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Ein kleines 1×1 des Wilden Westen

Ein kleines 1×1 des Wilden Westen

Staubige Pfade, das sanfte Pfeifen des Windes und das vertraute Schwingen der Saloontüren: Der Wilde Westen begeistert bis heute als einer der lebendigsten und faszinierendsten Mythen der Neuzeit.

Doch welche spannenden Geschichten verbergen sich wirklich hinter den romantischen Bildern von kühnen Schusswechseln, weiten Rindertrecks und legendären Gesetzlosen? Dieser kleine Leitfaden lädt dich zu einer aufregenden Entdeckungsreise hinter die glanzvollen Kulissen Hollywoods ein und lässt die authentische, bewegende Geschichte Nordamerikas im späten 19. Jahrhundert lebendig werden.

Ob es um die facettenreichen Regeln des Lebens an der Frontier, den stolzen und fordernden Alltag im Sattel oder die wahren Abenteuer auf den großen Trails geht: Hier findest du einen ausgewählten Überblick über die wichtigsten Hintergründe. Schnall deinen Colt ab, häng den Stetson an den Haken und mach es dir gemütlich – entdecke jetzt, was man wissen sollte, um den echten Wilden Westen mit ganz neuen Augen zu sehen!

Assayer (Edelmetallprüfer): Der wichtigste Fachmann in Minen-Boomtowns. Er schätzte den Reinheitsgrad und Wert des gefundenen Goldes oder Silbers und stellte Zertifikate darüber aus. Ohne ihn lief im Goldrausch nichts.

Bandana: Das Halstuch aus Baumwolle oder Seide war das Schweizer Taschenmesser des Cowboys. Es diente als Staubfilter über Mund und Nase bei Viehtrieb, als Schweißband im Hochsommer, als Kälteschutz, als improvisierter Verband, als Halstuch oder sogar als Filter für schlammiges Wasser.

Bedroll: Das mobile Bett für unterwegs. Da es keine Schlafsäcke gab, rollte der Cowboy seine schweren Wolldecken (oft zusammen mit seiner Ersatzkleidung) fest in eine wasserdichte Segeltuchplane (Tarp). Auf dem Chuckwagon nahm sie nicht viel Platz weg und hielt beim Schlafen unter freiem Himmel den Regen fern.

Boardwalks: Die hölzernen Gehwege vor den Saloons und Ladenlokalen. Sie wurden verlegt, damit die Bewohner im Frühjahr oder nach schweren Regenfällen nicht knietief im Schlamm der unbefestigten Hauptstraße (Main Street) versanken.

Boot Hill: Der typische Friedhof einer rauen Westernstadt, wie etwa in Tombstone. Der makabre Name entstand, weil viele der dort Begrabenen bei Schießereien oder Unfällen starben und meist direkt so, wie sie fielen – mit den Stiefeln an den Füßen (with their boots on) und oft ohne Sarg – verscharrt wurden.

Bowie Knife: Ein schweres, langes Arbeits- und Kampfmesser mit einer markanten, nach oben gebogenen Klinge (Clip-Point). Auch wenn Schusswaffen beliebter waren, hing bei vielen ein Bowie-Messer am Gürtel, da es von der Holzverarbeitung am Lagerfeuer bis zum Häuten von Wild als universelles Werkzeug diente.

Brand (Brandzeichen): Das unverwechselbare Zeichen einer Ranch, das den Rindern mit einem heißen Eisen in die Haut gebrannt wird. Es war der einzige verlässliche Weg, um Besitzverhältnisse auf der offenen Range zu klären.

Bronco (oder Bronc): Ein wildes, ungezähmtes oder bockiges Pferd, das noch nicht an den Sattel gewöhnt ist. Ein Cowboy, der sich darauf spezialisiert hat, diese Tiere zuzureiten, wird Bronc Buster genannt.

Bunkhouse: Das einfache Schlaf- und Wohnhaus der Cowboys auf dem Hauptgelände der Ranch.

Caballero: Ein aus dem Spanischen stammender Begriff für einen Reiter, Pferdekenner oder auch Gentleman. Im alten Westen oft synonym für den edlen, gut gekleideten Cowboy verwendet.

