Westward! Ho! – Erinnerungen eines Trappers – Kapitel 55
Conmarrowap, ein berüchtigter Häuptling der Py-Euts
Am Dreiundzwanzigsten kam Conmarrowap, ein gefeierter Häuptling, mit seiner Frau und zehn Kriegern ins Lager. Diese stadtbekannte Persönlichkeit ist von Geburt an ein Eutaw, verließ aber sein eigenes Volk und schloss sich als erwachsener Mann den Py-Eut an. Durch seine Tatkraft und Tapferkeit erlangte er ein solches Übergewicht über seinen Wahlstamm, dass er zu dessen oberstem Häuptling wurde. Er hat sich dort zum Objekt des Schreckens gemacht, indem er die grausame Sitte pflegte, seine Leute schon bei den geringfügigsten Vergehen hinzurichten. Er ist überall Gesprächsthema unter den Eutaw, von denen er universell verabscheut wird; alle sind sich einig, dass er den Tod verdient, doch findet sich niemand, der kühn genug wäre, ein Attentat auf ihn zu wagen.
Er ist der einzige Indianer im Land, der es jemals wagte, einen weißen Mann im eigenen Lager zu züchtigen; und hätten nicht die Gefährten des Jägers eingegriffen, wäre dessen Seele zu jener Zeit in die Ewigkeit entflohen. Denn der stolze Fallensteller konnte die Beleidigung durch den hochmütigen Häuptling nicht dulden – eine Kränkung, die selbst in der Brust des niedersten Indianers Rachegeist geweckt hätte. Er richtete sofort sein Gewehr auf das Herz seines Widersachers, der daraufhin vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben Regungen von Furcht verriet. Die Kameraden des zu Recht erzürnten Jägers stießen jedoch seine Waffe beiseite und verhinderten so eine Tat, die von den Indianern gewiss gerächt worden wäre; obgleich der arme Trapper Tränen des Bedauerns darüber vergoss, die Gelegenheit verpasst zu haben, seine verletzte Ehre zu rächen und gleichzeitig einen wilden Tyrannen zu bestrafen.
Dieser Ungeist traf einmal auf eine Gruppe von Trappern, von denen einige heute anwesend sind, und bohrte ihnen mit dem Finger in den Ohren herum, um sie dazu zu bringen, ihn schneller zu verstehen; ich bezweifle jedoch, ob diese Behandlung ihr Verständnis für das Eutaw-Gerede im Nachhinein empfänglicher machte. Ich hörte, wie einer dieser Indianer einen Jäger, mit dem er sich unterhielt, allen Ernstes bat, ihm ins Ohr spucken zu dürfen; er versicherte ihm, dass er danach unweigerlich die Eutaw-Sprache verstehen würde. Der Jäger schien jedoch eher geneigt, über die Torheit dieses Vorschlags zu lachen, als sich dieser Lehrmethode zu unterziehen.
Conmarrowaps Frau und ihre Begleiterin trafen, nachdem sie uns im letzten Sommer verlassen hatten, auf die Verwandten der Letzteren, welche ohne Zögern das Pferd töteten und verspeisten, das wir der Frau gegeben hatten. Sie verließ die ungastlichen Verwandten ihrer Begleiterin, zog weiter und erreichte einige Tage später ihren Ehemann. Dieser war mehrere Wochen lang krank gewesen und galt zeitweise als unheilbar; er überlebte jedoch und machte sich, sobald er wieder zu Kräften gekommen war, auf den Weg zu jenen, die seine Frau beraubt hatten. Es kam zu einer Auseinandersetzung, die mit dem Tod des Familienoberhaupts endete, das ihm Unrecht getan hatte – allerdings nicht, bevor er selbst eine leichte Wunde durch einen Pfeil davongetragen hatte.
Im letzten Sommer, als seine Frau gefangen genommen wurde, verlor er all seine Pferde; doch nun besaß er zehn der prächtigsten Tiere, die wir je bei Indianern gesehen haben. Er behauptet, sie seien ihm von vorbeiziehenden Händlern auf dem Weg von Taos nach Kalifornien geschenkt worden; es ist jedoch weitaus wahrscheinlicher, dass er sie sich mit Gewalt nahm, wie er es nach unserer Kenntnis bereits in vielen Fällen getan hat. Alle Jagdtrupps aus Taos betrachten ihn als einen furchtbaren Kerl und beugen sich seinen Beleidigungen, die sie nicht zu rächen wagen; wenngleich ich ein oder zwei Personen gesehen habe, die geschworen haben, ihm bei der erstbesten Gelegenheit das Leben zu nehmen, sofern sie sich dabei nicht selbst in Gefahr bringen.
Während unseres Aufenthalts an diesem Fluss wurde eine der Blockhütten von jenen Trappern aus Taos bewohnt, die sich uns im letzten Herbst angeschlossen hatten. Sie hatten von den Quellen des Eurata das Fleisch mehrerer prächtiger Hirsche mitgebracht, das auf Zweigen in einer Ecke des Raumes aufgetürmt war. Conmarrowaps Frau betrat eines Tages das Haus und bat um Fleisch; da die Männer ihrer Bitte jedoch nicht sofort nachkamen, ging sie ohne etwas davon. Wenige Augenblicke später stürmte Conmarrowap selbst herein und warf, ohne ein Wort zu sagen, mit seiner herkulesgleichen Kraft das Fleisch hin und her, bis er den besten Hirsch im Stapel gefunden hatte. Diesen schulterte er und verschwand; während jene Männer in stummem Erstaunen dasaßen und es nicht wagten, auch nur einen Blick der Unzufriedenheit in seine Richtung zu werfen. Dabei war er mit nichts als einem finsteren Blick bewaffnet, vor dem sie voller Ehrfurcht zurückwichen, da sie bereits zuvor die Folgen seines Missvergnügens zu spüren bekommen hatten.
Äußerlich gibt es an diesem Indianer nichts Ungewöhnliches, außer einem strengen und entschlossenen Blick. Er ist derzeit schlank, von mittlerer Statur und hat dunkle, scharfe und unruhige Augen; vor seiner Krankheit war er jedoch recht korpulent, was unter Indianern ein seltener Umstand ist. In seiner Kleidung und seinem Gebaren unterscheidet ihn bei gewöhnlichen Anlässen nur wenig von seinen Gefährten. Er scheint etwa vierzig Jahre alt zu sein.
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