Deutsche Märchen und Sagen 91
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
113. Getreide gelobt und nicht gegeben
Zu Assenede liegt eine Meierei, die heißt der Lampaertshof. Da wohnte vor langen Jahren ein Bauer und der reiste eines Tags über See. Ein großes Unwetter überfiel ihn und das Schiff wurde also sehr von den Wellen auf und niedergeworfen, dass alle nicht anders meinten, als sie wären verloren gewesen. Besonders ängstlich war es dem Bauern zumute. Er fiel auf seine Knie und tat ein Gelübde zu Gott, dass, wenn er aus dieser großen Gefahr errettet würde, er den Armen so viel Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 90
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
112. Das verzehrte Getreide
In Schwaben lebte einst ein reicher und mächtiger Edler, namens Rickberger, dessen jährliche Einkünfte sich gut auf mehr denn dreißigtausend Goldstücke beliefen. Der war dabei aber so geizig, dass es nicht zu sagen ist, und seine einzige Sorge, immer mehr und mehr Reichtümer aufzuhäufen, gleichviel, ob mit Recht oder mit Unrecht. Eines Jahres waren die Feldfrüchte über Maßen gut geraten und er hatte all seine Speicher so gefüllt, dass sie drohten, Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 89
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
111. Korn verwandelt
Es war ein Bischof grauen Ordens von Zitel, gar ein guter heiliger Mann. Zu dem kam einmal ein gar reicher Mann, der bat ihn, dass er seine Beichte hören möge. Das tat der Bischof und er vernahm, dass der Mann viel unrechtmäßigen Gutes hatte.
Da sprach der Bischof zu ihm: »Nun geh hin und gib einer armen Wittib deines Kornes zwei Malter um Gottes willen.« Der Mann sprach: »Ja gerne«, tat es auch, kam wieder und sagte zu dem Herrn: »Herr, was Ihr mir Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 88
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
110. Die Gereonkiste in Köln
Noch häufig erzählt man sich bis zum heutigen Tag (gegen 1240) die Geschichte eines Wucherers, der in der Kirche des heiligen Gereon zu Köln begraben liegt.
Lange hatte derselbe reich und geizig in seinen Sünden gelebt. Endlich aber führte ihm die Gnade Gottes einen Priester zu, dem er beichtete und in seiner Zerknirschung versprach, all seine Schätze und Güter den Armen zu geben. Der Priester gebot ihm darauf, all das Geld in eine Kiste zu legen, diese zu schließen und den folgenden Tag Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 87
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
109. Feindschaft auch nach dem Tode
Zwei Familien von Bauern im Kölner Bistum lebten in tödlicher Feindschaft. Sie hatten jede einen stolzen und übermütigen Bauer an der Spitze. Diese stifteten stets neue Feindseligkeiten und gaben Anlass zu immer erneuten Kämpfen, hatten gar ihre Lust und Freude daran und wollten nie in Friedensunterhandlungen einwilligen. Es geschah aber durch Fügung Gottes, dass diese beiden an einem Tag starben. Da sie in ein und derselben Pfarre wohnten, in Neukirchen nämlich, so wurden sie in ein und demselben Grab beerdigt. Doch da sah man Weiterlesen
Neueste Kommentare