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Storys & Lyrik

Der braune Puder

Der braune Puder

 

I

 

Dort ging er lang. Er hieß Ogen. Er war jung und hübsch, und sein Vater war der reichste Kaufmann der Stadt. Die anderen Mädchen waren auch hinter ihm her, doch sie hatten, obwohl manche von ihnen sehr schön waren, genau wie Zini keine Chance, ihn zu bekommen. Ogens Vater hatte eine Reihe von Geschäftsfreunden im ganzen Land, und er erwartete, dass Ogen eine der wunderhübschen Töchter dieser bedeutenden Herren zur Frau nahm.
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Ein Job wie jeder andere

Eine Krimi/Thriller-Kurzgeschichte von Oliver Wehse

»Beeilt euch ihr zwei!«, drängelte ich, »Ich muss nachher noch arbeiten.«

»Papa, dann musst du rechtzeitig hier sein!«, nörgelten meine beiden Töchter wie aus einem Munde.

»Ob ich nun 5 Minuten eher hier gewesen wäre oder nicht! Ihr seid nicht angezogen!«, rechtfertigte ich mich. »Los jetzt! Wir haben es eilig!«

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Meister

Die warmen Strahlen der aufgehenden Sonne tauchten das Zimmer in einen hellen, goldgelben Schein. Der Himmel leuchtete in einem kräftigen Pink, durchsetzt von orangen, purpurnen und rötlichen Streifen, welche selbst den flüchtenden Wolken einen farbenprächtigen Rahmen verliehen, der sie dreidimensional erscheinen ließ und so deutlich vom Firmament abhob. Die ersten Vögel trillerten zart und vielstimmig ihre Melodien. Flüsternder Wind zog am Fenster vorbei, ließ Äste und Blätter beben, Blumen und Gräser wiegten sich in seinem Takt.

Er seufzte. Noch im Halbschlaf drehte er sich zur Seite, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Seine Handflächen strichen sachte über den nackten Leib, die geschwungenen Rundungen, welche sich ihm darboten. Ihr Duft hing in der Luft, warum und verlangend war er. Eng drängte Weiterlesen

Werwolf

Dunkelgraue Wolkenfetzen zogen ihre Bahn über das tiefblaue Firmament. Der leuchtende Kreis des Mondes hüllte alles in seinen weiß-gelblichen Glanz, gab den Wolken einen überirdisch schimmernden Rahmen. Die vereinzelten Reste bläulichen Schnees schillerten silbern, als wären sie mit Glitzerstaub überzogen. Sachter Wind trieb dahin, summte sein klagendes Lied. Sanft zupfte er an seiner Kleidung, so, als wolle er ihn verführen, einen anderen Weg einzuschlagen.

Er hatte den breitkrempigen Hut tief in die Stirn gezogen, den Kragen seines Mantels aufgestellt, ging mit gesenktem Kopf und weit ausholenden Schritten dahin. Sein Atem eilte in kleinen, rauchgrauen Wölkchen an ihm vorbei. Die Kälte brannte auf seiner Haut, doch er Weiterlesen

Die schöne Laylie

Die schöne Laylie

 

I

 

In einem Dorf im Lande Barbon, das den Namen Kellia trug, lebte einst der junge Moris, der gerade zweiundzwanzig Jahre alt war, zusammen mit seiner Mutter Sala. Eines Tages saßen die beiden im Garten ihres kleinen Häuschens, welches Salas Mann, der vor Jahren an einer schlimmen Krankheit gestorben war, in jungen Jahren für seine Familie erbaut hatte. Sie sprachen über das Land und seinen Herrscher.
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