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Im Original Ludwig Storch

Der Freibeuter – Norcroß in schwedischen Diensten

Der Freibeuter
Erster Teil
Kapitel 15

Nach dieser kurzen, und wie es schien dem Kapitän schmerzhaften Unterbrechung fuhr er sich nach seiner Gewohnheit mit der flachen Hand über das Gesicht und zerteilte so die Wolken, welche über dasselbe aufgestiegen waren. Hierauf fuhr er fort:

»Das Possierlichste bei der ganzen Geschichte war, dass Frau Elisabeth Brondlov durchaus darauf bestand, ich solle zum Lohn für ihren Anteil an meiner Rettung ihre hässliche und dumme Tochter heiraten. Dieses Geschöpf war ungefähr achtzehn Jahre alt, aber selbst derjenigen Äußerlichkeiten bar, welches dieses Alter doch fast allen Weiterlesen

Der Freibeuter – Norcroß als Parteigänger

Der Freibeuter
Erster Teil
Kapitel 14

Nach einer Pause fuhr der Kapitän fort: »In England wurde ich von meinen zahlreichen Freunden mit offenen Armen empfangen. Meine Schicksale fingen an, einiges Aufsehen zu erregen. Man drängte sich zu mir und bat mich in die vornehmsten Gesellschaften. Bald gehörte es zum guten Ton, mich zu kennen und von mir gekannt zu werden. Gerade zu jener Zeit tobte der Kampf der Jakobiten und Hannoveraner oder der Königlichen, am wildesten in England. Nicht allein in den großen Städten, auch in den kleinsten Dörfern nahm man Partei für den Prätendenten oder gegen ihn, um so mehr, da wohl bekannt war, wie gern die Königin Anna die Regierung ihrem Neffen hinterlassen hätte. Mein Vater war den Anhängern des Prätendenten noch in gutem Andenken. Man Weiterlesen

Der Freibeuter – Abenteuer des Kapitäns

Der Freibeuter
Erster Teil
Kapitel 13

Der Kapitän hielt hier einige Augenblicke inne. Seine Stimme hatte zuletzt gezittert, und nicht ohne Rührung und Überraschung sahen die Zuhörer die Augen des Erzählers in jenem kostbaren Tau des Gefühls glänzen, welches selbst dem rauen Männerherzen das schöne Zeugnis der Menschlichkeit gibt.

Der Grog wurde umhergereicht. Der Fremde, welcher sich den Namen Flaxmann zugelegt hatte, war gleich von vornherein in Nachdenken versanken, worin er verharrte. Friederike warf dem Kapitän einen teilnehmenden Blick zu, und nachdem er einen Zug aus seinem Becher getan hatte, fuhr er fort.
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Der Freibeuter – Des Kaperkapitäns Jugendgeschichte

Der Freibeuter
Erster Teil
Kapitel 12

Die Graf Mörner ging mit vollen Segeln die Ostsee hinauf und führte den dänischen Schoner im Schlepptau, um also im Triumph im Hafen von Stockholm einzulaufen. Die Sonne bestreifte in schräger Richtung das Verdeck der Fregatte, auf welchem man in der Nähe des Bugspriets die chargierten Personen von beiden Schiffen an einer langen Tafel versammelt sah. Den Ehrenplatz an derselben hatte die einzige Dame an Bord des Schiffes, die schöne Friederike von Gabel, eingenommen. In ihrem Gesicht waren die Spuren eines großen Schmerzes sichtbar, den sie vergeblich zu bekämpfen sich bemühte. Still und in sich gekehrt schaute sie vor sich hin auf die Reste des Mahls, welches der Kapitän allen Standespersonen auf beiden Schiffen zu Ehren gegeben hatte. Als die übrigen Weiterlesen

Der Freibeuter – Der raubende Graf Teil 2

Der Freibeuter
Erster Teil
Kapitel 11.2

Schweigend sahen die Müßigen, wie die Arbeitenden, in die Nacht und das Meer. Das gewaltige Sausen des Sturmes machte alles Reden überflüssig, und nur die nächste Umgebung des Steuermanns horchte dann und wann seinen bedeutungsschweren Worten, die wie die Orakelsprüche der Pythia einzeln, abgerissen und von den grellen Farben einer sinnverwirrenden Seherkraft angeschauert, und mehr für sich als für andere gesagt, aus seinem greisen Munde hervorquollen.

»Wenn wir so forttreiben«, sagte er, »so schmettert uns der Sturm in einer Stunde an die schonischen Felsen. Weiterlesen