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Ein moderner Jekyll und Hyde

George Barton
Ein moderner Jekyll und Hyde

Wie viele Menschen erinnern sich heute an die tragische Geschichte des Lebens und Todes von Blanche Lamont aus San Francisco und an das, was als das Geheimnis des Kirchturms bekannt wurde? Vermutlich nur wenige, und doch wurde es seinerzeit von Maine bis Kalifornien lebhaft diskutiert und allgemein als eines der größten Geheimnisse der damaligen Zeit angesehen.

Blanche Lamont war ein aktives Mitglied der Emanuel Baptist Church in San Francisco und ebenso gutherzig wie schön. Ihre charmante Art und ihr angenehmes Wesen verschafften ihr zahlreiche Freunde und nicht wenige Bewunderer des anderen Geschlechts. Einer von ihnen war Theodore Durrant, den sie im Verlauf ihrer kirchlichen Arbeit kennenlernte. Miss Lamont war ambitioniert und wollte sich unter anderem als Lehrerin qualifizieren. Deshalb besuchte sie eine Schule, in der sie rasch Fortschritte machte.

Am Morgen des dritten Tages im April 1895 verließ sie wie gewohnt ihr Zuhause, um zu dieser Schule zu gehen. Sie verbrachte dort zwei Stunden und verließ dann die Einrichtung zum Mittagessen, doch wurde bemerkt, dass sie in Richtung Kirche ging. Dies erregte Weiterlesen

Der lustige Kirmesbruder – Teil 4

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Der lustige Kirmesbruder
welcher durch listige Ränke auf den Kirmessen die Bauern und andere Personen unterhalten und vergnügt gemacht hat

Dritte Kirmes

Wie der lustige Kirmesbruder ein ganzes Dorf zu Narren machte und sich dabei viel Geld erwarb

Wegen meines lustigen Wesens wurde ich von etlichen Land­leuten ersucht, der Kirmes in Possendorf beizuwohnen. Anfangs wollte ich mich nicht dazu verstehen, da man mich aber allzu dringend bat, so versprach ich, gewiss nachzukommm. Dabei gab ich zugleich die Versicherung, dass ich das ganze Dorf zu Narren machen wollte, indem ich mir nur so viel vorbehielt, dass sie nichts davon sagen sollten, damit mir mein Vorhaben nicht misslingen möchte. So machten sich denn meine guten Freunde auf den Weg; ich aber traf mittlerweile die gehörigen Anstalten zur Ausführung meines Unternehmens, und zwar richtete ich meine Sachen so ein, dass ich kurz nach der Ankunft meiner Freunde dort eintreffen könnte. Nun packte ich vor allen Dingen meine gewöhnlichen Weiterlesen

Manitoba – Band 1 Kapitel 8

Kendall Kane
MANITOBA
Band 1
Ein Greenhorn namens Callaway

Kapitel 8

»Parbleu!«, keuchte Jean Marchand und taumelte rückwärts in den Hausflur zurück, kaum dass er den schussbereiten Revolver in der Hand des Mounties entdeckt hatte. »Was soll das, Monsieur Callaway? Wollen Sie mich erschießen, oder was?«

Callaway erstarrte, als er die Worte des Town Mayors vernahm. Sein Blick saugte sich wie der eines Kaninchens, das auf die Schlange starrte, an seinem Deane & Adams fest, indes ihm gleichzeitig bewusst wurde, was er da mit seinem unüberlegten Vorgehen angerichtet hatte.

Heavens, durchzuckte es den Constable, während er vor Scham am liebsten im Erdboden versunken wäre. Frenchy hat recht, du Weiterlesen

Der marmorne Schreibtisch

Der marmorne Schreibtisch

I

Jimmy, gerade 25 Jahre alt, hatte sein Studium der Literaturwissenschaft in Boston abgeschlossen und lebte nun in Chicago. Wie viele seiner Kommilitonen träumte er davon, ein berühmter Schriftsteller zu werden und mit dem Schreiben so viel Geld zu verdienen, dass er davon leben konnte.

Wie nur wenige seiner Kommilitonen besaß Jimmy jedoch auch das Talent dazu, diesen Traum zu verwirklichen. Er schrieb zunächst einige Gedichte und Kurzgeschichten und bekam dafür gleich mehrere kleine Literaturpreise.

Endlich wagte er sich an seinen ersten Roman. Er sollte ein Hammer werden, wie beispielsweise Die Buddenbrooks von Thomas Mann, sodass er sich damit gleich an die internationale Spitze katapultierte. Er wollte einen Gesellschaftsroman über die Yale-Absolventen seiner Zeit und deren Familien schreiben, natürlich mit einer tragischen Komponente und durchaus auch zeitkritisch, der sein Jahrhundert darstellte und Ausblicke auf eine neue Weiterlesen

Der Kurier und der Detektiv – Kapitel 6

Allan Pinkerton
Der Kurier und der Detektiv
Originaltitel: The Expressman and the Detective
Chicago: W. B. Keen, Cooke & Co., 113 and 115 State Street. 1875

Kapitel 6

Am fünften April, nachdem Maroney seine Vorbereitungen abgeschlossen hatte, nahm er den ersten Zug nach Atlanta über West Point. Der Tag war sehr warm, aber Maroney wurde von vielen Freunden zum Bahnhof begleitet. Mit vielen herzlichen Händedrücken verabschiedeten sie sich, einige begleiteten ihn bis zur ersten, manche sogar bis zur zweiten Station hinter Montgomery. Niemand hätte eine Reise unter günstigeren Vorzeichen beginnen können.

Bevor der Zug abfuhr, konnte man einen Deutschen langsam zum Bahnhof gehen sehen. Er hatte keine Sklaven, die ihm folgten oder ihn bedienten. Niemand kannte ihn, und der arme Kerl hatte keinen Freund, der ihm Lebewohl sagte. Er ging zum Fahrkartenschalter Weiterlesen