockhem und das Schloss, an dem sieben Fürstbischöfe von Lüttich sich tot bauten. Am Fuße der Wälle von Stockhem lag stets ein Boot bereit zur Überfahrt, und der Schiffer hatte auch bei Tage die Hände wohl voll, bei Nacht aber wagte es selten jemand aus der Gegend, sich auf das rechte Maasufer zu begeben; denn jeder fürchtete den Mann ohne Kopf, der da umwandelte. In meinen Kinderjahren wurde mir unter anderem Folgendes über denselben erzählt:

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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 19

Die weiße Frau auf dem Berliner Schloss

An viele alte Schlösser der Mark sowie an Stätten, wo Burgen und Klöster gestanden haben und namentlich noch Ruinen vorhanden sind, knüpft sich die Sage, es ließe sich eine weiße Frau dort zu Zeiten sehen. Wo in Alt-Ruppin das Schloss war, da soll eine solche wanken, mit einem Schlüsselbund am Gürtel, ebenso auf dem Räuberberg bei Phöben im Havelland, wo ein Schloss der von Rochow gestanden hatte, desgleichen in Chorin, wo noch Ruinen Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 44

Sagen-der-mittleren-Werra

Von der Wallenburg und ihrem Weinkeller

Eine Viertelstunde östlich vom Dorf Herges ziert noch der Turm der von den Dynasten von Frankenstein auf dem Hön erbauten Wallenburg, früher Waldenburg, die Gegend. Viele Schätze liegen in den Gewölben des alten Schlosses, unter diesen auch alter, köstlicher Wein.

Der Keller ist jedoch bisher noch nicht entdeckt. Einst kam ein feiner Weinkenner in der zwölften Stunde des Johannistages dort vorüber. Der roch sofort Weiterlesen