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Mythen & Wirklichkeiten

Adventskalender 2024 – 20. Türchen

Die alte Straßenlaterne

Hast du je die Geschichte von der alten Straßenlaterne gehört? So außerordentlich amüsant ist sie zwar nicht, jedoch einmal lässt sie sich schon anhören.

Es war eine recht ehrliche, alte Laterne, die viele, viele Jahre hindurch ihren Dienst versehen hatte, nun aber in Ruhestand ver­setzt werden sollte. Zum letzten Mal steckte sie auf dem Pfahl und leuchtete durch die Straße. Es war ihr zumute, wie einer alten Ballett-Figurantin, die zum letzten Mal tanzt und morgen vergessen auf ihrer Bodenkammer sitzt. Die Laterne hatte sehr große Angst wegen des anderen Tages, denn sie wusste, dass sie zum ersten Mal auf dem Rathaus erscheinen und vom Bürgermeister und Rat besichtigt werden sollte, ob sie noch zu fernerem Dienst brauchbar sei oder nicht.

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Adventskalender 2024 – 19. Türchen

Der Teufel und der Riegenmeister

Es war einmal ein Riegenmeister, der saß und goss zinnerne Knöpfe. Da erschien der Teufel und sprach ihn an: »Guten Tag, mein Herr! Was machen Sie hier?« Der Riegenmeister erwiderte den Gruß und antwortete: »Ich gieße Augen.«

Daraufhin fragte der Teufel: »Könnten Sie eventuell auch mir neue Augen gießen?«

Der Riegenmeister erwiderte: »Natürlich, aber dafür benötige ich Augensalbe, und die habe ich momentan nicht.«

Der Teufel fragte weiter: »Könnten Sie es ein anderes Mal tun?«

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Adventskalender 2024 – 18. Türchen

Die drei Königstöchter im blauen Berg
Ein nordisches Volksmärchen
Es waren einmal ein König und eine Königin, die hatten keine Kinder und waren darüber so traurig, dass sie fast keine fröhliche Stunde mehr hatten. Eines Tages stand der König auf dem Altan und schaute über das weite Land und alles, was ihm gehörte. Es war sehr viel und sah sehr schön aus; aber er dachte, er könne sich gar nicht darüber freuen, wenn er nicht wisse, was nach seinem Tode mit allem geschehen solle. Als er so dastand und nachdachte, kam eine alte Frau von der Straße und bat im Namen Gottes um ein Almosen. Sie grüßte den König, knickste und fragte, was dem Herrn König fehle, dass er so unglücklich aussehe.

»Ach, gute Frau, da kannst du mir nicht helfen«, sagte der König. »Es würde auch nichts nützen, wenn ich es dir sagen würde.«
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Adventskalender 2024 – 17. Türchen

Schuhflicker im Glück

Es war einmal ein Schuhflickerlein, das lebte mit Frau und Kindern im Elend, denn sie hatten nichts zu brocken und zu beißen. Wie oft er auch mit seinem Werkzeugkorb durch die Straßen lief und rief: »Wer hat Schuhe zu bessern?« … so kam doch niemand, der seiner Arbeit begehrte. Des Lebens müde, beschloss er, sich zu ersäufen.

Wie er sich in den Strudel stürzen wollte, trat vor ihn sein Glück, hielt ihn zurück und sagte: »Was willst du tun?«

»Ach!«, seufzte er, »das Un­glück verfolgt mich und ich mag nicht mehr leben.« Sprach zu ihm das Glück: »Tue das nicht. Hier nimm dieses Messer! Disteln gibt es genug, und bei jeder Distel, welche du damit abschneidest, wirst du einen kleinen Groschen finden.«

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Sagen der mittleren Werra 93

Die Erbauung des alten Ringelsteins

»Alte Leute haben erzählt«, begann ein anderer von dort, »dass unser Moorgrund, ebenso wie der Grund von Schweina, einmal ein großer See gewesen sein soll, und dass das Wasser weit hinaufgereicht habe. Das höher gelegene Land aber sei eine gar arge Wildnis gewesen, in der Bären, Wölfe und anderes Getier hausten. Zu jener Zeit nun sei ein fremder Graf namens Gumpoldo in die Gegend gekommen, habe 19 Familien aus der Fremde mitgebracht und mit diesen den alten Ringelstein erbaut. Von den 19 habe er später.16 an die Stelle, wo sonst Altgumpelstadt stand, und 3 hierher nach Waldfisch gewiesen und jeder Familie eine Hufe Landes geschenkt. Jene 19 hätten nun die beiden Orte erbaut und den ersteren nach dem Grafen Gumpelstadt genannt. Auch sollen sie den See an der Krümmlich ins Werratal abgeleitet haben. Die 19 Hufen aber haben wir noch bis auf den heutigen Tag in den beiden Fluren, desgleichen die alte Einteilung der Hufe in 16 Beine.«

Wie der Ritter vom Ringelstein die Stabsgerechtigkeit verleiht

Von der alten Gemeindeverfassung des Amtes Altenstein, die auch mit dem Ringelstein zusammen hängt, lautet die Geschichte so: Weiterlesen