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Mythen & Wirklichkeiten

Aus dem Wigwam – Die alte Eule

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor

Die alte Eule

in junger Delaware, der sich lange Zeit in den Jagdgründen aufgehalten hatte, ohne etwas Nennenswertes geschossen zu haben, fing zuletzt eine Eule, die in einer hohlen Eiche wohnte. Da das Wild damals überall selten war, so beschloss er, sie zu töten und seiner Liebsten zu bringen, die seit mehreren Tagen kein Fleisch gesehen hatte. Er band sie also an dem rechten Bein an einen Ast und schliff sein Messer auf einem Sandstein, der in der Nähe lag. Die Eule sah ihm mit großen Augen zu und fragte ihn, was er tue. Der junge Indianer, der nicht gewohnt war, zu lügen, antwortete, er mache sich fertig, ihr den Kopf abzuschneiden.

»Was!«, rief die listige Eule, »wie wird es meiner alten Frau, meinen großen Töchtern und unmündigen Kindern Weiterlesen

Bisonjäger Teil 4

Das soziale Leben

Im ganzen Gebiet der Bisonjäger galt die Familie, d. h. ein Mann mit seiner Frau oder seinen Frauen und den aus dieser Verbindung hervorgegangenen Kindern, als kleinste soziale Gruppe. In einer Kultur, in der viele Männer auf der Jagd und in Kriegszügen ausfielen, war Vielweiberei keine Seltenheit.

Diese beschränkte sich allerdings meistens auf die wirtschaftlich besser gestellte Schicht, wogegen der gewöhnliche Mann sich mit einer Frau zufriedengab.
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Oberhessisches Sagenbuch Teil 57

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Der Ranzen des Zauberers

Ins Betzenröder Wirtshaus kam im vorigen Jahrhundert einmal der Wasenmeister von Grünberg und bestellte sich bei der Wirtin eine gute Mahlzeit. Seinen ledernen Ranzen, der, wie es schien, ganz leer war, hing er an einen Nagel der Wand auf. Zugleich sagte er der Wirtin, bis das Essen fertig sei, wolle er vorher noch einmal ins Dorf gehen, denn er habe da viele Geschäfte.

»Um Leib und Leben aber rührt mir den Ranzen nicht an«, sprach er bei zwanzig Mal zu der Frau.
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Hannikel – 2. Teil

Christian Friedrich Wittich
Hannikel
oder die Räuber- und Mörderbande, welche in Sulz am Neckar in Verhaft genommen und daselbst am 17. Juli 1787 daselbst justifiziert wurde
Verlag Jacob Friderich Heerbrandt, Tübingen, 1787

Jakob Reinhard ist Hannikels eigentlicher Name. Letzterer wurde ihm erst gegeben, da er als ein echtes Mitglied unter die Zigeuners Familie aufgenommen wurde.

Seine Mutter brachte ihn ohne fremde Hilfe auf offenem Feld und unter freiem Himmel hinter einer Hecke zur Welt. Das Plätzchen war nahe bei Kleinschieberstadt unweit von Mannheim.
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Aus dem Wigwam – Spottvogels Ursprung

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor

Spottvogels Ursprung

ie junge und schöne Prinzessin Neroyah liebte den tapferen Krieger Tonaka, aber die beiden Stämme, zu denen sie gehörten, waren einander sehr feindlich gesinnt. Deshalb konnten die beiden Liebenden ihre geheimen Zusammenkünfte nur mittels einer Verkleidung und unter der größten Vorsicht halten. Glücklicherweise war Tonaka vom Großen Geist, der seine wunderbaren Segnungen immer mit einem alles sehenden Auge nach den künftigen Bedürfnissen des Empfängers verteilt, mit einer ganz ausge­zeichneten Nachahmungskraft begabt worden. Er besaß darin ein solches Talent, dass er ohne die geringste Anstrengung die Stimme jedes Vogels und jedes Tieres unter der Sonne nachahmen konnte.

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