Slatermans Westernkurier 10/2023
Auf ein Wort, Stranger, kennst du noch Whispering Smith?
Wahrscheinlich nicht, denn Whispering Smith, der mit bürgerlichem Namen James L. Smith hieß, ist außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika so gut wie unbekannt. Dass er dennoch ein Thema dieser Kolumne ist, liegt daran, dass er als Paradebeispiel dafür gilt, wie ein Groschenromanschreiber der damaligen Zeit mit wenigen Heftchen aus jedem x-beliebigen Mann, und sei er noch so verkommen, schlecht und abgrundtief böse, eine Legende machen konnte. Ned Buntline zum Beispiel hat es mit Buffalo Bill und Wild Bill Hickok fertiggebracht und John H. Flood mit Wyatt Earp, aber diese Männer waren wenigstens noch Persönlichkeiten.
Frank Spearman jedoch gelang es, der Leserschaft einen Killer, der nachweislich mehr als ein Dutzend Menschen ermordet hatte, als einen strahlenden Helden zu präsentieren. Das machte er so perfekt, dass sein 1906 erschienenes Buch Whispering Smith ein Bestseller wurde, der sogar den Weg bis nach Hollywood fand. Mehrere Filmstudios machten aus diesem Stoff bis in die Mitte des zwanzigsten Weiterlesen
Vergessene Helden 11
Fast zwanzig Jahre lang, Mitte der 60er bis Mitte der 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die deutsche Fernsehlandschaft bis auf wenige Ausnahmen hauptsächlich von amerikanischen Krimiserien beherrscht. Die beliebtesten Helden dieses Genres waren dabei die Privatdetektive. Namen wie Cannon, Magnum, Spenser oder Detektiv Rockford kennt heute noch fast ein jeder. Aber da gab es noch jemanden. Einen Privatermittler, der sich nicht mit schönen Frauen und schnellen Autos umgab, der sich nicht auf Computer verließ oder sich keinen Kopf darüber machte, ob die Verdächtigen vermögend oder einflussreich waren und deshalb erwartet wurde, dass er sich ihnen gegenüber feinfühlig und zuvorkommend nähern sollte.
Slatermans Westernkurier 09/2023
Auf ein Wort, Stranger, wenn wir heute über den Genozid der Ureinwohner Kaliforniens berichten.
Die kalifornischen Indianer waren so sanftmütig wie das Klima, in dem sie lebten. Sie ernährten sich vom Fischfang, von der Jagd und von dem, was auf dem fruchtbaren Boden des Landes wuchs und gedieh. Sie kannten keine Stammesverbände, jedes Dorf hatte seinen eigenen Häuptling, große Krieger oder Anführer gab es unter den friedlichen Menschen nicht.
Ein Umstand, der es den Spaniern im 18. Jahrhundert leicht machte, dieses unkriegerische Volk weitgehend zu unterwerfen, auszubeuten und gewaltsam zu missionieren.
Im Laufe der Jahrzehnte fügten sich die Indianer in ihr Schicksal, nicht ahnend, dass ihr Leben bald zur Hölle werden sollte.
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Es begann im Jahr 1848, als in Kalifornien Gold gefunden wurde. Tausende von Weißen strömten aus aller Welt herbei und durchwühlten den Boden auf der Suche nach dem gelben Metall. Die Land- und Jagdrechte der Indianer wurden ignoriert und wer sich widersetzte, wurde erschossen, erschlagen oder aufgehängt.
Vergessene Helden 10
Idole aus Down Under versus Deutsches Fernsehe
Wer unsere Fernsehserienlandschaft betrachtet, wird schnell feststellen, dass sie damals wie heute hauptsächlich aus einheimischen und US-amerikanischen Produktionen besteht. Gut, ein paar andere europäische Staaten wie England, Frankreich, Österreich oder auch Schweiz, Spanien und die Niederlande kamen nach und nach auch dazu, aber das war es dann auch schon. Dabei gibt es weltweit auch in anderen Ländern einen ähnlich großen Serienkosmos wie hierzulande.
Trotzdem gelang in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis auf wenige Veröffentlichungen in den dritten Programmen so gut wie keiner dieser Produktionen der Sprung in die deutschen Hauptprogramme. Einer der Gründe dafür waren in der Kultur, dem gesellschaftlichen Leben und der Religion Weiterlesen
Slatermans Westernkurier 08/2023
Auf ein Wort, Stranger, was ist dran am Mythos Cowboy, alles Wahrheit oder nur eine große Lüge?
Hand aufs Herz, denken nicht die meisten Leute beim Wort Cowboy an Lagerfeuerromantik, Freiheit und Abenteuer, an stolze, großgewachsene Männer mit markanten Gesichtern und tief hängenden Colts, an Rinder und holde Mädchen mit blondgelockten Haaren, die sie aus den Klauen mordlustiger Bösewichte oder skalphungriger Indianer befreien?
Schließlich stand und steht es doch auch noch heute in den meisten Western so geschrieben beziehungsweise gaukelte es uns die Filmindustrie vor. Aber dem ist nicht so, denn je mehr man sich mit dem Mythos Cowboy beschäftigt, umso mehr beginnt dieser zu bröckeln und zerfällt schließlich gänzlich, wenn man die tatsächliche Wahrheit über diesen Berufsstand kennt.

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