Vampir Horror Roman Nr. 1
Hugh Walker Hubert Straßl)
Vampir Horror Roman Nr. 1
Vampire unter uns
Erschienen am 12.09.1972 im Erich Pabel Verlag Rastatt
Titelbild: Carolus Adrianus Maria Thole
Jeden Abend sieht sie den Schatten am Fenster. Dann weht ein eisiger Hauch ins Zimmer. Der unheimliche Besucher lässt sich nicht abwehren. Bei seinem Anblick erstarrt die Frau vor Entsetzen. In der Totenstille hört sie immer wieder die gleiche Frage. Aber die Angst erstickt ihre Antwort. Denn sie kann nicht begreifen, dass plötzlich der Mann vor ihr steht, den sie vor vielen Jahren begraben hat …
Hugh Walkers Vampire unter uns verbindet klassische Schauerelemente meisterhaft mit den Mitteln des modernen Mystery-Thrillers. Was zunächst wie das rätselhafte Ehedrama einer entfremdeten Ehe beginnt, entfaltet sich rasch zu einer albtraumhaften Parabel über Schuld, Schicksal und die düstere Macht des Verdrängten.
Protagonist Peter Mertens wird in seiner Hochhauswohnung Nacht für Nacht von einer unheimlichen Präsenz geplagt. Seine Frau Martha bestreitet jegliche Wahrnehmung, doch Tonbandaufnahmen enthüllen Schockierendes: Martha führt Selbstgespräche mit einer unhörbaren Gestalt – ihrem verstorbenen Ex-Mann Willie Martin. Gemeinsam mit der kauzigen Detektei Hammerstock & Co. versucht Peter, das Mysterium zu entschlüsseln. Was folgt, ist ein beklemmendes Verwirrspiel aus Eifersucht, Selbstzweifeln und dem verzweifelten Versuch, das Unerklärliche mit Logik wie Hypnose oder Schizophrenie zu begreifen.
Der Wendepunkt folgt mit der Geburt eines Säuglings, der nicht nur dem Verstorbenen verblüffend ähnelt, sondern auch eine grausame physiologische Anomalie aufweist: Das Kind ernährt sich ausschließlich von Blut. Spätestens hier gleitet die Geschichte wirkungsvoll in den Körper- und Vampirhorror ab. Die Grenzen zwischen Realität und Magie verschwimmen, bis eine apokalyptische Vampirepidemie ausbricht und Peters tragisches Schicksal als Untoter besiegelt.
Erzählerisch lebt der Roman vom Kontrast seiner Welten: Kalte, urbane Betonarchitektur im sechsten Stock trifft auf klassische Gothic-Motive wie mondbeschienene Friedhöfe, Weihrauch und Pfählungsrituale. Hubschrauber-Suchscheinwerfer kreuzen sich mit altägyptischer Magie. Das emotionale Zentrum bildet die toxische Beziehung zwischen Peter und Martha, die Peters schrittweisen Verfall vom verunsicherten Ehemann zum willenlosen Werkzeug dunkler Mächte zeichnet.
Philosophische Tiefe erhält das Werk durch die Figur des Magiers Philip Malasse, der das Phänomen des Untoten nicht bloß als Parasitismus deutet, sondern als Manifestation der menschlichen Schattenseite. Der Schreibstil ist atmosphärisch dicht, von drückender Kälte geprägt und überzeugt durch den Wechsel aus temporeichen Dialogen und introspektiven Monologen. Das angehängte Horror-Lexikon am Ende rundet den Roman ab, indem es die Fiktion gekonnt in den realen literarischen Kontext einbettet.
Fazit:
Ein Highlight der deutschen Phantastik – intensiv, bildgewaltig und psychologisch tiefgründig.
(wb)

Schreibe einen Kommentar