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Frank Allan Band 1.2

Frank Allan
Rächer der Enterbten
Band 1
Die Zuchthausrevolte
2. Kapitel

Spät am Abend verließ der Sekretär sein Büro. Das Konto von Fred Hozkin lautete nun so, wie Mac Farlan es sich gewünscht hatte.

Stetton war mitschuldig geworden!

Zum ersten Mal?

Schwer atmend trat er ins Freie. Die frische Luft kühlte seine glühende Stirn angenehm.

Achtlos schlenderte er die Straßen entlang, in sich gekehrt.

Er sah nicht, wie einer der Passanten, der flüchtig an ihm vorbeigehen wollte, plötzlich stutzte, ihm scharf ins Gesicht blickte und dann unauffällig folgte.

Es war ein schlanker Herr, der ausgesucht elegant gekleidet war. Im glänzenden Zylinder zuckten die Strahlen der Straßenlampen.

Lange währte die merkwürdige Verfolgung, dann schien der Fremde seinen Plan geändert zu haben. Entschlossen trat er an die Seite des Sekretärs, klopfte ihm freundschaftlich auf die Schultern und brachte den achtlosen Wanderer damit zum Erstaunen.

Es folgte ein schweigendes Betrachten für einige Sekunden.

»Frank Allan?!«

»Halt! Nicht diesen Namen! Bob Harris klingt harmloser!«

»Bob Harris? Der bekannte Sportsmann?«

»Das ist identisch mit Frank Allan, den man den Rächer der Enterbten nennt! Doch Sie sehen schlecht aus, lieber Freund! Ein kräftiger Schluck wird Ihnen guttun. Gönnen Sie mir also eine Stunde Ihres Lebens, damit wir unsere Bekanntschaft auffrischen können.«

 

*

 

Bald saßen beide in einer verschwiegenen Ecke eines guten Weinsalons und plauderten über belanglose Dinge.

»Herr Stetton! Wollen Sie nicht offen zu mir sein? Sie tragen ein schweres Geheimnis mit sich herum. Schütten Sie Ihr Herz aus, vielleicht kann ich Ihnen helfen – wie schon einmal!«

Stumm blickte der Sekretär vor sich hin. Längst vergangene Zeiten stiegen vor seinem inneren Auge auf. Er sah sich wieder am geheimen Spieltisch stehen und bis in die Dämmerung dem nervenaufreibenden Laster frönen.

Sein elterliches Erbe zerfloss unaufhaltsam, das Glück lächelte ihm nie, bis er endlich – zu spät – erkannte, dass er einer Bande von Falschspielern in die Hände gefallen war. In seiner Verzweiflung versuchte er, die Schurken mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Doch den geriebenen Burschen war er nicht gewachsen. Hohnlachend wurden sie entlarvt.

Wahnsinniger Zorn packte ihn und in seiner sinnlosen Wut schwor er, die Falschspieler der Polizei zu verraten.

Diese unbedachte Drohung wäre ihm bald sehr teuer zu stehen gekommen. Er wurde schnell überwältigt, gefesselt und geknebelt. So schaffte man ihn in einer geschlossenen Droschke vor die Stadt, wo träge ein dunkler Strom floss.

Er sah sein nasses Grab bereits vor Augen, als plötzlich ein Mann aus dem Gebüsch sprang und die drei Spießgesellen mit übermenschlicher Kraft und mächtigen Faustschlägen niederschlug.

Sein Retter war Frank Allan. Er schwor ihm fest, niemals wieder eine Karte anzurühren.

»Sie aber haben Ihren Schwur gebrochen?«

Fassungslos blickte Stetton zu dem Retter von einst auf. Vermochte er Gedanken zu lesen?

»Lange blieb ich standhaft. Ich hatte einen bescheidenen Posten bei Mac Farlan gefunden!«

Frank Allan horchte interessiert auf.

»Bei dem Wucherer?«

»Damals ahnte ich nichts von seinem Schandgewerbe. Ich kannte ihn nur als den geachteten, vornehmen Handelsherrn. So schlug ich mich recht und schlecht, aber ehrlich, durchs Leben. Man machte sich über meinen soliden Lebenswandel lustig, besonders einer der Prokuristen namens Nelson, der zu den Bevorzugten im Geschäft gehörte. Geschmeichelt gab ich schließlich seinen Lockungen nach und erlag eines Nachts wieder der alten Leidenschaft. Ich verlor und als mein Bargeld zu Ende war, lieh mir der Prokurist Geld. So ging das manche Woche hindurch. Dank Nelsons Fürsprache erhielt ich einen besser gestellten Posten, bei dem mir manchmal ziemlich große Summen durch die Finger gingen. Doch alles half nichts: Mein Schuldenkonto bei meinem neuen Freund wurde immer größer. Plötzlich änderte der Prokurist sein Benehmen, forderte Bezahlung und drohte mit einer Anzeige beim Chef. In meiner Verzweiflung vergriff ich mich schließlich an fremdem Geld. Was nützte mir die feste Absicht, die Verfehlung durch Ersparnisse allmählich wieder auszugleichen? Die Sache wurde entdeckt und Mac Farlan wollte nur von einer Anzeige und gerichtlichen Verfolgung absehen, wenn ich meine Schuld schriftlich bekennen würde. Vor Angst unterschrieb ich blind das Dokument, das mir mein Chef hinhielt – ich war gefangen, rettungslos in eine Falle gegangen. Denn alles – die Freundschaft des Prokuristen, die Verleitung zum Spiel, das Aufrücken in die verantwortungsvolle Stellung und schließlich die Forderung nach Bezahlung – waren einzelne Glieder in der Kette, die Mac Farlan um mich schloss, damit ich sein gefügiges Werkzeug wurde.«

Lange währte die Erzählung des Sekretärs, und als sie schließlich zu Ende war, erhob sich Frank Allan. Wildes Feuer sprühte aus seinen Augen.

»Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit, Tom Stetton. Sie haben mit Ihrer Beichte der gesamten Menschheit und insbesondere auch sich selbst einen großen Dienst geleistet. Ich werde nicht eher ruhen, bis ich den Schurken und seine Helfershelfer entlarvt habe, damit sie dort ihr schuldbeladenes Leben beenden können, wo so viele Schuldlose oder durch bitterste Not Getriebene als Enterbte des Lebens landen: im Zuchthaus!«

Dankbar ergriff Stetton die Hand des Rächers.

»Verlangen Sie von mir, was Sie wollen. Ich werde es erfüllen!«

»Harren Sie zunächst auf Ihrem Posten aus und beobachten Sie scharf, aber im Geheimen, sodass Mac Farlan keinen Verdacht schöpft!«

»Verlassen Sie sich auf mich, Frank Allan!«

»Also Kopf hoch! Morgen Abend gegen acht Uhr treffen wir uns wieder an diesem verborgenen Ort. Ich werde Ihnen dann nähere Instruktionen geben.«

»Gute Nacht, Frank Allan!«

»Gute Nacht, Tom Stetton!«

Die Verbündeten trennten sich, um sich später zur Ruhe zu legen.

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