Der Mirabellenbaum
I
Einst lebten im Elfenlande Zor ein junger Elfenkönig namens Merchor und seine Frau Lis. Lis war schwanger von ihrem geliebten Mann. Die beiden jungen Leute konnten gar nicht erwarten, dass ihr Kind endlich das Licht der Welt erblickte.
Als die Zeit der Niederkunft gekommen war, rief Merchor die Hebamme zu seiner Liebsten. Die Wehen hatten schon eingesetzt und die Hebamme tat ihr Bestes. Aber es sollte nicht sein, dass Lis ihr Kind behielt. Sie gebar eine tote Tochter und niemand konnte etwas dagegen tun. Fast wäre die Elfenkönigin auch noch gestorben, doch der Arzt, den Merchor ebenfalls gerufen hatte, konnte solches gerade noch verhindern.
Die geheimnisvolle Goldsiegel-Affäre
George Barton
Die geheimnisvolle Goldsiegel-Affäre
Es war Sergeant Cuff in Wilkie Collin’ Geschichte Der Monddiamant, der verkündete, dass in dieser von Verbrechen gezeichneten Welt nichts belanglos sei. Bei der Betrachtung des Falles, den wir nun schildern werden, wird der Leser zweifellos zu derselben Schlussfolgerung gelangen; denn es war ein unbedeutend erscheinendes Detail, das die Lösung eines höchst verwirrenden Rätsels ermöglichte.
Am 9. August 1898 erreichte ein kleines Paket die Poststelle in Dover, Delaware. Es war adressiert an Mrs. John P. Dunning, Tochter des ehemaligen Kongressabgeordneten Pennington aus jenem Ort. Das Paket wurde ordnungsgemäß ausgeliefert und als wunderschön dekorierte Schachtel mit Pralinen, einem Taschentuch und einem kleinen Zettel, auf dem Mit Liebe für dich und das Baby.—Mrs. C. stand, identifiziert.
Mrs. Dunning nahm an, dass das Paket von einer ihrer Freundinnen stammte, die von der Anwesenheit eines Babys im Haus Weiterlesen
Das Gespensterbuch – Achte Geschichte
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Rudyard Kipling
Meine selbsterlebte, wahre Geistergeschichte
Diese Geschichte handelt ausschließlich von Geistern. Es gibt in Indien Geister, die die Form von dicken, kalten, klebrigen Leichnamen annehmen und sich in Bäumen nahe der Straße verbergen, bis ein Reisender vorbeikommt. Dann fallen sie ihm auf den Hals und bleiben da. Es gibt auch furchtbare Geister von Frauen, die im Kindbett gestorben sind. Diese streichen in der Abenddämmerung die Wege entlang oder verbergen sich in den Getreidefeldern nahe den Dörfern und rufen verführerisch. Aber ihrem Ruf zu folgen, bringt Tod in dieser Welt und in der nächsten. Ihre Füße sind nach rückwärts gekehrt, sodass alle nüchternen Männer sie erkennen können. Es gibt auch Geister kleiner Kinder, die in Brunnen geworfen worden sind. Diese halten sich an Brunnenmauern und an den Rändern Weiterlesen
Ein moderner Jekyll und Hyde
George Barton
Ein moderner Jekyll und Hyde
Wie viele Menschen erinnern sich heute an die tragische Geschichte des Lebens und Todes von Blanche Lamont aus San Francisco und an das, was als das Geheimnis des Kirchturms bekannt wurde? Vermutlich nur wenige, und doch wurde es seinerzeit von Maine bis Kalifornien lebhaft diskutiert und allgemein als eines der größten Geheimnisse der damaligen Zeit angesehen.
Blanche Lamont war ein aktives Mitglied der Emanuel Baptist Church in San Francisco und ebenso gutherzig wie schön. Ihre charmante Art und ihr angenehmes Wesen verschafften ihr zahlreiche Freunde und nicht wenige Bewunderer des anderen Geschlechts. Einer von ihnen war Theodore Durrant, den sie im Verlauf ihrer kirchlichen Arbeit kennenlernte. Miss Lamont war ambitioniert und wollte sich unter anderem als Lehrerin qualifizieren. Deshalb besuchte sie eine Schule, in der sie rasch Fortschritte machte.
Am Morgen des dritten Tages im April 1895 verließ sie wie gewohnt ihr Zuhause, um zu dieser Schule zu gehen. Sie verbrachte dort zwei Stunden und verließ dann die Einrichtung zum Mittagessen, doch wurde bemerkt, dass sie in Richtung Kirche ging. Dies erregte Weiterlesen
Der marmorne Schreibtisch
I
Jimmy, gerade 25 Jahre alt, hatte sein Studium der Literaturwissenschaft in Boston abgeschlossen und lebte nun in Chicago. Wie viele seiner Kommilitonen träumte er davon, ein berühmter Schriftsteller zu werden und mit dem Schreiben so viel Geld zu verdienen, dass er davon leben konnte.
Wie nur wenige seiner Kommilitonen besaß Jimmy jedoch auch das Talent dazu, diesen Traum zu verwirklichen. Er schrieb zunächst einige Gedichte und Kurzgeschichten und bekam dafür gleich mehrere kleine Literaturpreise.
Endlich wagte er sich an seinen ersten Roman. Er sollte ein Hammer werden, wie beispielsweise Die Buddenbrooks von Thomas Mann, sodass er sich damit gleich an die internationale Spitze katapultierte. Er wollte einen Gesellschaftsroman über die Yale-Absolventen seiner Zeit und deren Familien schreiben, natürlich mit einer tragischen Komponente und durchaus auch zeitkritisch, der sein Jahrhundert darstellte und Ausblicke auf eine neue Weiterlesen

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