Archiv

Storys & Lyrik

Im fernen Westen – Sioux-Kit 1

Sioux -Kit
Kapitel 1

Es sind mehr als dreißig Jahre her und es war noch vor der Zeit, in welcher jenes weite Gebiet des fernen Westens, welches heutzutage das Dakota-Territorium genannt wird, sich 1861 als ein solches organisiert hatte. Da lebte in der sogenannten Yankton-Reservation ein Methodistenprediger namens Joel Hogg mit seiner Gattin und zwei Söhnen, um dem Stamm der Yankton das Wort Gottes zu predigen und diese Wilden mit dem Ackerbau und den Segnungen der Zivilisation bekannt zu machen. Diese Yankton oder Yanktonwan sind ein versprengter Stamm der rothäutigen Ureinwohner des fernen Westens, welche früher in dem heutigen Staat Iowa gelebt hatten, aber durch die Ansiedelungen der Weißen aus ihren Wohnsitzen und von ihren Jagdgründen vertrieben worden waren. Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte den Yankton nun einen anderen Bezirk auf dem linken Ufer des Missouri am Choteau zum Wohnsitz angewiesen und ihnen jährliche Unterstützungen an Lebensmitteln, Kleidern, Geld Weiterlesen

Der Teufel auf Reisen 1

Carl von Kessel
Der Teufel auf Reisen
Erster Band
Ein humoristisch-satirischer Roman aus dem Jahr 1870
Erstes Kapitel
Aus dem Jugendleben eines verkannten Genies

Herr Peter Schwalbe, welcher die Ehre haben wird, den Lesern noch häufig in diesen Blättern zu begegnen und dessen hervorragende Eigenschaften, wie wir mit Bestimmtheit voraussetzen, nicht verfehlen werden, sich bei denselben der gebührenden Würdigung zu erfreuen, war der Sohn eines reichen Getreidehändlers, bei dem sich aber der Spruch Mit dem Maß, mit welchem Ihr messet, wird Euch wieder gemessen werden keineswegs bewahrheitete, denn obgleich Herr Schwalbe senior häufig von seinen Kunden bei erheblichen Mankos ertappt wurde, so hatte dies Weiterlesen

John Tanner – Das Leben eines Jägers 3

John Tanner
Das Leben eines Jägers
oder
John Tanners Denkwürdigkeiten über seinen 30-jährigen Aufenthalt unter den Indianern Nordamerikas
Erstmals erschienen 1830 in New York, übersetzt von Dr. Karl Andree

Drittes Kapitel

Am Frühlingsanfang machte sich Net-no-kwa mit ihrem Mann und ihren Kindern auf den Weg nach Mackinack. An der St. Ignatiusspitze wurde ich wie im vorigen Jahr versteckt gehalten, denn sie fürchteten mich zu verlieren, wenn die Weißen mich gesehen hätten. Auf der Rückreise hatten wir widrigen Wind und mussten, als wir etwa 25 bis 30 Meilen zurückgelegt hatten, am Ufer des Sees bei einer Landspitze, Me-nau-ko-king genannt, liegen bleiben. Es hielten sich Weiterlesen

One shot for Sloan – Teil 3

One shot for Sloan – Eine Kugel für Sloan
Teil 3

Als Sloan in die Stadt kam, stand eine Menschenmenge vor dem Sheriffs Office.

Die Frau, die wild gestikulierend auf Josh einredete, hatte ihre besten Jahre hinter sich. Das harte Leben der Siedlerfrauen forderte ihren Tribut. Die tägliche Mühsal auf ihren kleinen Farmen, um einigermaßen über die Runden zu kommen, Naturkatastrophen, die die Ernten vernichteten, und die vielen Kinder, die sie zur Welt brachten, machten aus hübschen, gesunden Mädchen sehr früh abgerackerte Frauen mit harten Gesichtszügen. Die Frau war sicher noch keine dreißig, aber ihr Gesicht wirkte weit älter. Sie mochte einmal hübsch gewesen sein, jetzt war von ihrer Schönheit nicht mehr viel zu erkennen.

»Sheriff, ich verlange, dass Sie die Mörder meines Mannes bestrafen.« Sie zeigte auf den Toten, der neben dem Wagen auf dem Weiterlesen

Das Geheimnis des Medizinbeutels – Teil 2

Das Geheimnis des Medizinbeutels – Teil 2
Eine Erzählung von Fr. Daum
Um 1925 erschienen im Verlag von A. Anton & Co. in Leipzig

Eine Stunde nach Mitternacht kehrte der junge Mandan von einer Streife durch die Prärie zurück und flüsterte dem Trapper leise die Worte zu: »Feinde kommen. Ompa sä sie hören.«

Rifle Ben legte sich nieder und drückte das Ohr an die Erde. Sofort vernahm auch er ein dumpfes, pochendes Geräusch, das vom Erdboden weitergeleitet wurde. Regungslos lauschten die beiden Späher. Obwohl der Alte nach einiger Zeit am Klang der Hufschläge die Richtung erkannte, in der er die feindlichen Rothäute zu suchen hatte, überließ er doch seinem jugendlichen Begleiter die Freude, diese Entdeckung gemacht zu haben. Roter Elk deutete nach links und flüsterte: »Dort Feinde.«
Weiterlesen