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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 69

Die Gänse von Putlitz

Uralt ist das Geschlecht der Edlen Herrn geheten de Gense in der Priegnitz. Bald nennen sie sich von Wittenberge, bald von Perleberg, wo auch eine Gänseburg war, bis schließlich die Bezeichnung von Putlitz alle anderen überwog, und dieser Name verblieb. Lange haben sie eine hervorragende Stellung in der Geschichte der Priegnitz eingenommen, und ihr Länderbesitz war groß, größer zeitweise als der der Grafen von Ruppin. Auch in der altmärkischen Wische auf dem linken Elbufer besaßen sie Güter, denn dort liegt ebenfalls mitten im Sumpf ein Burgwall, die Gansenburg genannt.

Man meint die Gänse stammten aus dem Geschlecht der alten Knesen der Brizaner Wenden, seien dann Christen geworden und hätten sich der deutschen Herrschaft angeschlossen. Deshalb seien sie auch zu Lehen von den Bischöfen von Havelberg gegangen, denn mit diesen hatte das Christentum hier dauernd Platz gegriffen. Daher soll es denn auch kommen, dass sie in einigen alten Urkunden den Namen Auke führen, was ein wendisches Wort sein und so viel als Gans bedeuten soll. Daneben lässt eine andere Sage sie deutschen Stammes sein und von den Grafen von Mansfeld herkommen, immerhin aber vor den Zeiten Albrecht des Bären hier ansässig werden.

Als nämlich Kaiser Heinrich V., heißt es, gegen den Sachsenherzog Lothar stritt, und dieser über die Kaiserlichen unter Graf Hoyer von Mansfeld am Welfesholze im Jahre 1115 n. Chr. siegte, wurde ein Sohn oder Vetter des Letzteren gefangen, indem er verwundet auf dem Schlachtfeld zurückgeblieben oder, wie andere sagen, bis zuletzt das Feld behauptet hatte. Dies soll dann der Stammvater derer von Putlitz geworden sein. Er blieb nämlich, wird weiter erzählt, am Hof Herzog Lothars und weil er sich hier durch Treue und Tapferkeit auszeichnete, soll ihm Lothar dann, als er Kaiser geworden war, die Burgwart Putlitz mit den zugehörigen Ländereien gegeben haben, denn er wollte die Priegnitz als eine Vormark gegen das noch heidnische Mecklenburg mit treuen Leuten besetzen. Weil aber jener, als er gefangen genommen wurde, gesagt haben soll: »Hier liege ich wie eine verflogene Gans«, gab ihm der Kaiser als Wappenbild eine gekrönte weiße Gans, die zum Flug sich anschickt, und welche seitdem auf dem roten Schild wie auf dem Helm derer von Putlitz prangt.

Als Bestätigung dieser Sage führt man an, dass es noch in der Nähe von Putlitz ein Dorf Mansfeld gebe. Doch ist die Sache mehr als zweifelhaft, jedenfalls aber sind die Putlitzer zu allen Zeiten streitbare und mannhafte Leute gewesen und haben die Führerschaft in der Priegnitz behauptet, wie sie auch jetzt noch die Erbmarschallwürde der Kurmark Brandenburg bekleiden. Am bekanntesten ist Caspar Gans von Putlitz, welcher zur Zeit der Quitzows Landeshauptmann der Priegnitz war, aber an dem Kampf, der sich zwischen diesem und dem Burggrafen Friedrich entspann, nicht Anteil nahm, indem er kurz vorher von dem Bischof Henning von Brandenburg durch dessen Hauptmann von Redern in einer Fehde im Dorf Dalchow bei Spandow überrascht und gefangen genommen worden war. Nachher war er ein treuer Anhänger des Kurfürsten und erwarb sich besonders in den Kriegen mit Pommern durch seine ritterliche Kriegserfahrung und unverdrossenen Mut großen Ruhm. Ein altes Volkslied feiert ihn besonders, wie er bei Angermünde den Pommern in den Rücken fiel und den Sieg entschied. In dem Volkslied heißt es:

Plattdeutsch

De Gans von Puttlitz lag hinder den Graven
Wo grimmig streckte se eren Kragen
Baven (über) die Gryffen (Greifen, Pommern) alle!
De Gryffen haddn die Flögel verlahrn,
De Adler (die Märker) schwewete dar baven.
De Gans war des Mudes also vol,
Dorch de Muer brack sie ein Hol (eine Höhle).
Dorch de harte Feldsteene.
Da se up de Markte quemen,
Da weren erer thene vör eenen …

Hochdeutsch

Die Gans von Puttlitz lag hinter den Gräben,
wo grimmig sie ihren Kragen streckte
über alle Greifen (Pommern) hinweg!
Die Greifen hatten die Flügel verloren,
der Adler (die Märker) schwebte darüber.
Die Gans war des Mutes so voll,
durch die Mauer brach sie ein Loch.
Durch die harten Feldsteine.
Als sie auf den Markt kamen,
da galten ihrer zehn für einen …

Eine merkwürdige Persönlichkeit ist unter seinen nächsten Nachkommen Wedego von Putlitz, der streitbare Bischof von Havelberg. Denn wenn ihn auch Herzog Heinrich von Mecklenburg, mit dem er manche Fehde wegen Grenzstreitigkeiten hatte, oft spöttisch den Küster von Wilsnack nannte, so hat er doch 27 Jahre mit kräftiger Hand dem Bistum vorgestanden. Er nahm es mit den kirchlichen Dingen sehr ernst, hielt oft Synoden zu Wittstock, deren Beschlüsse in Ansehung der Feier des Gottesdienstes, des Wuchers und der damals unter den Geistlichen herrschenden Trunksucht sehr gerühmt werden, aber wenn es die Rechte des Bistums oder den Landfrieden galt, dann schnallte er auch selbst den Harnisch um, und wenn auch dabei manche Gewalttat mit unterlief, ja er einmal sogar mit den Bauern in Papenbruch bei einer Exekution in ein Handgemenge geraten sein soll, so stand er doch so in Ansehen, dass der Kurfürst ihn zum Landeshauptmann oder Statthalter in der Priegnitz noch nebenbei machte. Da hat er denn noch kurz vor seinem 1487 erfolgten Tod im Bund mit dem Hauptmann der Altmark, dem von Pappenheim, fünfzehn Raubschlösser eingenommen und zerstört und so den Räubereien im Lande ein Ende gemacht.

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