Der Detektiv – Band 31 – Eine leere Streichholzschachtel – Teil 3
Walter Kabel
Der Detektiv
Band 31
Kriminalerzählungen, Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1920
Eine leere Streichholzschachtel – Teil 3
Der Speisesaal in Boorstettens Marmorpalais beherbergte am nächsten Abend eine Gesellschaft von zwölf Herren. Die Stimmung bei Tisch war von vornherein dank Harsts glänzender Laune und dank Rechtsanwalt Templeteys beißendem Witz die allerbeste. Templeteys Nase glühte in allen Farben. Er liebte einen guten Tropfen. Außer dem Advokaten, Hauptmann Plavarston und uns waren noch ein paar Großkaufleute und vier ältere Offiziere der Garnison Singapur anwesend.
Harst saß links neben Boorstetten. Ihnen gegenüber hatten Templetey, ich und Plavarston ihre Plätze. Plavarston war ein stattlicher, hübscher Mann. Ich schätzte ihn auf kaum dreißig Jahre. Er und Advokat Templetey schienen sich nicht zu lieben. Wenn sie miteinander sprachen, geschah es stets in spitzen, ironischen Redewendungen. Plavarston hielt sehr viel auf sein Weiterlesen
Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 5
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 5
Ein Polizeirat
Gegen fünf Uhr morgens beabsichtigte der Ochsenhändler Joachim Nettelberg abzureisen. Der Hausknecht, obschon noch schläfrig, versah pünktlich seinen Dienst: Bereits um vier Uhr war er erwacht, hatte Stiefel und Kleider der Gäste gereinigt und schickte sich nun, fünf Minuten vor halb fünf, an, den Ochsenhändler zu wecken.
Er klopfte an die Tür. »Herr Nettelberg, es ist Zeit!«
Florian Wacker – Falsche Versprechen
Florian Wacker – Falsche Versprechen
Es ist Nacht in Frankfurt am Main. Ein Mann namens Schota hat einen Mord an einem Unternehmensberater gesehen und ist nun auf der Flucht.
Er weiß nicht genau, wo er ist und was er tun soll. Er denkt, dass er Gabriel finden muss, einen Bekannten, der sich als Chef aufgespielt hat und nun – wie er selbst – Angst hat und verschwunden ist.
Schota weiß, dass sie ihn suchen, und erinnert sich an den Mord, den Toten und all das Blut. Er sieht die Leiche überall und rubbelt an seinen Händen, seiner Hose und seiner Jacke, um das Blut loszuwerden, das er dort vermutet und das niemand sehen darf, damit niemand denken kann, dass er mit der Sache etwas zu tun hat.
Schota denkt an Nia, eine hübsche Frau aus seiner Vergangenheit, die ihn immer beruhigen konnte. Sie musste dazu gar nicht brüllen, sondern ihn nur ansehen und fragen, ob er noch bei Verstand sei. Sie musste ihm nur sagen, er solle sie anschauen und sich wieder einkriegen.
Der Kurier und der Detektiv – Kapitel 25
Allan Pinkerton
Der Kurier und der Detektiv
Originaltitel: The Expressman and the Detective
Chicago: W. B. Keen, Cooke & Co., 113 and 115 State Street. 1875
Kapitel 25
Die beiden Frauen ließen Barclay fassungslos zurück und begaben sich in den Garten. Mrs. Maroney kündigte an, am nächsten Morgen nach New York zu reisen, um ihren Mann zu besuchen, und bat Madam Imbert, sie zu begleiten. Diese willigte bereitwillig ein, da sie ohnehin einige Einkäufe zu erledigen hatte. Ihr Plan stand fest: Sie wollten für den Morgen Stemples Gespann mieten, nach Philadelphia fahren, die Pferde dort in einem Mietstall unterstellen und mit dem Zug nach New York weiterreisen. Nach dem Besuch bei Maroney sollte es auf demselben Weg zurückgehen, sodass sie am Abend wieder zu Hause wären.
Der Tag in New York verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Green, der von ihren Plänen wusste, beschattete sie auf Schritt und Weiterlesen
Der Detektiv – Band 31 – Eine leere Streichholzschachtel – Teil 2
Walter Kabel
Der Detektiv
Band 31
Kriminalerzählungen, Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1920
Eine leere Streichholzschachtel – Teil 2
Mir war nun recht beklommen zumute. Zwar hatte Harald uns schon aus weit bedrohlicheren Lagen befreit als aus dieser, doch bereitete mir der Gedanke, in einer Art Mausoleum eingesperrt zu sein, durchaus Unbehagen.
Ich drehte mich um. Ich sah Harst nicht gleich. Er hatte seine Taschenlampe ausgeschaltet. Aber der Lichtkegel meiner Taschenlampe fand ihn bald. Er hatte sich auf den Sargdeckel gesetzt, der etwas im Hintergrund auf dem Steinboden stand. Eine andere Sitzgelegenheit gab es hier nicht.
Ich ging auf Zehen zu ihm hin. Jeder laute Schritt hallte in diesem Raum so nervenaufreibend wider.
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