Das Wrack des Piraten – 2. Kapitel
Friedrich Gerstäcker
Das Wrack des Piraten
2. Kapitel
Das Wrack
Am anderen Morgen saß die Señora allein in dem noch leeren Gastzimmer. Sie hatte ihr Nähzeug vor sich auf dem Schoß, doch die sonst so geschäftige Nadel ruhte in ihrer Hand. Für sie höchst ungewöhnlich blickte sie nachdenklich vor sich nieder.
Aufrichtig gesagt, ging ihr der Fremde nicht aus dem Kopf. Gemeinsam mit Manuela hatte sie fast bis Mitternacht all die alten Schuldner in ihren Büchern durchsucht – von A bis Z. Und das waren wahrlich nicht wenige: Chilenen, Engländer, Franzosen, Deutsche, Amerikaner und Italiener; eben alle, die das Schicksal an diese Küste geworfen hatte. Doch sie hatte keinen Einzigen gefunden, dessen Person oder Rechnung auch nur im Geringsten zu dem wunderlichen Fremden passte. Die alte Dame erfreute sich zwar eines ausgezeichneten Gedächtnisses, sodass sie sich zu fast jedem Namen nach kurzem Nachdenken die Gestalt des Betreffenden ins Gedächtnis rufen konnte; der gewaltige Bart jedoch und das tief über die linke Gesichtshälfte fallende Haar Weiterlesen
Adalbert von Geiersberg – Kapitel 3
Adalbert von Geiersberg
genannt: Der Ritter von Habenichts,
ein Zauberzwerg namens Mossul sowie Meschhed, die Amazonenkönigin – das schönste Weib auf Erden und zugleich die furchtbarste Zauberin des Morgenlandes.
Eine abenteuerliche und höchst wundersame Geschichte aus der Zeit der Kreuzzüge nach Jerusalem.
Altötting und Burghausen, um 1860
Verlag der J. Lutzenberger’schen Buchhandlung
Dreifache Rettung
Georg schüttelte den Kopf. Alles überzeugte ihn, dass es hier nicht geheuer sei und ihnen beiden die größte Gefahr drohe. Im Stall, in dem sich nur zwei Kühe befanden, wies er jedem seiner zwei Rosse einen eigenen Stand zu – ohne jedoch die Sättel abzunehmen, damit sie nötigenfalls augenblicklich zum Aufsitzen bereit standen. Er ließ sie nicht angebunden vor der Raufe stehen, um durch nichts aufgehalten zu werden.
Das Astoria-Abenteuer – Teil 7
Max Felde
Das Astoria-Abenteuer
Nach den zeitgenössischen Aufzeichnungen von Washington Irving erzählt
Illustriert von L. Berwald
Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig. Stuttgart, Berlin, Leipzig. 1912
Mac Dougal erfährt eine Demütigung
Während der Nacht hatte sich ein kräftiger Nordostwind erhoben, der den Himmel nach und nach mit dunklem Gewölk überzog. Mr. Dougal und seine Gefährten waren nach dem Auftritt in der Kapitänskajüte wieder in das Hinterschiff gegangen. An Schlafengehen war bei der großen Erregung, in der sie sich befanden, jedoch zunächst nicht zu denken. Dazu traten rasch nacheinander weitere Beunruhigungen und Belästigungen ein, die später noch näher geschildert werden.
Die Bewegungen des Schiffes, das bisher ziemlich steif auf Steuerbord lag, wurden allmählich stärker und schließlich sogar heftig. Gegen Mitternacht erhob sich auf den Treppen und an Deck in immer kürzeren Pausen ein gewaltiges Getrampel. Kommandorufe erschallten und schrilles Pfeifen ertönte. Die Freiwachen, die inzwischen geweckt worden waren und ihre schweren Wasserstiefel anziehen mussten, stampften nach oben. Sie wurden zum Dienst herangezogen – was kein gutes Weiterlesen
Die Geschichte des goldenen Saffianschuhs – Kapitel 3
Antonina Domańska
Die Geschichte des goldenen Saffianschuhs
Original: Historia żółtej ciżemki
Eine Erzählung aus der Zeit der Herrschaft von Kasimir IV. Andreas
Mit 11 Illustrationen
Kapitel 3: Bei den Gauklern
Die Prinzessin und die Teufel – Der Bauchredner – Herr Prot spendiert Bier – Margośka auf dem Seil – Wawrzek steht auf dem Kopf – Die Ziege Beksa und Grzegorz’ Peitsche – Warum die Wagenplane schepperte
Wawrzek schlug die Augen auf.
»Wo bin ich denn?«, rief er laut.
Adalbert von Geiersberg – Kapitel 2
Adalbert von Geiersberg
genannt: Der Ritter von Habenichts,
ein Zauberzwerg namens Mossul sowie Meschhed, die Amazonenkönigin – das schönste Weib auf Erden und zugleich die furchtbarste Zauberin des Morgenlandes.
Eine abenteuerliche und höchst wundersame Geschichte aus der Zeit der Kreuzzüge nach Jerusalem.
Altötting und Burghausen, um 1860
Verlag der J. Lutzenberger’schen Buchhandlung
Die Mörderhöhle im Wald
Als Adalbert vor vier Jahren von einer weiten Reise im Auftrag des Kaisers heimkehrte, hatte er in einem schattigen Wald sein Ross an den Ast eines Baumes gebunden und sich darunter gelagert, um sich von der heftigen Sonnenhitze des anstrengenden Ritts zu erholen. Vor Ermüdung war er in einen tiefen Schlaf gesunken, aus dem ihn ein wilder Lärm aufschreckte. Fünf Räuber hatten ihn überfallen. Zwei von ihnen waren gerade damit beschäftigt, ihm Hände und Füße zu binden, während sich die drei Weiterlesen
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