Archiv

Adventskalender 2024 – 22. Türchen

Das kleine Zauberpferd

Es war einmal ein armer Mann, der hatte zwölf Söhne, und weil er sie zu Hause nicht alle ernähren konnte, schickte er sie in die große Welt hinaus, sie sollten sich selbst ihr Brot verdienen und das Glück versuchen. Zwölf Tage und Nächte gingen die Brüder quer über Berg und Tal, bis sie zuletzt ein reicher König zu Reitknechten annahm und jedem dreihundert Gulden Jahreslohn versprach. Nun war unter den Pferden des Königs ein sehr mageres hässliches kleines Pferd, das plagten und quälten die elf älteren Brüder fortwährend, weil es so hässlich war, aber der Jüngste sorgte besser dafür als jene; er suchte alle Brotrinden und Überbleibsel zusam­men für das kränkliche Pferdchen. Deswegen ver­spotteten ihn denn auch seine Brüder oft, ja zuletzt verachteten sie ihn ganz, als wäre er närrisch. Aber er ließ sich den Spott ganz ruhig gefallen und die Verhöhnung, ebenso ruhig wie das Pferdchen die Quälerei.
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Aus den Geheimakten des Welt-Detektivs – Band 8 – 4. Kapitel

Aus den Geheimakten des Weltdetektivs
Band 8

Die Geliebte des Staatsanwalts

4. Kapitel

Marter und Pein

Als Staatsanwalt Whitely in die Villa der Lady Likeness trat, um dieser einen Besuch abzustatten, fiel es ihm auf, dass die Dienerschaft neugierig vor der Tür zum Salon stand und miteinander flüsterte. Das Gespräch verstummte, als der Staatsanwalt nahte.

Was konnte der Dienerschaft Stoff zu leise geführten Unterhaltungen bieten? Der Staatsanwalt dachte daran, eine Frage zu stellen. Doch er kam nicht in diese Verlegen­heit. Ein Diener öffnete die Tür zum Salon und bat ihn, einzutreten.

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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 54

Die Wahrzeichen Neu-Ruppins

Nicht bloß die alte Welt hatte 7 Weltwunder, auch Neu-Ruppin hat deren sieben aufzuweisen, nämlich: 1. einen Kanal ohne Wasser, 2. einen Weinberg ohne Wein, 3. einen Berg ohne Höhe (den Taschenberg, eine Straße), 4. einen Bienenkorb ohne Bienen (der Kirchturm der Pfarrkirche sieht wie ein Bienenkorb aus), 5. einen Rosenwinkel (eine Straße) ohne Rosen, 6. ein Kloster ohne Mönche (das alte Dominikaner Kloster), 7. eine Nonne ohne Kloster.

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Adventskalender 2024 – 21. Türchen

Der Teufel und die drei jungen Slaven

Wo war es, wo war es nicht — im Slavenland war einmal ein Mann, der hatte drei Söhne. Zu denen sagte er eines Tages: »Nun meine Kinder, geht einmal Land und Welt zu sehen. Es gibt ein Land, da badet sich auch die Goldammer in Wein, da ist auch der Hofzaun von Bratwürsten geflochten, und wenn ihr irgend glücklich werden wollt, müsst ihr vor allen Dingen des Landes Sprache lernen.«

Die drei Söhne hörten mit Freuden die Beschreibung des wunderbaren Lan­des an und brannten vor Begierde sich dahin auf den Weg zu machen. Ihr Vater begleitete sie bis auf einen hohen Berggipfel, dahin brauchten sie drei Tage zu gehen, und wie sie oben ankamen, waren sie an der Grenze des gesegneten Landes.

Da hing der Vater seinen Kindern einen leeren Ranzen um den Hals, und indem er dem Ältesten die Richtung Weiterlesen

Der mysteriöse Doktor Cornelius – Band 1 – Episode 5 – Kapitel 1

Gustave Le Rouge
Der mysteriöse Doktor Cornelius
La Maison du Livre, Paris, 1912 – 1913
Fünfte Episode 
Das Geheimnis der Insel der Gehenkten 
Erstes Kapitel
Die Suche nach außergewöhnlichen Empfindungen

Es war zwei Uhr morgens. Die Kunden des Lapin Rouge, eines Nachtclubs nahe den zentralen Hallen und ausschließlich von der unteren Gesellschaftsschicht von Paris frequentiert, drängten sich tumultartig im großen Saal im Erdgeschoss. Der Absinth und der Weißwein flossen in Strömen über den Zinktheken, um die sich die Zuhälter mit auffälligen Krawatten, schrägen, glänzenden Blicken und ehrlichen Arbeitern, die jede Nacht mit dem Entladen von Gemüse und frischen Waren beschäftigt waren, chaotisch vermischten.

Dort waren Lumpensammler, deren Karren, gespannt von einem magersüchtigen Esel, auf der Straße warteten, Sammler von Weiterlesen