Der Gefangene der Stadtvogtei – Kapitel 9
Der Gefangene der Stadtvogtei
Eine Berliner Kriminalgeschichte
von Jodocus Donatus Hubertus Temme
G. Behrend (Falkenbergische Verlagsbuchhandlung), Berlin, 1861
Kapitel 9
Ein Liebesabenteuer
Der Tiergarten bei Berlin ist reich an schönen Landhäusern. Sie liegen offen in langen, stolzen Reihen da oder finden sich einzeln versteckt – was sie nur umso anmutiger und reizender macht.
Die fromme und reiche pommersche Dame Frau von Gramzow bewohnte eines dieser versteckten Landhäuser. Es lag in Richtung Charlottenburg, nicht weit von der Spree entfernt. Reiche und fromme Damen pflegen jedoch auch geizig zu sein. Das behaupteten zumindest die Leute und besonders ihre Dienstboten – freilich erst, wenn sie den Dienst bereits verlassen hatten; und diese wechselten bei ihr recht häufig. Nur ein alter Diener war ihr stets treu geblieben: erst in Pommern und jetzt seit Jahren in Berlin. Er war ihr Vertrauter, für die anderen im Haus jedoch ein kleiner Tyrann.
An diesem Abend erwartete die Dame noch Besuch. Dennoch hatte sie ihre Toilette noch nicht beendet, denn ihre bisherige Kammerjungfer war fort und die neue, die ihr die Frau von Stromberg versprochen hatte, war noch nicht eingetroffen. Frau von Gramzow wartete ungeduldig.
Der alte Kammerdiener trat ein.
»Endlich ist sie da, gnädige Frau!«, meldete er, machte dabei jedoch ein verlegenes, beinahe erschrockenes Gesicht.
»Was gibt es denn, Joachim?«
»Gnädige Frau, das ist eine erschreckend lange Person! Die Strombergs sind eben eine alte Kürassier-Familie; sie sind selbst groß gewachsen und lieben dementsprechend lange Leute. Aber diese Person, gnädige Frau …«
»Geschmäcker sind verschieden«, unterbrach ihn die Dame. »Wir müssen sie ja nicht behalten. Aber heute ist sie unentbehrlich. Schicke sie mir gleich herein, Joachim.«
»Zu Diensten, gnädige Frau.«
Nach wenigen Augenblicken trat die neue Kammerjungfer ein. Auch Frau von Gramzow erschrak ein wenig, obwohl sie auf eine ungewöhnliche Körpergröße gefasst gewesen war.
»Hm, hm … Sie sind also die Person, die mir von Frau von Stromberg empfohlen wurde?«
»Die gnädige Frau von Stromberg hat mir dieses Briefchen an Euer Gnaden mitgegeben.«
»Frau von Stromberg lobt Sie darin«, meinte die Dame nach dem Lesen. »Ich hoffe, dass ich mit Ihnen zufrieden sein kann. Sie werden hier einen leichten Dienst haben. Zuerst müssen Sie mich ankleiden. Können Sie denn frisieren?«
»Zu Diensten, gnädige Frau.« Die Kammerjungfer machte dabei ein fast ebenso entsetztes Gesicht wie zuvor der Kammerdiener.
»Sodann haben Sie meine Tochter einzukleiden.«
»Ah, ah!«
»Was sagen Sie da? Gefällt Ihnen das etwa nicht?«
»O doch, ich bin ganz zufrieden, gnädige Frau.«
»Dann müssen Sie bei Tisch aufwarten. Können Sie das denn?«
»Gewiss, gnädige Frau.«
»Und noch etwas: Sie ist hübsch …«
»Gehorsame Dienerin!«
»Was sagen Sie da?«
»Euer Gnaden sind sehr gnädig gegen ein so unbedeutendes Mädchen wie mich.«
»Nun gut! Ich wollte Ihnen nur empfehlen, dass Sie sich nicht mit den jungen Herren abgeben, die in mein Haus kommen – besonders nicht mit den Offizieren. Die jungen Offiziere taugen nämlich nichts.«
»Ja, ja.«
»So? Das wissen Sie schon?«
»Ich habe davon gehört, gnädige Frau.«
»Das ist mir recht. Überhaupt müssen Sie in meinem Haus stets Gott und Ihre Herrschaft vor Augen haben. So, und jetzt frisieren Sie mich.«
»Nun geht’s los«, seufzte die lange Kammerjungfer schwer vor sich hin.
Die alte Dame hatte zum Glück nicht mehr viele Haare. Die lichten Stellen bedeckte ein große, mit Blumen und Spitzen reich verzierter Hut. Im Übrigen verstanden die Gardeoffiziere das Frisieren und Zurechtrücken von Haaren schon damals recht gut. Die Dame war mit ihrer neuen Kammerjungfer sehr zufrieden.
