Archiv

Mythen & Wirklichkeiten

Oberhessisches Sagenbuch Teil 58

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Der sichere Schuss

Der Jägermüller von Heimertshausen saß bei rabenschwarzer Nacht mitten unter den Bauern am Wirtstisch und schnitt nach ferner Weise wieder einmal mit dem großen Messer auf. Diese aber hielten es für Fopperei und lachten ihm entweder ins Gesicht oder schüttelten ungläubig dazu die Köpfe.

Geärgert sprang er auf und rief: »Was gilt es? Ich gehe in die Kammer, mache das Fenster auf, lege die Büchse an den Backen und drücke blindlings los – es soll doch ein Hase im Garten liegen, den ich getroffen habe!«
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Elbsagen 58

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

58. Die weiße Frau im Schloss zu Wittenberg

Wie in den Palästen mehrerer hoher und fürstlicher Häuser Deutschlands und Böhmens, so hat sich auch vormals im kurfürstlichen Schloss zu Wittenberg, und zwar auf dem Gang, der zur Schlosskirche führt, von Zeit zu Zeit ein Gespenst sehen lassen, namentlich so oft ein betrübender Todesfall dort bevorstand. Es war bekannt unter dem Namen Die weiße Frau.
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Aus dem Wigwam – Manitoba

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor

Manitoba

er See Manitoba, der der neuen aus dem Red River-Gebiet geschaffenen Provinz den Namen lieh, verdankt selbst seinen Namen einer kleinen Insel, aus der in der Stille der Nacht eine für die Indianer geheimnisvolle Stimme erklingt.

Die seltsame Erscheinung füllt das Gemüt der dort hausenden Chippeway mit einer gewissen ehrfurchtsvollen Scheu, sodass sie der Insel weder sich nähern noch darauf landen, in dem Glauben, dass der Ort heilig sei als die Wohnung des Manitoba – des sprechenden Gottes. Die Stimme des sprechenden Gottes rührt übrigens von dem Wellenschlag gegen den aus großen Kieselsteinen geformten Ufersaum her. An der Nordküste der Insel zieht sich ein niederes Riff von feinkörnigem dichtem Kalkstein hin, der unter dem Schlag des Hammers wie Stahl ertönt. Die durch den Weiterlesen

Hannikel – 3. Teil

Christian Friedrich Wittich
Hannikel
oder die Räuber- und Mörderbande, welche in Sulz am Neckar in Verhaft genommen und daselbst am 17. Juli 1787 daselbst justifiziert wurde
Verlag Jacob Friderich Heerbrandt, Tübingen, 1787

Hannikel und seine Brüder Geuder und Wenzel kamen auch wirklich so weit abwegs, dass sie zuletzt Ungesittetheit und Rohheit vor Schnellkraft und Geistesstärke, Tücke für feine Klugheit, und das Bewusstsein, Böses getan zu haben, für edles Selbstgefühl hielten.

Sollte nun wohl der geneigte Leser, der vorläufig schon Hannikel und seinen Brüdern das Wiedervergeltungsrecht Weiterlesen

Elbsagen 57

Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig

57. Friedrich der Weise und sein Bruder werden aus großer Lebensgefahr gerettet.

Einst fuhren die beiden sächsischen Fürsten, der Kurfürst Friedrich der Weise und sein Bruder, Herzog Johann, von Torgau auf der Elbe in einem Schifflein, kurz nachdem das Eis gebrochen war und während große Eisschollen gegen das Fahrzeug anrannte, nach Wittenberg. Wie sie nun dort an dem Wassergraben, der neben dem Schloss ist, anlangten und dort aus dem Schiff stiegen, da zerbrach es in mehrere Teile und zerschellte. Die Fürsten aber Weiterlesen