Chaps (Chaperejos): Überhosen aus robustem Leder (oft mit Fransen), die über der normalen Hose getragen werden, um die Beine vor Dornen, Gestrüpp und Seilreibung zu schützen.

Chuckwagon & Cookie: Der Chuckwagon ist der Planwagen, der als mobile Küche bei langen Viehtrieben oder Round-ups dient. Der Koch, der ihn führt, wird von den Cowboys meist ehrfurchtsvoll (oder scherzhaft) Cookie genannt.

Cinch (Bauchgurt): Auf Ranches meist doppelt vorhanden. Der vordere Gurt hält den Sattel fest am Platz, der hintere (Flank Cinch) verhindert, dass der Sattel beim Lassowerfen hinten hochkippt, wenn ein schweres Rind am Seil zieht.

Claim / Claim Jumper: Ein Claim ist ein offiziell abgestecktes und angemeldetes Stück Land für den Gold- oder Silberabbau. Ein Claim Jumper war ein Krimineller, der sich ein bereits abgestecktes, lukratives Grundstück eines anderen heimtückisch oder mit Waffengewalt aneignete.

Colt Single Action Army (.45 Colt): Berühmt geworden als der Peacemaker (Friedensstifter). Dieser robuste Sixshooter war der absolute Standard-Revolver. Single Action bedeutete, dass der Hahn für jeden Schuss manuell gespannt werden musste. Kluge Cowboys luden aus Sicherheitsgründen oft nur fünf Patronen in die Trommel und ließen den Hammer auf einer leeren Kammer ruhen, damit sich bei einem Sturz oder Stoß kein Schuss löste.

Cow Town: Eine spezielle Form der Boomtown, die an den Eisenbahnlinien am Ende der langen Viehtrieb-Trails (z. B. dem Chisholm Trail) wuchs. Städte wie Abilene, Wichita oder Dodge City waren Verladestationen. Wenn die Cowboys nach Wochen im Sattel dort ankamen, ihren Lohn bekamen und Dampf abließen, flogen in den Saloons die Fäuste und Blei.

Cowboy Boots (Stiefel): Diese Stiefel waren nicht zum Laufen gemacht. Die spitz zulaufende Kappe half dem Reiter, blitzschnell in den Steigbügel zu gleiten. Der wichtigste Teil war jedoch der hohe, leicht nach vorn geneigte Absatz (Cuban Heel): Er verhinderte, dass der Fuß durch den Steigbügel rutschte, was bei einem Sturz vom Pferd das tödliche Mitschleifen bedeutete.

Dally: Die Technik, das Lasso nach einem erfolgreichen Wurf schnell ein paar Mal um das Sattelhorn zu wickeln, um das Gewicht und den Ruck des gefangenen Rindes abzufangen. Der Begriff stammt vom spanischen dar la vuelta (eine Drehung machen).

Faro: Entgegen Hollywoods Poker-Klischees war Faro (oder Pharo) das unangefochtene Lieblings-Kartenspiel im Wilden Westen. Es war ein temporeiches Glücksspiel gegen die Bank, bei dem in den Saloons Vermögen gemacht und verspielt wurden.

Frontier: Die historische Grenze zwischen der besiedelten Zivilisation und der unerschlossenen Wildnis im amerikanischen Westen.

Ghost Town (Geisterstadt): Das Schicksal fast jeder Boomtown. Sobald die Goldader versiegte, der Vieh-Boom abflaute oder die neue Eisenbahntrasse um die Stadt herumgeführt wurde, packten die Menschen ihre Sachen. Die Stadt wurde oft innerhalb weniger Wochen verlassen und dem Verfall preisgegeben.

Gunbelt & Holster (Patronengurt): Entgegen der typischen Westernfilme, in denen Revolverhelden ihr Holster tief unten am Oberschenkel festbanden (Tie-down), trugen echte Cowboys ihre Waffen meist schlicht und recht hoch an der Hüfte. Das war praktischer, da ein tiefhängendes Holster bei der ständigen Arbeit und beim Auf- und Absteigen vom Pferd nur im Weg gewesen wäre.

