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Famous Frontiersmen I

Daniel Morgan (1736 – 18o2)

Der berühmte virginische Schütze und seine Abenteuer mit dem Indianerbären

Daniel Morgan war ein bekannter virginischer Scharfschütze. In jungen Jahren meldete er sich im Franzosen- und Indianerkrieg freiwillig zum Militärdienst und schloss sich einer Armee unter Colonel St. Clair an. Dieser wurde, wie Sie sich zweifellos erinnern werden, von Little Turtle vernichtend geschlagen. St. Clairs Tapferkeit grenzte manchmal an Leichtsinn, und seine Feinde warfen ihm sogar Unbesonnenheit vor. Als er sein Lager nahe den Quellgebieten des Mississippi in den Ebenen der Chippewa aufschlug, positionierte er seine Männer jedenfalls zu nah an einem dichten Wald. Aus diesem Dickicht heraus konnten seine rothäutigen Feinde die Wachposten mühelos ausschalten, ohne sich selbst auch nur im Geringsten der Gefahr eines Gegenangriffs auszusetzen.

Fünf Nächte lang verharrte seine Armee in dieser Position, und fünf Nächte lang wurde ein Wachposten am düsteren Waldrand aufgestellt. Doch wehe! Jeder Mann, der diesen Posten bezog, wurde erschossen. Dies versetzte die Herzen der Soldaten in blankes Entsetzen. Als für die sechste Nacht ein Wachposten eingeteilt werden sollte, trat niemand vor, um diese Position ohne ernsthaften Protest zu übernehmen. St. Clair war sich bewusst, dass es reine Verschwendung von Menschenleben wäre, einen Posten an einer derart exponierten Stelle zu platzieren. Daher ordnete er an, diesen nicht länger zu besetzen. Dies erfreute seine Truppe sehr.

»Colonel«, sagten viele, »Sie sind ein vernünftiger Mann.«

Am Abend des sechsten Tages erschien jedoch ein Scharfschütze des Virginia-Korps vor dem Zelt des Colonels. Sein Name war Daniel Morgan.

»Sir«, sprach er salutierend, »ich traue mir zu, diesen Posten zu übernehmen. Stellen Sie mich dort auf und sehen Sie, was ich ausrichten kann.«

St. Clair musterte ihn zweifelnd.

»Ich halte Sie für ziemlich tollkühn«, erwiderte er. »Aber Sie sollen Ihren Willen haben. Gehen Sie, und viel Glück, mein Sohn.«

Kurze Zeit später marschierte die neue Wache auf. Der Kundschafter reihte sich hinten ein, schulterte sein Gewehr und trat vor.

»Ich werde unversehrt zurückkehren«, sagte er, als er den Vorderleuten folgte. »Und, Colonel St. Clair, ich werde am Morgen auf Ihr Wohl trinken.«

Die neue Wache marschierte weiter, erreichte die Stelle, die für die vorherigen Posten so tödlich geendet hatte, und machte Halt.

Nachdem er seinen Kameraden eine »Gute Nacht« gewünscht hatte, nahm der Wachposten sein Gewehr bei Fuß und spähte umher. Es war eine pechschwarze Nacht. Dichte Wolken bedeckten den Himmel, und es war kaum ein einziger Stern zu erkennen. Es herrschte absolute Stille, unterbrochen nur vom Schritt der abziehenden Wache. Der Grenzer schritt langsam auf und ab, hielt dann aber inne, als aus weiter Ferne der Ruf »Alles in Ordnung!« ertönte.

Er ließ sich auf einem umgestürzten Baum nieder und versank in Gedanken – doch horch! Was war das? Ein leises Rascheln drang aus dem Gebüsch. Angespannt starrte er in die Richtung, aus der das Geräusch zu kommen schien, konnte jedoch nichts als das undurchdringliche Dunkel des Waldes ausmachen. Das unheimliche Rascheln kam näher und näher, und ein wohlbekanntes Grunzen verriet ihm, dass sich ein großer Bär näherte. Langsam stapfte das Tier heran und suchte dann lautlos das Dickicht links von seiner Position auf.

