Archiv

Literatur

Deutsche Hausmärchen – 1. Märchen

Johann Wilhelm Wolf (Hrsg.)
Deutsche Hausmärchen
Göttingen, Leipzig 1851
1. Märchen
Der Fischersohn, der Rappe und der Schimmel

In einem großen Wald lag ein großer See, an dem ein Fischer mit seiner Frau wohnte. Gott hatte ihnen fünf Söhne geschenkt, von denen jeder schöner war als der andere. Jeden Morgen zog der Fischer zu dem See, warf seine Netze aus und abends zog er sie wieder ein. Stets waren sie voller schöner, guter Fische. Es war, als ob ein besonderer Segen auf seiner Arbeit ruhte. Dieser schien von einem kleinen grauen Männchen zu kommen, das sich jeden Tag am See zeigte und in dem Kahn und an den Netzen herumhüpfte, als ob es die Fische locke.

Als die Söhne größer wurden, mussten sie nacheinander mit auf den Fischfang ausziehen. Die übrigen vier trugen derweil die Fische in die Stadt und verkauften sie für viel Geld. Eines Tages zog auch der Jüngste, der gerade zwanzig Jahre alt geworden Weiterlesen

Das Astoria-Abenteuer – Teil 4

Max Felde
Das Astoria-Abenteuer
Nach den zeitgenössischen Aufzeichnungen von Washington Irving erzählt
Illustriert von L. Berwald
Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig. Stuttgart, Berlin, Leipzig. 1912

Bei den Zebramenschen – Ein Pferdehandel

War die Fahrt auf dem Missouri für den Naturfreund bisher schon außerordentlich genussreich, so wurden die landschaftlichen Szenerien von jetzt an immer eigenartiger, ursprünglicher und schöner. Es ging immer tiefer hinein in die vom Leben und Treiben der Bleichgesichter noch völlig unberührte Wildnis.

Hatte der Frühling das Grün jungfrisch hervorbrechen lassen, so glichen die Prärien nun herrlichen Teppichen in den wunderbarsten Farben, denn überall, wohin das Auge blickte, blühten die prächtigsten Blumen. Auch die zahlreichen Inseln im Fluss, an denen die Boote gewöhnlich anlegten, waren entweder bewaldet oder boten den Anblick von blühenden Gärten. Häufig rankten sich blühende Wildreben an den Bäumen empor, kletterten bis ins äußerste Geäst und senkten sich dann in langen Fäden weit über die Ufer hinaus auf die Wasserfläche, wobei sie herrliche balsamische Gerüche und Düfte Weiterlesen

Buffalo Bill Der letzte große Kundschafter – 19. Kapitel

Buffalo Bill
Der letzte große Kundschafter
Ein Lebensbild des Obersten William F. Cody, erzählt von seiner Schwester Helen Cody Wetmore
Meidingers Jugendschriften Verlag, Berlin 1902

Neunzehntes Kapitel

Das Leben in der Armee in Fort McPherson

Im Frühjahr 1870 setzte Will seinen Entschluss vom Vorjahr in die Tat um und ließ sich in der schönen Landschaft westlich des Platte River nieder. Nachdem er eine Unterkunft vorbereitet hatte, in der sich seine Familie wohlfühlen würde, nahm er Urlaub und reiste nach St. Louis, um seine Frau und seine Tochter Arta, die inzwischen ein hübsches dreijähriges Mädchen war, abzuholen.

Der Ruhm von Buffalo Bill hatte sich weit über die Prärie hinaus verbreitet und während seines einmonatigen Aufenthalts in St. Louis stand er im Mittelpunkt großer Aufmerksamkeit. Als sich die Familie auf die Abreise in ihr neues Zuhause an der Frontier vorbereitete, Weiterlesen

Der hinkende Teufel – Kapitel 2

Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840

Zweites Kapitel
Fortsetzung der Befreiung des Asmodi

Der Dämon sah, dass sein Anblick die Studenten nicht zu seinen Gunsten einnahm, und sagte lächelnd: »Hier, Señor Don Cleophas Leandro Perez Zambullo, sehen Sie den reizenden Liebesgott, den souveränen Beherrscher der Herzen, vor sich. Wie gefällt Euch mein Aussehen und meine Schönheit? Sind die Dichter nicht ausgezeichnete Schilderer?«

»Offen gestanden«, antwortete Don Cleophas, »schmeicheln Sie ein wenig. Ich darf voraussetzen, dass Sie nicht in dieser Gestalt Psyche erschienen sind!«

»Das in der Tat nicht«, fiel der Teufel ihm ins Wort, »ich nahm die Gestalt eines kleinen französischen Marquis an, um sie plötzlich Weiterlesen

Die Hexen von Lancashire Band 1 – Kapitel 4

Die Hexen von Lancashire
Erster Band
Ein Roman aus dem Pendle-Wald von William Harrison Ainsworth
Leipzig, 1849

Einleitung
Der letzte Abt von Whalley
Viertes Kapitel

Der Fluch

Die gefangenen Geistlichen hatten zusammen mit ihrer starken Eskorte unter dem Kommando von John Braddyll, dem High Sheriff der Grafschaft, die vergangene Nacht in Whitewell im Bowland Forest verbracht. Dem Abt wurde gestattet, vor Antritt seiner letzten Reise eine Stunde lang in einer kleinen Kapelle auf einem benachbarten Hügel zu beten. Von dort aus konnte man Weiterlesen