Oberhessisches Sagenbuch Teil 32
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
Das Frauchen im Hirzenbergsrod
Am Hirzenbergsrod, nicht weit von der Betzenröder Grenze, hat schon mancher Mensch etwas erlebt, dass ihm der Schrecken davon sein Lebtag in den Knochen geblieben ist. Dort geht nämlich zur Abendzeit ein altes Frauchen um, das sich ehemals dick hat sehen lassen. Es ist grau, angetan am Leib. Auf dem Kopf aber trägt es ein weißes Striffelhäubchen und ist, wenn man sich nicht mit ihm foppt, ganz harmlos. Man braucht sich nicht vor ihr zu fürchten. Dass es aber keinen Spaß versteht, lehrt diese Geschichte.
Der Konstanzer Hans Teil 1
W. Fr. Wüst
Der Konstanzer Hans
Merkwürdige Geschichte eines schwäbischen Gauners
Reutlingen, 1852
Einleitung
In der zweiten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts, nämlich von 1750 an, hausten in verschiedenen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes einzelne Gauner und kleinere und größere Gaunergesellschaften. Wer hat nicht schon vom Sonnenwirtle, vom bayrischen Hiesel, vom Hannikel, vom Schinderhannes usw. gehört? Zu dieser gefährlichen und gefürchteten Menschenklasse gehörte auch der Konstanzer Hans, welcher vier Jahre lang vom Weiterlesen
Elbsagen 27
Elbsagen
Die schönsten Sagen von der Elbe und den anliegenden Landschaften und Städten
Für die Jugend ausgewählt von Prof. Dr. Oskar Ebermann
Verlag Hegel & Schade, Leipzig
27. Der Spielmann am Niederpoyritzer Damm
In der Nähe des Dorfes Niederpoyritz bei Pillnitz war einmal ein Reitersmann erschlagen worden. Weil er ohne Beichte und Absolution dahingefahren ist, kann sein Geist keine Ruhe finden und erschreckt zur Mitternachtszeit die Vorübergehenden. Einmal war zu dieser Stunde ein Prager Fiedler dorthin gekommen, ein kecker Bursche, der den Teufel selbst nicht fürchtete. Der hatte sich an dem dort befindlichen Erlenbusch niedergesetzt, seine Fiedel Weiterlesen
Aus dem Wigwam – Das Totenfeuer
Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880
Das Totenfeuer
enn ein Indianer den Weg alles Fleisches gegangen ist und den ewigen Schlaf begonnen hat, so legen seine Anverwandten den Leichnam in einen Sarg von Birkenrinde und stellen denselben so lange auf ein hohes Gerüst, bis der Körper vollständig verwest ist. Damit der Geist, der sich nach der Meinung der Indianer noch einen Monat lang bei seiner ehemaligen Hülle aufhält, keine Not leide, werden rundum Körbe voller Speisen und vollgestopfte Tabakpfeifen aufgehangen. Ist es Winter, so wird während dieser Zeit ein mächtiges Feuer unterhalten, damit der Geist nicht friere und der Körper gegen hungrige Wölfe geschützt sei.
Den Ursprung dieses Totenfeuers erzählt sich der Odschibwä-Stamm auf folgende Art:
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Oberhessisches Sagenbuch Teil 31
Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
Der wilde Fraustein
Der wilde Fraustein befindet sich im Wald zwischen Grünberg und Laubach. Man sieht daselbst einen sehr großen, platten Stein, in welchem eine Vertiefung ist, die dem Griff einer menschlichen Hand gleicht. Ehedem wohnte nämlich da ein wilder Mann und eine wilde Frau, die man bei einem ungeheuren Topf oft ihre Arbeit verrichten und kochen sah. Der Mann verließ aber die Frau, ging fort ins Wirtshaus und kam nicht wieder, sodass die Frau in ihrem Zorn ihm den Felsblock nachwerfen wollte. Davon behielt er den Eindruck ihrer Hand bis auf den heutigen Weiterlesen
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