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Marc Hartkamp

Psychroalgia

PsychroalgiaPsychroalgia

Marc drückte das Gaspedal des Mercedes Sprinter bis zum Anschlag durch, denn er wollte auf gar keinen Fall später als nötig zu Hause ankommen. Nicht an diesem besonderen Tag. Die lang erwartete Aussprache mit seiner Frau stand heute Abend auf dem Programm. Heute würde er Nägel mit Köpfen machen, sagte er sich. Er hatte ihr Desinteresse ihm gegenüber mehr als satt und das ewige Genörgel über seinen, wie sie es auslegte, dauernden Alkoholgenuss ebenfalls. Sollte sie doch gehen. Andere Mütter haben auch schöne Töchter, dachte er spöttisch und lächelte in sich hinein. Ihre dreizehnjährige Ehe, die eigentlich nur noch einer Wohngemeinschaft glich, sank somit auf den absoluten Nullpunkt. Eine Lösung musste gefunden werden, bevor die Situation völlig aus dem Ruder lief. Das tatsächlich er der treibende Keil war, der die Tür ihrer Beziehung versperrte, kam ihm nicht in den Sinn. Aber das würde sich an diesem Abend klären, schwor er sich.
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Fleischeslust

Fleischeslust
Eine Horror-Kurzgeschichte von Marc Hartkamp

Sprachlos starrten sie sich gegenseitig an. Die eben noch vielversprechende, anregende Unterhaltung, zwischen Mann und Frau, erstarb abrupt. Ein nie gekanntes Gefühl der Wonne, gepaart mit unendlichem Hass, umhüllte sie, legte sanft sein Netz aus grotesker Begierde über sie aus, in dem sie sich unbemerkt und wehrlos verfingen. Diese unsagbare Empfindung drang unaufhaltsam in deren Sinne ein, zerrte sämtliche billigen Lügen, Intrigen, Seitensprünge oder gar schlechte Gedanken dem Partner gegenüber ans Licht und traten nun unabweislich vors Auge.
So saßen sie sich nun verwundert und hilflos gegenüber. Angesicht zu Angesicht.
Doch dieser anomale Sinn zerrte an ihren Instinkten, forderte Handlung doch keiner der beiden wagte den ersten Schritt.
Zögernd und zitternd streckte er seinen Arm in ihre Richtung und streichelte sanft ihr langes, blondes Haar. Weiterlesen

Das verräterische Herz

Das verräterische Herz

Warum hält mich jeder für verrückt? Ich weiß, was ich gehört habe. Ich höre es immer noch. Wenn ich versuche zu schlafen, schleicht es sich hinterhältig und erbarmungslos in meinen Kopf. Unmerklich, fast zärtlich, beginnt es zu pulsieren. Doch dann beginnen die Schläge zu wachsen, steigern sich stetig zu einem voluminösen Pochen. Das bringt mich zur Raserei. Ich laufe in meiner Zelle auf und ab und trommle mit den Fäusten gegen die Wände. Die Mauern bleiben unbeeindruckt, meine Hände bluten. Das Pumpen wird lauter, immer lauter und ebenso meine Schreie. Die Tür geht auf! Ich werde von starken Händen gepackt und zu Boden gedrückt. Ein kleiner Stich, und alles um mich herum wird ruhig, so herrlich ruhig.

Ich kann nicht erklären, wann dieser Verdacht in mir entstand. Doch einmal geboren, fraß er sich in meine Gedanken, verbreitete sich wie ein unheilbarer Krebs und quälte mich Tag und Nacht. Meine Frau betrügt mich!
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