Hitching Rail, Hitching Post: Ein Anbindebalken oder eine Anbindestange dient dazu, ein Pferd unterwegs vorübergehend festzubinden. Dies ermöglicht es dem Reiter, das Tier abzuzäumen oder Besorgungen in einem Saloon, einer Bank sowie einem Geschäft zu erledigen.

Hobbles (Fußfesseln): Leder- oder Seilschlaufen, die den Vorderbeinen des Pferdes nachts im Camp angelegt wurden. Das Pferd konnte so grasen und kleine Schritte machen, aber nicht ausbüxen oder zurück zur heimatlichen Herde rennen.

Horn (Sattelhorn): Der massive Knauf vorne am Westernsattel. Entgegen dem Klischee ist er nicht zum Festhalten für den Reiter da. Er ist zwingend nötig, um das Lasso beim Einfangen eines Rindes rasch drumzuwickeln (siehe Dally) und das schwere Tier mit dem Gewicht des Pferdes zu bremsen.

Line Riding / Line-Camp: Da Ranches früher oft keine Zäune hatten, mussten Cowboys die Außengrenzen (Lines) abreiten, um zu verhindern, dass die Rinder abwandern oder gestohlen werden. Ein Line-Camp ist ein kleiner, abgelegener Außenposten mit Hütte für diese Reiter.

Maverick: Ein unmarkiertes (ungebrandetes) Rind. Der Begriff geht auf den texanischen Rancher Samuel A. Maverick zurück, der sich angeblich weigerte, seine Tiere zu brandmarken. Heute bezeichnet das Wort im Englischen auch einen Einzelgänger oder Freigeist.

Posse: Ein bewaffnetes Aufgebot von Zivilisten, das von einem Sheriff oder Marshal rasch zusammengestellt wurde (vom lateinischen posse comitatus), um flüchtige Gesetzlose zu jagen.

Range: Das weite, offene Weideland, auf dem die Rinderherden frei grasen.

Reata: Das Lasso des Cowboys, traditionell aus geflochtener Rohhaut (vom spanischen la reata abgeleitet).

Remuda: Die Herde von Ersatz- und Arbeitspferden, die bei einem Viehtrieb oder Round-up mitgeführt wird. Da ein Cowboy während harter Arbeit mehrmals am Tag das Pferd wechseln muss, ist eine gut gepflegte Remuda (spanisch für Austausch) überlebenswichtig.

Round-up: Das große Zusammentreiben der Rinderherden, meist zweimal im Jahr: im Frühjahr, um die neuen Kälber zu brandmarken, und im Herbst, um die Tiere für den Verkauf auszusondern.

Rustler: Ein Viehdieb. Rustling war eines der häufigsten und am härtesten bestraften Verbrechen im alten Westen und führte nicht selten zu einem kurzen Prozess an einem robusten Ast.

Saddle Blanket (Satteldecke): Meist eine dicke, gewebte Wolldecke, oft mit klassischen Navajo-Mustern. Sie schützte den Pferderücken vor Druckstellen, saugte den Schweiß auf und dämpfte das Gewicht des schweren Arbeitssattels.

Slicker: Der klassische, meist leuchtend gelbe Regenmantel aus schwerem Ölzeug. Er war extra lang geschnitten und im Rücken oft geschlitzt, damit er im Sattel getragen werden konnte und sowohl den Reiter als auch den hinteren Teil des Pferdes bei tagelangen Wolkenbrüchen abdeckte.

Soiled Doves (Beschmutzte Tauben): Ein zeitgenössischer, euphemistischer Begriff für die Prostituierten und Saloon-Mädchen. Sie folgten den Boomtowns in Scharen, da die Bergarbeiter und Cowboys nach wochenlanger Einsamkeit bereitwillig ihren hart verdienten Lohn ausgaben.

Spade Bit (Kandare): Das Metallgebiss im Maul des Pferdes, das beim Westernreiten oft recht scharf ausfiel. Westernpferde wurden fast ausschließlich über Gewichtsverlagerung und das bloße Anlegen der Zügel an den Hals (Neck Reining) geritten, sodass meist nur ein sehr feiner Impuls mit einer Hand am Zügel nötig war.

