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Sagen der mittleren Werra 105

Der gute Born bei Möhra

Im Jahr 1688 am 12. des Monats Juni pflügte Hans Peter Luck von Möhra auf dem Acker seines Vaters, der links am Weg nach Etterwinden an dem sogenannten Seeb gelegen war, als er dort unvermutet eine starke Quelle zu Tage gehen sah. Der erstaunte Bauer rief den in der Nähe wei­denden Schäfer herbei, erweiterte mit dessen Hilfe die Öffnung des Sprudels und gewahrte nun, wie derselbe in der Tiefe aus einem kellerähnlichen Gewölbe hervorquoll. Das Wasser war molkig, hatte einen seltsamen Geschmack und färbte die Erde umher mit einem gelblichen Schlamm. Die aufgefundene Quelle wurde bald näher bekannt, und man entdeckte in ihr ein so vortreffliches Heilmittel gegen allerlei Leibesübel, dass von Nah und Fern viele dorthin eilten und für ihre Ge­pressten Genesung suchten und fanden. Die Feldbirnbäume in der Nähe hingen bald voll von Krücken, welche die ge­heilten Lahmen aus Dankbarkeit hier zurückgelassen hatten.

Als die Gemeinde solches Wunder sah, erwachte in ihr der Eigennutz, und sie gedachte die Quelle zu ihrem Vorteil auszubeuten. Sie beschloss ein Häuschen über den segensreichen Born zu setzen und einen Opferstock daneben zu errichten, um das so gewonnene Geld dann unter sich zu verteilen, und führte das auch aus. Darüber aber zürnten die gütigen Berg­geister, die solchen Weiterlesen →

Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges 31

Max Klose
Führer durch die Sagen- und Märchenwelt des Riesengebirges
Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Riesengebirge
Verlag von Brieger & Gilbers. Schweidnitz (Świdnica). 1887.
Überarbeitete Fassung

8. Der Schatz im Burgkeller

Hinter dem Haupteingang der Burg Lähnhaus zeigt sich an der linken Seite im Gebüsch ein halbverfallenes Kellerloch, aus welchem ein kalter Modergeruch steigt. Dieses Loch soll der Eingang zu einem unermesslichen Schatz sein, der seit Jahrhunderten dort in der Tiefe ruht. Die Reichtümer sind aber von einem geisterhaften Ritter bewacht, der bei Mondschein oft aus dem Kellerloch hervorlugt. Der Ritter wird entweder Hans oder Konrad genannt. Unter Hans von Czedliz, der 1465 in den Besitz der Burg kam, wurde sie zu den gefürchtetsten Raubschlössern des Landes gerechnet.

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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 69

Die Gänse von Putlitz

Uralt ist das Geschlecht der Edlen Herrn geheten de Gense in der Priegnitz. Bald nennen sie sich von Wittenberge, bald von Perleberg, wo auch eine Gänseburg war, bis schließlich die Bezeichnung von Putlitz alle anderen überwog, und dieser Name verblieb. Lange haben sie eine hervorragende Stellung in der Geschichte der Priegnitz eingenommen, und ihr Länderbesitz war groß, größer zeitweise als der der Grafen von Ruppin. Auch in der altmärkischen Wische auf dem linken Elbufer besaßen sie Güter, denn dort liegt ebenfalls mitten im Sumpf ein Burgwall, die Gansenburg genannt.
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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 68

Die Wenden bei Lenzen

In der Nähe von Lenzen gegen Mecklenburg zu liegt das Dorf Seedorf, welches auf einem abgelassenen See von niederländischen Kolonisten gegründet sein soll. Daneben ist eine Breite des Flüsschens Löcknitz, die in der Sprache der Leute der Wennsee genannt wird. In diesem soll nach der Sage einstmals ein ganzes Wendenheer seinen Untergang gefunden und der See daher den Namen empfangen haben. Man meint auch, dass es an demselben nicht recht richtig sei; wenigstens sollen sich des Nachts die Geister der Umgekommenen noch dort sehen lassen und, den Kopf unter dem Arm, herumwanken. Wirklich sind auch noch in der neuesten Zeit dort Menschenschädel, die sehr alt waren, von den Fischern aus dem Wasser aufgefischt worden.
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Kreaturen der Finsternis – Der Chupacabra

Die Legende von Esperanza

Weit im Hinterland, umarmt von schroffen Gipfeln und kargem Fels, lag ein Dorf inmitten seines bescheidenen Ackerlandes. Es war eine Welt aus Stein und wenigen, zähen Bäumen, in der die Menschen ein Leben in schlichter Eintracht führten. Sie bestellten den kargen Boden, hüteten ihr Vieh und feierten zur Erntezeit den kargen Segen ihrer Arbeit mit Musik und Speis. Es war eine Gemeinschaft, so eng verwoben wie ein festes Tuch; selten wagte sich jemand über die schützenden Grenzen des Tals hinaus. Sie lebten in tiefer Ehrfurcht vor der Natur, überzeugt, dass jedes Geschöpf seinen rechtmäßigen Platz in der Ordnung der Welt besaß.

Fremde waren selten, doch wenn sie die Pfade ins Dorf fanden, wurden sie mit offenen Armen empfangen – solange sie das ungeschriebene Gesetz des Ortes achteten. Doch mit den Wanderern kam bisweilen auch das Unheil: kleiner Diebstahl oder die Sünde der Wilderei. In solchen Zeiten oblag es dem Rat der Ältesten, über Recht und Unrecht zu richten.

Doch eines Tages erschien ein Wesen in ihrer Mitte, das keinem Gesetz der Natur entsprang. Es war kein gewöhnlicher Reisender. Das Geschöpf erhob sich auf die Hinterbeine, sein Leib war flach wie der einer Echse, der Rücken bewehrt mit Stacheln, die im Weiterlesen →