Deutsche Märchen und Sagen 147
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
191. Gottes Blut
Im Jahre 1553 saßen unweit Luzern drei Spieler zusammen in heißem Spiel. Einer von ihnen war besonders unglücklich und kam so weit, dass er seine letzten Pfennige einsetzte. Darüber wütend, schrie er, auf seine diesmal besonders guten Scheiben schauend: »Gewinne ich nun nicht, wahrhaftig, ich steche Gott im Himmel meinen Dolch in den Leib.«
Über eine so gräuliche Gotteslästerung hätten die beiden anderen ihn ziemlicher Weise mit harten Worten angehen Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 146
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
189. Kurfürst Gebhards Bildnis zu Lechenich
Der Kurfürst und Erzbischof von Köln, Herr Gebhard Truchsess von Waldburg, hatte seinen Glauben abgeschworen und war der neuen Lehre zugetreten. Danach heiratete er, das Maß seiner Sünden ganz voll zu machen, gar die schöne Agnes von Mansfeld. Zur Strafe für solch erschreckliche Gräuel und Missetaten wird sein Bildnis im Rittersaal der Burg Lechenich bei Köln stets schwarz, wie oft man es auch hat weiß machen wollen.
190. Das verlorene Kind
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Deutsche Märchen und Sagen 145
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
188. Das Gnadenbild in der Maria-Ablass-Kapelle zu Köln
Dieses Bildnis hatte man in der Mauer gefunden. Lange nachher kam einmal eine Kaiserin nach Köln, die wollte aber das Bild nicht eher sehen, als bis es mit neuen Farben gemalt wäre. Sie schickte darum einen berühmten Meistermaler in die Kapelle und der malte das Bild aufs Neue, so schön, wie er nur konnte. Kaum aber trat die Kaiserin in die Kirche, als die Farben alle verschwanden und das Bild wieder war, als hätte man keine Hand daran gelegt. Solches geschah zu dreimalen. Da endlich erkannte die Kaiserin, die Engel müssten das Bild gemalt haben, Weiterlesen
Deutsche Märchen und Sagen 144
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
187. Das Kreuzchen im Weißen-Frauenkloster zu Köln
Vor Zeiten herrschte einmal im Kloster der Weißen Frauen zu Köln gar schlechte Ordenszucht; die Nonnen hingen mehr an der Welt denn an Gott und trieben viel böses Zeug. Eine nur hielt es nicht mit ihnen und bewahrte Sinn und Herz rein.
Spät in der Nacht und früh am Tage fand man sie vor einem kleinen Kreuzbildchen in ihrer Zelle. Als die anderen Nonnen sahen, dass sie sich von ihnen absonderte, gingen sie hin und stahlen ihr das Kreuzchen aus der Zelle.
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Deutsche Märchen und Sagen 143
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
185. Unsere liebe Frau vom schiefen Hals zu Nieuwpoort
In der Liebfrauenkirche zu Nieuwpoort sieht man ein uraltes Marienbild, dessen Haupt mit Gewalt auf eine Seite gedreht scheint. Obwohl der Stoff, aus dem das Bild gemacht ist, der Art ist, dass er nicht beugbar sein kann, war der Kopf doch nicht immer so zur Seite gekehrt.
Man erzählt, dass eines Nachts Diebe in die Kirche drangen, um die köstlichen Steine und Juwelen zu stehlen, mit welchen das Bild geziert ist. Als sie aber eben daran rührten, wendete die Muttergottes das Haupt und stellte sich Weiterlesen
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