Der hinkende Teufel – Kapitel 2
Alain-René Lesage
Der hinkende Teufel
Pforzheim 1840
Zweites Kapitel
Fortsetzung der Befreiung des Asmodi
Der Dämon sah, dass sein Anblick die Studenten nicht zu seinen Gunsten einnahm, und sagte lächelnd: »Hier, Señor Don Cleophas Leandro Perez Zambullo, sehen Sie den reizenden Liebesgott, den souveränen Beherrscher der Herzen, vor sich. Wie gefällt Euch mein Aussehen und meine Schönheit? Sind die Dichter nicht ausgezeichnete Schilderer?«
»Offen gestanden«, antwortete Don Cleophas, »schmeicheln Sie ein wenig. Ich darf voraussetzen, dass Sie nicht in dieser Gestalt Psyche erschienen sind!«
»Das in der Tat nicht«, fiel der Teufel ihm ins Wort, »ich nahm die Gestalt eines kleinen französischen Marquis an, um sie plötzlich in mich verliebt zu machen. Wenn das Laster keine angenehme Hülle annähme, würde es nicht anlocken. Ich schlüpfe nach Belieben in jede Gestalt. Ich hätte mich Euren Augen in einer schöneren und idealeren Form darstellen können. Da ich mich Euch jedoch ganz ergeben habe und nichts verhüllen beabsichtige, wollte ich, dass Ihr mich in der Gestalt seht, die mit der Meinung, die man von mir und meinen Beschäftigungen hat, in Einklang steht.«
»Ich bin nicht überrascht«, sagte Leandro, »dass Ihr ein wenig hässlich seid. Verzeiht mir den Ausdruck, aber der Verkehr, den wir zusammen haben werden, fordert Offenheit. Aber Eure Züge stimmen sehr wenig mit der Vorstellung überein, die ich mir von Euch gemacht habe. Ich bitte Euch, erklärt mir, weshalb Ihr denn hinkt?«
»Das stammt von einem Streit mit Pillardoc, dem Teufel des Eigennutzes, in Frankreich«, antwortete der Teufel. »Es ging darum, wer von uns beiden einen jungen Mann besitzen sollte, der aus der Provinz Maine nach Paris gekommen war, um dort sein Glück zu suchen. Da es sich um einen ausgezeichneten jungen Mann mit großen Talenten handelte, gerieten wir in heftigen Zank seinetwegen. Wir schlugen uns in der mittleren Luftregion. Pillardoc war der Stärkere und warf mich auf die Erde nieder, so wie einst Jupiter den Vulkan nach der Überlieferung der Poeten zur Erde schleuderte.
Die Ähnlichkeit dieser Geschichten war der Grund, weshalb mich meine Genossen den hinkenden Teufel nannten. Sie gaben mir diesen Beinamen, um mich zu verhöhnen, und seitdem ist er mir geblieben. Übrigens bin ich trotz dieses Fehlers flink genug auf den Beinen. Ihr werdet schon Zeugen meiner Behändigkeit werden.
Aber«, fuhr er fort, »beenden wir dieses Geplauder. Machen wir, dass wir aus dieser Bude fortkommen. Der Zauberer wird bald heraufsteigen, um an der Unsterblichkeit einer schönen Sylphide zu arbeiten, die ihn jede Nacht hier besucht. Wenn er uns überrascht, würde er mich ohne viel Umstände wieder in die Flasche stecken und ebenso mit Euch verfahren. Werfen wir vorher die Trümmer der zerbrochenen Phiole durchs Fenster, damit der Hexenmeister meine Befreiung nicht bemerkt.«
»Wenn er sie nach unserer Entfernung bemerkte, was«, fragte Zambullo, »wäre dann die Folge?«
»Was die Folge sein würde?«, antwortete der Hinkende, »man sieht wohl, dass Ihr das Buch vom Höllenzwang nicht gelesen habt! Wenn ich mich auch bis zu den Enden der Welt oder in die Region der flammenden Salamander flüchtete, um mich zu verbergen, oder wenn ich zu den Gnomen oder in die tiefsten Abgründe des Meeres niederstiege, so wäre ich da vor seiner Rache nicht geschützt. Er würde Beschwörungen anstellen, die so stark wären, dass die ganze Hölle davon erbebte. Ich könnte ihm noch so hartnäckig widerstreben, ich müsste vor ihm erscheinen, um die Strafe über mich ergehen zu lassen, die er mir auferlegen würde.«
»Wenn das so ist«, nahm der Student das Wort, »dann fürchte ich, wird unsere Verbindung nicht von langer Dauer sein. Dieser fürchterliche Schwarzkünstler wird eure Flucht bald entdecken.«
»Das kann ich nicht wissen«, versetzte der Geist, »denn uns ist nicht bekannt, was sich ereignen wird.«
»Wie«, rief Leandro Perez aus, »die Dämonen blicken nicht in die Zukunft?«
»Nein«, entgegnete der Teufel, »diejenigen, welche sich in dieser Beziehung auf uns verlassen, sind große Narren. Darum bringen Wahrsager und Wahrsagerinnen auch so viele Dummheiten vor und lassen so viele von den vornehmen Damen begehen, die von ihnen Aufschluss über zukünftige Ereignisse verlangen. Ich weiß also nicht, ob der Zauberer meine Entfernung bald bemerken wird, aber ich hoffe, dass er es nicht tun wird. Es gibt mehrere solcher Phiolen wie die, in der ich eingesperrt war. Es wird ihm nicht auffallen, dass diese fehlt. Zudem kann ich Euch sagen, dass ich in seinem Laboratorium bin wie ein Rechtsbuch in der Bibliothek eines Wucherers. Er denkt nicht an mich. Und wenn er es täte, würde er mir nie die Ehre erweisen, sich mit mir zu unterhalten. Er ist der stolzeste Hexenmeister, den ich kenne. Seit der Zeit, in der er mich eingesperrt hielt, hat er sich nicht ein einziges Mal herabgelassen, das Wort an mich zu richten.«
»Welch ein Mann!«, erwiderte Don Cleophas. »Was habt Ihr denn getan, um Euch seinen Hass zuzuziehen?«
»Ich habe einen seiner Pläne durchkreuzt«, antwortete Asmodi. »Es ging um eine Stelle in einer gewissen Akademie. Er verlangte sie für einen seiner Freunde, doch ich wollte sie einem anderen erteilen lassen. Der Zauberer machte einen Talisman, zusammengesetzt aus den mächtigsten Charakteren der Kabbala. Ich dagegen brachte meinen Mann in den Dienst eines großen Ministers, dessen Name den Sieg über den Talisman davontrug.«
Nachdem er so geredet hatte, raffte der Dämon alle Stücke der zerbrochenen Phiole zusammen und warf sie durchs Fenster. »Senhor Zambullo«, sagte er dann zu dem Studenten, »machen wir uns jetzt so bald wie möglich aus dem Staub. Nehmt den Zipfel meines Mantels und fürchtet nichts.«
So gefährlich dieser Vorschlag Don Cleophas auch erschien, er zog es doch vor, ihn anzunehmen, statt der Rache des Zauberers ausgesetzt zu bleiben. Er klammerte sich so gut er konnte an den Teufel, der ihn im nächsten Augenblick hinwegführte.
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