»Sie hat zwar eine schrecklich große Hand«, murmelte sie, »aber man sieht, dass sie in guten Häusern gedient hat. Kleiden Sie mich jetzt an.«
»O weh!«, seufzte die Kammerjungfer diesmal noch tiefer.
Die Dame hörte es nicht, denn ihre Gedanken weilten bei etwas, das ihr sehr am Herzen lag.
»Frau von Stromberg ist recht mager«, bemerkte sie.
»Eigentlich klapperdürr, gnädige Frau.«
»Ja, ja, sie ist schon sehr verblüht.«
»Sie war mir zwar eine gute Herrschaft, aber ich kann es nicht leugnen.«
»Finden Sie, dass ich mich besser erhalten habe?«
»O, ganz gewiss, gnädige Frau!«
»Das freut mich.«
»Dieser Nacken ist noch so glänzend fett wie … wie …«
»Nun? Sprechen Sie es nur aus!«
… wie der delikateste Speck!«
»Sie sind zwar etwas derb in Ihren Ausdrücken, aber ich sehe, Sie meinen es gut.«
»Und diese Arme sind wie ein Paar allerliebste Blutwürste!«
»Ist Sie etwa die Tochter eines Fleischers?«
»Ach nein, mein Vater war Seiler, darum bin ich auch so lang geraten.«
»So, so! Sie finden also wirklich, dass ich mich gut gehalten habe?«
»O, Euer Gnaden können noch immer einen Mann glücklich machen!«
»O, meine Liebe!«
»Und wenn ein gewisser vornehmer Herr General … Die gnädige Frau von Stromberg deutete da etwas an …«
»Von einem General?«
»Ja, gewiss.«
»Still, still! Der General wird heute Abend hierherkommen.«
»Donnerwetter, der General …?«
»Schämen Sie sich nicht, so zu fluchen?«, rügte die Dame. »Ich hoffe, das nie wieder von Ihnen zu hören! In meinem Haus dulde ich nur christliche Gesinnung und anständige Worte.«
»Verzeihen Euer Gnaden mir.«
In diesem Moment öffnete sich die Tür, und das schöne Fräulein Malvine von Gramzow, die Tochter des Hauses, trat noch im Negligé ein.
»Ah, Malvine!«, rief ihr die Mutter entgegen. »Du wartest wohl auch schon auf die Jungfer, um dich ankleiden zu lassen?«
Die junge Dame blickte die neue Jungfer an, erkannte sie sogleich, wurde blass und begann zu zittern.
»Ich, Mutter?«
»Ich bin gleich fertig, mein Kind. Die Jungfer geht dann mit dir auf dein Zimmer.«
»Mit mir? Auf mein Zimmer?«
»Nun ja, um dich anzukleiden.«
»Mich ankleiden?«
»Aber was ist denn mit dir?«
»O, nichts, nichts!«
»Und mit Ihnen? Was ist denn mit Ihnen los? Der Schweiß läuft Ihnen ja das Gesicht hinunter!«
»Es wird gleich vorübergehen; mir ist nur etwas heiß geworden.«
»Ach ja, Mutter, es ist hier schrecklich heiß!«, pflichtete das Fräulein hastig bei und verschwand rasch aus dem Zimmer.
»So, ich wäre fertig, meine … Wie heißt Sie doch gleich?«
»Charlotte, Euer Gnaden.«
»Nun, Charlotte, dann kleiden Sie jetzt meine Tochter an. Aber sagen Sie dem Kind nichts von dem General! Und gehen Sie behutsam mit ihr um – ich glaube, sie fürchtet sich vor Ihnen, weil Sie so schrecklich groß sind.«
»Nun, daran liegt es wohl kaum«, murmelte die Kammerjungfer in sich hinein und verließ ebenfalls den Raum.
Frau von Gramzow trat vor den Spiegel, um sich ungestört zu bewundern. Die Kammerjungfer hatte ihren Nacken und ihre Arme nicht zu sehr verhüllen dürfen.
»Ja, ja«, sagte die Dame zufrieden vor sich hin, »die einfältige Person konnte nur nicht die passenden Worte finden.«
Da meldete der alte Kammerdiener: »Der Herr General von Remscheid!«
»Wo?«
»Im Salon.«
»Ich komme sofort!«
»Aber Fräulein Malvine will sich absolut nicht von der neuen Jungfer ankleiden lassen«, fügte Joachim hinzu.
