Der Wolfdämon – 6. Kapitel
Albert W. Aiken
Der Wolfdämon
Oder: Die Königin von Kanawha
6. Kapitel
Ein weiteres Opfer
Als Murdock sich der Gruppe näherte, sah er, dass Oberst Boone und ein fremder Jäger im Zentrum der Männer standen. Auch ein weiteres unbekanntes Gesicht fiel dem Neuankömmling ins Auge: Das eines Mannes, der in die schlichte, selbstgewebte Kleidung der Siedler gehüllt war. Sein Haar war rabenschwarz und seine Haut beinahe so dunkel gebräunt wie die eines Indianers. Er stand am äußeren Rand der Gruppe und stützte sich auf ein langes Gewehr. Die scharfen, dunklen Augen dieses Fremden hatten einen rastlosen Blick und wanderten ununterbrochen umher.
Murdock war sich in dem Moment, als er das Gesicht des Fremden erblickte, sicher, dass er ihn schon einmal irgendwo gesehen hatte – doch um alles in der Welt wollte ihm nicht einfallen, wann oder wo das gewesen war. Langsam trat er näher, während er Weiterlesen
Frankreichs eisiger Wilder Westen
Frankreichs eisiger Wilder Westen
Von der Pracht des Sonnenkönigs in die grüne Hölle Nordamerikas
Kerstin Groepers Historienroman Lilien über weißen Wegen – Die Eroberung Kanadas führt uns in ein historisches Pulverfass, das im kollektiven Gedächtnis viel zu oft vergessen wird. Die Autorin lässt uns mehr als nur einen Blick auf ein geopolitisches Drama werfen, das von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Stellt euch vor: Man kehrt Europa den Rücken, lässt das Frankreich des Jahres 1665 hinter sich – eine Welt, die sich zunehmend um den absolutistischen Prunk von König Ludwig XIV. dreht – und betritt nach einer wochenlangen, entbehrungsreichen Überfahrt amerikanischen Boden. Doch statt des erhofften Paradieses in der Neuen Welt erwartet einen Nouvelle France, Neufrankreich. Es ist eine Kolonie, die kurz vor dem endgültigen Zusammenbruch steht.
Bevor wir in Kerstin Groepers neuesten, umfangreichen Roman eintauchen, müssen wir unser Augenmerk auf das historische Spielfeld richten. Die geopolitische Lage im Nordamerika des 17. Jahrhunderts präsentierte sich als hochkomplexes, brandgefährliches Schachspiel. Zwei massive existenzielle Krisen hielten die französische Krone damals im Würgegriff:
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Das Astoria-Abenteuer – Teil 8
Max Felde
Das Astoria-Abenteuer
Nach den zeitgenössischen Aufzeichnungen von Washington Irving erzählt
Illustriert von L. Berwald
Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig. Stuttgart, Berlin, Leipzig. 1912
Dreiste Eigenmächtigkeiten und des Kapitäns Sturrkopf
Die Seekrankheit erfasste Mr. Dougal später als alle anderen. Dafür lag er aber auch umso länger matt und erschöpft in seiner Koje. Mac Kay, der schon lange wieder wohlauf war, fragte ihn eines Morgens allen Ernstes, ob er in diesem Zustand etwa bis zu den Sandwich-Inseln zu reisen gedenke.
Diese andauernde Schwäche hatte jedoch ihr Gutes: Die Hitze, die der Zusammenstoß mit dem Kapitän erzeugt hatte, verflog auf beiden Seiten allmählich. Als Mr. Dougal eines Morgens bei herrlichstem Wetter wieder munter an Deck erschien, kam man nicht mehr auf den Auftritt zu sprechen. Schließlich wünschten sich im Grunde beide Seiten nichts als ein gutes Einvernehmen.
Kapitän Jonathan Thorn war ein durchaus ehrenfester und gewissenhafter Mann, der mitunter recht gutmütig sein konnte. Weiterlesen
Der Wolfdämon – 5. Kapitel
Albert W. Aiken
Der Wolfdämon
Oder: Die Königin von Kanawha
5. Kapitel
Virginias Verehrer
Im besten Zimmer von Trevelings Haus saßen der alte General und ein junger Mann namens Clement Murdock. Murdock war ein Verwandter Trevelings und genoss hohes Ansehen beim alten Soldaten.
General Treveling war ein Mann von fünfzig Jahren. Die Jahre hatten sein Haar ergrauen lassen und seine einst stattliche Gestalt gebeugt. Murdock war um die dreißig – ein dunkler, blasser Mann mit stechenden schwarzen Augen und einem hochmütigen Auftreten.
Der junge Mann war gerade eingetreten und hatte nach der herzlichen Begrüßung des Generals an dessen Seite Platz genommen.
Das Wrack des Piraten – 2. Kapitel
Friedrich Gerstäcker
Das Wrack des Piraten
2. Kapitel
Das Wrack
Am anderen Morgen saß die Señora allein in dem noch leeren Gastzimmer. Sie hatte ihr Nähzeug vor sich auf dem Schoß, doch die sonst so geschäftige Nadel ruhte in ihrer Hand. Für sie höchst ungewöhnlich blickte sie nachdenklich vor sich nieder.
Aufrichtig gesagt, ging ihr der Fremde nicht aus dem Kopf. Gemeinsam mit Manuela hatte sie fast bis Mitternacht all die alten Schuldner in ihren Büchern durchsucht – von A bis Z. Und das waren wahrlich nicht wenige: Chilenen, Engländer, Franzosen, Deutsche, Amerikaner und Italiener; eben alle, die das Schicksal an diese Küste geworfen hatte. Doch sie hatte keinen Einzigen gefunden, dessen Person oder Rechnung auch nur im Geringsten zu dem wunderlichen Fremden passte. Die alte Dame erfreute sich zwar eines ausgezeichneten Gedächtnisses, sodass sie sich zu fast jedem Namen nach kurzem Nachdenken die Gestalt des Betreffenden ins Gedächtnis rufen konnte; der gewaltige Bart jedoch und das tief über die linke Gesichtshälfte fallende Haar Weiterlesen
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