Das Geheimnis der Totengräber
Es war wieder so weit. Die Sonne versank und es würde nicht lange dauern, bis nur noch wenige Laternen auf dem Friedhof mit dem Mondlicht in Konkurrenz stehen würden.
Ich stand von dem alten Holzstuhl auf. Er knackte genauso wie meine Knie. Das feuchte Wetter war Gift für meine Knochen. Aber die Aufgabe musste erledigt werden. Ich schlurfte zum Radio und unterbrach Morten Harket. Dabei mochte ich »Lay me down tonight« wirklich sehr. Immerhin ging es darin auch um den Tod. Der Tod … ich musste schmunzeln. Die einen hielten ihn für das Ende, die anderen warteten auf ein Leben nach dem Tod. Aber dass es so aussehen würde, dachten sie bestimmt nicht. All die Christen und auch die anderen Religionen, die auf ein Eingehen in Himmel oder Hölle warteten. Doch wer rechnete schon Weiterlesen
Der Stammbaum der Fasolos
I
Urmo Fasolo war gerade dreißig Jahre alt geworden. Seit seiner Kindheit diente er Fürst Bandas, der einer der neun Fürsten war, die im Land Bargonien herrschten. Schon Urmos Vater hatte dem Fürsten gedient, und Urmos Sohn, falls er denn einmal einen solchen bekäme, würde ebenfalls der Fürstenfamilie dienen müssen, denn die Fasolos hatten viele Tausend Dukaten Schulden beim Fürsten, sodass es wohl Generationen dauerte, bis ihre Schuld abgetragen war.
Eines Tages aber wurde Fürst Bandas sehr krank, und man erfuhr von seinen Ärzten, dass er wohl nur noch wenige Tage zu leben hatte. Da ließ er Urmo zu sich an sein Krankenbett rufen.
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Die Waschanlage
Es war ein Abend, wie er nicht mieser sein konnte. Der alltägliche Ärger im Büro war heute besonders ausgeprägt gewesen, der Feierabendverkehr auf den Straßen schien in eine neue Dimension von Chaos und Aggression aufsteigen zu wollen und zu allem Überfluss zog nun auch noch feuchter Nebel vom Fluss in die Straßenschluchten und vermischte sich mit den Abgasen der endlosen Fahrzeugkolonnen zu einem stinkenden Dunst, der das Atmen schlimm erschwerte. Ich hasste Tage wie diesen, wenn sich diese riesige Stadt wie ein Moloch auf die Brust zu legen schien und man ein einziges Ziel hatte – nur raus aus diesem Zentrum ewiger Hektik und Betriebsamkeit!
Dieser letzte Tag im Oktober regte mich ohnehin seit Jahren immer mehr auf, da ich mit einiger Verärgerung feststellte, dass aus unseren unschuldigen Späßen der Kinderzeit, Süßigkeiten an diesem Tage zu erbetteln, inzwischen ein kommerzialisierter Festtag entstanden war, der bereits Wochen vor dem Weiterlesen
Der Nebel Notre Dames
Hoch über den Dächern von Paris, auf der Galerie des Chimères zu Notre Dame, weht in Nächten, in denen der Mond der Welt sein schmales Lächeln schenkt, eine Nebelwehe. In ihrem Herzen klirren leise Glöckchen, und in ihr hallen die Worte eines Versprechens nach: »Immer, wenn der Mond am Himmel lacht.«
Sie hatte ihn gefunden. Lange hatte sie gesucht, aber schlussendlich – und das war, was zählte, hatte sie ihn gefunden – hoch über den Dächern von Paris. Reglos stand er da – einer der stummen Wächter Notre Dames war er geworden. Unter seinen wachsamen aber doch reglosen Steinaugen floss die Seine entlang, trug in ihren Wellen Geschick und Schicksal. Ob das ihre ebenfalls dabei war? Oder das seine?
»Stein kann nicht sprechen, wie sollte die Seine von ihm erfahren?«, schoss es ihr durch den Kopf, während sie dichter zu ihm schwebte, über sein steinernes Antlitz strich.
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Der eiserne Turm
I
Pepas war vor kurzer Zeit dreißig Jahre alt geworden. Er lebte zusammen mit seiner Frau Moja, die gerade sein Kind erwartete, in einem kleinen Häuschen, das er sich mit harter Arbeit selber verdient hatte.
An diesem Abend stürmte und regnete es draußen, sodass Pepas früh zu Bett ging, was ihm gemütlicher erschien, als in der Wohnküche zu lesen, wie es Moja tat. Er lag kaum zehn Minuten unter seiner warmen Decke, als er schon einschlief.
Er träumte zu Anfang der Nacht etwas wirr. Später aber erschien ihm in seinem Traum eine schöne Frau mit langen, braunen Haaren, braunen Augen und einem wunderschönen, roten Mund. Sie sagte zu ihm, sie werde ihn jetzt küssen. Er Weiterlesen




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