»Welch ein Eigensinn!«
»Das Mädchen darf nicht einmal ihr Zimmer betreten; die Köchin muss ihr beim Ankleiden helfen.«
»Das wird sich morgen schon geben, Joachim. Ich darf den General jetzt nicht länger warten lassen.«
Der General von Remscheid war ein ganz eigener Mann: klug, reich, ein tüchtiger Soldat und äußerst ehrgeizig. Sein größter Ehrgeiz bestand im treuen Gehorsam gegenüber seinem König. Er war unverheiratet geblieben, da er glaubte, sich als Ehemann zwischen dem Dienst am König und seiner Familie aufreiben zu müssen. Als junger Fähnrich hatte er zwar einst Frau von Gramzow – damals ein wie eine Pfingstrose aufblühendes pommersches Fräulein – den Hof gemacht. Doch wenn Frau von Stromberg der dicken Witwe erzählt hatte, der General sei nur ihretwillen unvermählt geblieben, so war das lediglich eine jener Lügen, die die Mutter des langen Leutnants im Interesse der Liebe ihres Sohnes zu äußern nicht scheute. Später war der General fromm geworden – allerdings weniger aus innerer Überzeugung als vielmehr aus demselben militärischen Gehorsam. Diese Frömmigkeit hatte ihn zwar dem Konsistorialpräsidenten von Kehlhorst nähergebracht, ihn aber auch wieder mit Frau von Gramzow zusammengeführt.
Mit der dicken Dame saß er nun bei einem vortrefflichen Abendessen, wie er es schätzte und Frau von Gramzow keineswegs verschmähte. Ein weiterer Gast war nicht anwesend, denn die Hausherrin hatte ihre Gründe, nur den General einzuladen. Auch Fräulein Malvine saß mit am Tisch, was die alte Dame ebenfalls bewusst arrangiert hatte: Der General empfand für das schöne, bescheidene Mädchen eine väterliche Zuneigung, und über diese Zuneigung hoffte Frau von Gramzow leichter den Weg in sein Herz zu finden.
Der alte Kammerdiener bediente die Gesellschaft. Warum aber nicht die neue Jungfer? Frau von Gramzow hatte den alten Diener danach gefragt – und dieser zuvor schon die Jungfer selbst.
Der Kammerdiener hatte die neue Kammerjungfer in einer wenig behaglichen Verfassung angetroffen. Sie war gedankenvoll in der Stube auf und ab gegangen und hatte kurz zuvor folgendes Selbstgespräch geführt: »Da habe ich mir einen schönen, dummen Streich erlaubt! Ankleiden und auskleiden wollte ich sie! Und jetzt will sie mich nicht einmal sehen. Zu allem Überfluss muss der Teufel auch noch den alten General hierherführen. Wenn er mich nur aus der Ferne erblickt, bin ich verloren – mit seinen Falkenaugen erkennt er mich auf hundert Schritte. Wie komme ich nur mit Anstand wieder hier weg? Zuerst muss ich sie um Verzeihung bitten. Wenn ich sie doch nur für eine Minute sprechen könnte!«
In diesem Moment war der Kammerdiener eingetreten: »Sie sollen in den Salon kommen und bei Tisch aufwarten.«
»Sind Fremde anwesend?«
»Der Herr General von Remscheid.«
»Hölle und …! Das fehlte gerade noch!«
Der alte Diener hatte sie mit Erstaunen und Entrüstung angeblickt: »Was fehlt Ihr denn?«
»Ich kann nicht kommen, ich habe Zahnschmerzen.«
»Zahnschmerzen will Sie haben?«
»Sieht Er das etwa nicht?«
»Höre Sie, Jungfer, ich werde hier mit Er angeredet!«
»So lassen Sie mich gefälligst in Ruhe!«
»Das ist eine verzweifelt grobe Person«, brummte der alte Diener aus Hinterpommern vor sich hin. »Die muss in der Residenz in sehr vornehmen Häusern gedient haben. Wir kennen uns in Hinterpommern zwar auch mit Grobheiten aus, aber mit der da ist wahrlich nicht gut Kirschen essen!«
Er ging und übernahm die Bedienung selbst.
»Warum ist die Jungfer nicht gekommen?«, erkundigte sich die Hausherrin.
»Sie hat Zahnschmerzen.«
Das Fräulein wurde blass. »Mein Gott, Zahnschmerzen?«
»Es müssen ganz außergewöhnliche Zahnschmerzen sein«, bemerkte der Bediente trocken.
Das Fräulein wurde noch blasser.
»Wie meinst du das?«, fragte die dicke Dame.