Genau in diesem Moment gaben die Wolken den Mond frei, sodass der Soldat das schwerfällige Biest deutlich erkennen konnte. Wie groß war jedoch seine Überraschung, als er entdeckte, dass anstelle zweier pelziger Beine eine Hirschleder-Gamasche und zwei Füße in Mokassins unter dem Tier hervorschauten! Er hätte die sonderbare Bestie im Bruchteil einer Sekunde erschießen können, wusste aber nicht, wie viele weitere derartige Vierbeiner sich noch in der Nähe aufhalten mochten. So nahm er die Finger vom Abzug seines Gewehrs, zog Mantel und Hut aus, hängte beides an den Ast eines umgestürzten Baumes und kroch lautlos auf das Dickicht zu.

Tief hinter einigem Buschwerk geduckt, hörte er das tiefe Surren einer Bogensehne, und ein Pfeil, der dicht an seinem Kopf vorbeizischte, bestätigte seine Vermutung, dass noch weitere Rothäute in der Nähe sein mussten. Aus dem Gestrüpp zu seiner Rechten drang ein leises Stimmengemurmel. Der Wachposten blickte sich vorsichtig um. Als er das Geäst beiseite drückte, erkannte er die Umrisse eines Mannes und daraufhin noch etliche weitere. Er zählte sie durch und stellte fest, dass es insgesamt zwölf waren, von denen einige saßen, während andere der Länge nach auf dem dicht mit Laub bedeckten Waldboden lagen. Im Glauben, der surrende Pfeil habe den Wachposten niedergestreckt, und ohne auch nur im Entferntesten daran zu denken, dass jemand in Hörweite sein könnte, besprachen sie lautstark ihre Pläne für den kommenden Tag.

»Diese Männer sind nur wenige«, sagte einer von ihnen. »Gegen Abend werden wir vierzig Krieger bereithalten. Wir schießen einen Pfeil auf den Wachposten und greifen dann das Lager an.«

»Ugh! Ugh!«, pflichtete ein anderer bei. »Es wird ein Leichtes sein, diese bleichgesichtigen Krieger zu überwältigen. Es ist so gut wie erledigt. Es sind nur wenige Männer, die mit dem Posten herauskommen, und mit denen werden wir mühelos fertig.«

»Ah!«, rief ein Dritter. »Was für ein Vergnügen es sein wird, die Bleichgesichter heimwärts rennen zu sehen. Das wird ein Fest.«

Aufmerksam prägte sich der Wachposten die Männer ein. Er beobachtete, wie sie sich erhoben und ihre Gewänder in zahlreichen Falten eng um sich zogen. Er zitterte, als sie im Gänsemarsch durch den Wald abzogen, um sich einen entlegenen Ort zu suchen, an dem der Rauch ihres Lagerfeuers für die Weißen unsichtbar bliebe und wohin man ihnen nicht folgen würde, sobald die Kameraden den vermeintlich toten Posten fänden. Daraufhin erhob sich der Grenzer aus seiner geduckten Haltung und kehrte auf seinen Posten zurück. In seinem Hut steckte ein Pfeil, und sein Mantel wurde gleich von zwei durchbohrt.

»Bei Gott«, murmelte er, »da bin ich aber mit knapper Not entkommen.«

Er hüllte sich in seinen langen Mantel, kehrte umgehend ins Lager zurück und verlangte unverzüglich, Colonel St. Clair zu sprechen.

»Ich habe Colonel St. Clair etwas äußerst Wichtiges mitzuteilen«, sagte er zu der Wache vor dessen Zelt.

Als der Soldat sein Anliegen meldete, befahl sein kommandierender Offizier, ihn sofort vorzulassen.

