Archiv

Einbrecher aus Leidenschaft – Einen Dieb fangen III

Einen Dieb fangen

III

Raffles stand über mir, als ich wieder zu Bewusstsein kam. Ich lag auf dem Bett ausgestreckt, über das dieser Ganove Belville seinen fürchterlichen Schlag geführt hatte. Der Koffer lag auf dem Boden, aber sein niederträchtiger Besitzer war verschwunden.

»Ist er weg?«, war meine erste schwache Frage.

»Gott sei Dank du jedenfalls nicht!«, antwortete Raffles mit etwas, das mir damals als reine Leichtfertigkeit erschien. Ich schaffte es, mich auf einen Ellbogen zu stützen.

»Ich meinte Lord Ernest Belville«, sagte ich mit Würde. »Bist du ganz sicher, dass er über alle Berge ist?«

Raffles winkte mit der Hand in Richtung des Fensters, das weit offen zu den Sommersternen stand.

Weiterlesen

Ein Freund und Mitstreiter ist von uns gegangen

Ein Freund und Mitstreiter ist von uns gegangen

Torsten Low war nicht nur ein leidenschaftlicher Verleger, sondern vor allem ein zutiefst geschätzter Freund, eine tragende Säule der deutschen Phantastik-Szene und darüber hinaus. Sein plötzlicher Tod hinterlässt eine Lücke, die kaum zu füllen ist.

Mit seinem Verlag hat er über Jahre hinweg bewiesen, dass Phantastik – ob Fantasy, Science-Fiction oder Horror – weit mehr ist als nur Unterhaltung. Torsten brannte für die Geschichten, die er verlegte, und vor allem für die Menschen, die sie schrieben.

Er war kein Verleger, der sich hinter Verträgen und Zahlen versteckte. Man fand ihn dort, wo das Herz der Szene schlug: auf Messen, Conventions und Lesungen. Für unzählige Autorinnen und Autoren war er der erste große Förderer, ein geduldiger Mentor und ein verlässlicher Partner auf Augenhöhe. Mit unermüdlichem Engagement, Herzblut und einem unverkennbaren Gespür für verborgene Talente hat er die deutschsprachige Phantastik Weiterlesen

Marc Jordan – Band 1 – Kapitel 6

Marc Jordan
Heldentaten des größten französischen Detektivs
Band 1
Die Entführung einer Jungfrau
Kapitel 6
Die Romanze des alten Bettlers

Das Haus war wie geschaffen dafür, jemanden zu verbergen. Es stand an einem abgelegenen Ort und war von einem Garten umgeben, der durch hohe Mauern geschützt wurde. Betreten werden konnte er nur durch ein Gittertor, das mit einer hohen Verblendung versehen war, die jeden neugierigen Blick durch die Stäbe verwehrte.

Das Gebäude wirkte düster; sämtliche Fenster und Türen waren sorgfältig verschlossen. Die umliegenden Gartenmauern waren dunkel und an mehreren Stellen rissig. Auf den ersten Blick erweckte das Anwesen den Eindruck, als sei es schon lange unbewohnt und dem Verfall durch Witterung und Zeit preisgegeben.

Weiterlesen

Das Wrack des Piraten – 2. Kapitel

Friedrich Gerstäcker
Das Wrack des Piraten
2. Kapitel
Das Wrack

Am anderen Morgen saß die Señora allein in dem noch leeren Gastzimmer. Sie hatte ihr Nähzeug vor sich auf dem Schoß, doch die sonst so geschäftige Nadel ruhte in ihrer Hand. Für sie höchst ungewöhnlich blickte sie nachdenklich vor sich nieder.

Aufrichtig gesagt, ging ihr der Fremde nicht aus dem Kopf. Gemeinsam mit Manuela hatte sie fast bis Mitternacht all die alten Schuldner in ihren Büchern durchsucht – von A bis Z. Und das waren wahrlich nicht wenige: Chilenen, Engländer, Franzosen, Deutsche, Amerikaner und Italiener; eben alle, die das Schicksal an diese Küste geworfen hatte. Doch sie hatte keinen Einzigen gefunden, dessen Person oder Rechnung auch nur im Geringsten zu dem wunderlichen Fremden passte. Die alte Dame erfreute sich zwar eines ausgezeichneten Gedächtnisses, sodass sie sich zu fast jedem Namen nach kurzem Nachdenken die Gestalt des Betreffenden ins Gedächtnis rufen konnte; der gewaltige Bart jedoch und das tief über die linke Gesichtshälfte fallende Haar Weiterlesen

Adalbert von Geiersberg – Kapitel 3

Adalbert von Geiersberg
genannt: Der Ritter von Habenichts,
ein Zauberzwerg namens Mossul sowie Meschhed, die Amazonenkönigin – das schönste Weib auf Erden und zugleich die furchtbarste Zauberin des Morgenlandes.
Eine abenteuerliche und höchst wundersame Geschichte aus der Zeit der Kreuzzüge nach Jerusalem.
Altötting und Burghausen, um 1860
Verlag der J. Lutzenberger’schen Buchhandlung

Dreifache Rettung

Georg schüttelte den Kopf. Alles überzeugte ihn, dass es hier nicht geheuer sei und ihnen beiden die größte Gefahr drohe. Im Stall, in dem sich nur zwei Kühe befanden, wies er jedem seiner zwei Rosse einen eigenen Stand zu – ohne jedoch die Sättel abzunehmen, damit sie nötigenfalls augenblicklich zum Aufsitzen bereit standen. Er ließ sie nicht angebunden vor der Raufe stehen, um durch nichts aufgehalten zu werden.

Weiterlesen