Split Reins (Geteilte Zügel): Im Gegensatz zu geschlossenen Zügeln waren Westernzügel in der Mitte offen und hingen lose herab. Fiel der Reiter vom Pferd, bildete sich keine Schlaufe, in die das Pferd treten und sich das Genick brechen konnte. Zudem blieb ein gut trainiertes Westernpferd brav stehen, sobald die offenen Zügelenden den Boden berührten (Ground Tie).

Spread: Ein umgangssprachlicher Begriff für eine Ranch samt all ihren Ländereien, Gebäuden und Tieren.

Spurs (Sporen): Die berühmten Sporen mit den klirrenden Rädchen (Rowels). Sie wurden nicht eingesetzt, um das Pferd zu quälen, sondern für subtile, präzise Signale. Durch den schweren Arbeitsanzug des Reiters brauchte es oft dieses Hilfsmittel, um dem Pferd mit einem leichten Antippen eine Richtungsänderung mitzuteilen.

Stag Camp: Ein reines Männerlager (von stag, dem Hirsch). Ein Ort ohne Frauen, an dem die Cowboys unter sich leben und den Haushalt selbst schmeißen müssen.

Stampede: Der Albtraum jedes Cowboys. Eine plötzliche, unkontrollierbare Massenpanik der Rinderherde, die oft durch Kleinigkeiten wie einen Blitzschlag, das Heulen eines Kojoten oder ein zündendes Streichholz ausgelöst wird. Die Tiere rennen blindlings alles nieder, was im Weg steht.

Steers: Kastrierte männliche Rinder (Ochsen), die hauptsächlich für den Fleischmarkt gezüchtet und gemästet werden.

Stetson: Die berühmteste Hutmarke des Wilden Westens; wird oft als Synonym für den klassischen Cowboyhut verwendet.

Tapaderos (Taps): Lederne, oft spitz zulaufende Abdeckungen über den Steigbügeln. Sie verhinderten, dass der Stiefel des Cowboys bei der harten Arbeit im Dornengestrüpp hängen blieb, schützten vor Schlangenbissen und hielten die Füße bei Regen und Kälte trocken.

Tenderfoot / Greenhorn: Ein absoluter Anfänger oder Neuling im Westen. Meistens ein unbedarfter Städter aus dem Osten, der das raue Leben nicht kennt, sich im Sattel ungeschickt anstellt und in der Hackordnung ganz unten steht.

Vigilantes (Bürgerwehr): Boomtowns wuchsen so rasend schnell, dass formelle Gesetzeshüter oft völlig überfordert waren oder fehlten. Ehrbare (und manchmal weniger ehrbare) Bürger schlossen sich dann zu sogenannten Vigilance Committees zusammen, um kurzerhand selbst das Gesetz in die Hand zu nehmen – oft mit einem Seil und dem nächsten Baum.

Western Saddle (Stock Saddle): Ein schweres, massives Arbeitsgerät aus dickem Leder und Holz. Er hatte eine hohe Rückenlehne (Cantle), um dem Cowboy bei abrupten Stopps extremen Halt zu geben, und verfügte über unzählige Lederriemen (Saddle Strings), um sämtliche Ausrüstung vom Regenmantel bis zur Kaffeekanne sicher zu befestigen.

Winchester Rifle: Das Gewehr, das den Westen eroberte. Ein Unterhebelrepetierer (Lever Action), der extrem robust war, nicht klemmte und aus dem Sattel heraus schnell abgefeuert werden konnte. Ein genialer Schachzug der damaligen Zeit: Viele Cowboys kauften das Winchester-Modell 1873 im Kaliber .44-40, weil sie dieselben Patronen auch in ihren Revolvern nutzen konnten. Eine einzige Munitionssorte im Sattelsack zu haben, sparte Gewicht und Nerven.

Wrangler: Meist der jüngste und unerfahrenste Cowboy der Crew. Sein harter, oft undankbarer Job ist es nicht, Kühe zu treiben, sondern sich rund um die Uhr um die Remuda (die Pferde) zu kümmern und dem Koch Holz und Wasser zu holen.

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