»Sie haben gute Arbeit geleistet«, lobte St. Clair, nachdem er seine Geschichte angehört hatte. »Darüber hinaus ernenne ich Sie hiermit zum Lieutenant des Virginia-Korps, damit Sie die Stelle Ihres bedauernswerten Kameraden, Lieutenant Phipps, einnehmen können, der vor drei Nächten fiel. Sie müssen sich morgen Abend mit einer Vorhut bereithalten, um zu jenem verhängnisvollen Außenposten zu marschieren, dort Ihren Hut und Mantel über die Äste zu hängen und den Eindringlingen einen Hinterhalt zu legen.«

»Es ist mir eine Freude, Ihre Befehle auszuführen«, erwiderte der frisch ernannte Lieutenant mit einem breiten Lächeln.

Gemäß dem Befehl von Colonel St. Clair marschierte am darauffolgenden Abend um halb acht eine Abteilung von vierzig Scharfschützen unter der Führung von Lieutenant Morgan aus dem Lager. Sie schlugen einige Pfähle in den Boden, drapierten Hut und Mantel so darüber, dass es aussah, als stünde ein Soldat Wache, und schlichen sich dann lautlos davon, um sich im Gebüsch zu verstecken. Eine Stunde lang harrten sie reglos aus und lauschten gebannt auf das Herannahen der Rothäute. Die Nacht war eisig und still. Ein Vollmond goss seinen glänzenden Schimmer über Feld und Wald. Schnee lag auf dem Boden, und als sie durch den Kontakt mit dem kalten, flockigen Weiß durchfroren waren, begannen einige Soldaten recht hörbar zu murren.

»Ruhe!«, flüsterte Lieutenant Morgan. »Ich höre raschelndes Laub, und es ist offensichtlich, dass sich entweder ein Bär oder einige rote Männer nähern.«

Alle duckten sich tief und hielten aufmerksam Ausschau. Kurz darauf tauchte ein großer Braunbär aus dem Dickicht auf und streifte den Hinterhalt.

»Pscht!«, zischelte ein Soldat. »Seht euch seine Füße an!«

Und tatsächlich lugten unten Mokassins hervor. Der Bär kundschaftete die Lage aus; sah den Wachposten an seinem Platz stehen; zog sich einige Schritte in den Wald zurück; richtete sich dann auf und feuerte einen Pfeil ab, der den falschen Wachposten krachend zu Boden riss. Das Tier stand da und betrachtete sein Werk mit Interesse.

Die virginischen Schützen waren so ungeduldig, den Tod ihrer Kameraden zu rächen, dass sie kaum warten konnten, bis der Lieutenant den Feuerbefehl gab. Wie ein Mann erhoben sie sich schließlich und gaben eine Salve ab. Der Bär sackte augenblicklich auf den schneebedeckten Boden, und auch etliche rote Krieger, die sich hinter ihm herangepirscht hatten, wurden zur Strecke gebracht. Die Grenzer luden in Windeseile nach, stürmten in den Wald, feuerten erneut und töteten oder verwundeten etliche weitere Feinde.

Höchst zufrieden und beflügelt von ihrem leichten Sieg marschierten sie anschließend ins Lager zurück. Zehn Wilde waren den tödlich zielenden Gewehren zum Opfer gefallen, und unter den Frauen des Chippewa-Stammes herrschte Jammern und Wehklagen. Doch was wurde aus Lieutenant Morgan? Dieser tapfere Soldat stieg bis zum Captain auf und kehrte bei Beendigung des Franzosen- und Indianerkrieges in seine Heimat nahe Winchester, Virginia, zurück, wo er bis zum Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges auf seiner Farm lebte. Dort erlangte er an der Spitze eines Korps von virginischen Scharfschützen großen Ruhm und Bekanntheit; er nahm an manch wichtiger Schlacht teil und leistete der amerikanischen Sache herausragende Dienste.

Doch den Bären, der auf Menschenfüßen wandelte, vergaß er nie.

Quelle:
Famous frontiersmen and heroes of the border, their adventurous lives and stirring experiences in pioneer days, by Charles H. L. Johnston, 1913

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