»Das ist eine schrecklich ungezogene Person, gnädige Frau. Sie hatte schlichtweg keine Lust zu kommen und behauptete einfach, sie habe Zahnschmerzen.«
»Und so jemanden empfiehlt mir Frau von Stromberg? Schon ihre Körpergröße war ja erschreckend!«
Der General war aufmerksam geworden: »Wovon ist hier die Rede, wenn ich fragen darf?«
»Frau von Stromberg hat mir eine neue Kammerjungfer geschickt – eine entsetzlich lange und, wie ich eben höre, sehr grobe Person.«
»Frau von Stromberg hat Ihnen diese Jungfer geschickt? Das begreife ich nicht.«
Der General blickte mit seinen scharfen Augen auf das immer blasser werdende Fräulein. Ich begreife es allerdings, dachte er bei sich, während ein kleiner Schelm in ihm erwachte.
»Gnädige Frau, darf ich Ihrem Joachim auftragen, der Jungfer auszurichten, dass ich sie zu sprechen wünsche?«
»Sie wollen sie sehen, Exzellenz?«
»Um Frau von Stromberg berichten zu können, was für eine Person sie Ihnen da geschickt hat.«
»Joachim, Du hast den Befehl Seiner Exzellenz gehört!«
Joachim ging. Das Fräulein war einer Ohnmacht nahe.
»Ist Ihnen nicht wohl, liebes Fräulein?«, erkundigte sich der General teilnehmend.
Sie hatte jedoch nur die eine Antwort parat: »Ach, es ist hier schrecklich heiß!«
»Und dennoch zittern Sie wie vor Frost?«
Der alte Diener trat wieder ein und meldete: »Die Jungfer will nicht kommen.«
»Sie will nicht?«
»Sie meint, sie sei kein Leutnant im Dienst und habe nur Befehle der gnädigen Frau entgegenzunehmen.«
Der General lief rot an. In den Augen des Fräuleins blitzte Freude auf – der Mut eines Liebhabers beglückt schließlich jede Geliebte.
»Aber ich befehle es!«, rief Frau von Gramzow entrüstet.
Der Diener hatte jedoch noch eine zweite Nachricht: »Draußen steht ein Polizeiinspektor mit Gendarmen und Sergeanten.«
»Was wollen die denn bei mir?«
»Der Inspektor wünscht nur die gnädige Frau persönlich zu sprechen.«
»Lassen Sie ihn eintreten.«
Der Diener führte den Polizeiinspektor herein. Der kleine, untersetzte Mann verbeugte sich tief. Seine geschulten Augen hatten die Anwesenden jedoch schon längst gemustert: Weder die Tochter des Hauses noch der hochangesehene General schienen ihm verdächtig oder gar Personen, vor denen er etwas geheim halten musste.
»Die gnädige Frau wollen mir diese späte Störung verzeihen.«
»In der Tat, mein Herr, es ist schon recht spät.«
»Gnädige Frau, ich verfolge mit meinen Leuten einen gefährlichen Kriminellen.«
»Bei mir?«
»Hier in diesem Landhaus.«
»In meinem Hause befinden sich außer Seiner Exzellenz nur meine Familie und meine Dienstboten!«
»Dennoch hat sich heute Abend einer der gefährlichsten Diebe Berlins hier eingeschlichen.«
»Ein gefährlicher Dieb?«
»Er steht sogar unter dringendem Verdacht eines Raubmordes.«
Die Hausherrin erschrak nun zusehends heftig. »Ein Mörder gar?«
»Wie ich die Ehre habe zu berichten. Ich bin seiner Spur bis in die Nähe dieses Anwesens gefolgt, wo ich sie plötzlich verlor. Erst spätere Umstände machten es wahrscheinlich, dass sich der Mensch genau in dieses Haus geflüchtet hat.«
»Das ist unmöglich, mein Herr!«
»Es handelt sich um einen baumlangen Kerl.«
»Wie, baumlang?«
»In Frauenkleidern.«
»Gerechter Gott!«
»Was ist Ihnen, gnädige Frau?«
»Dieser Mensch hat mich angekleidet!«
»Was hat er getan?«
»Er hat meinen Nacken …«
»Ihren Nacken? Was hat er mit Ihrem Nacken gemacht?«
»Großer Gott! Großer Gott!«
Die dicke Dame versuchte krampfhaft, in Ohnmacht zu fallen. Ihre Tochter wiederum bemühte sich verzweifelt, eine ihr selbst drohende Ohnmacht abzuwehren; sie zitterte so stark, dass sie sich kaum auf den Beinen halten konnte.
Die haben aber einen gewaltigen Schrecken bekommen, dachte der Inspektor im Stillen. Die Alte phantasiert ja schon! Laut meinte er: »Die Damen sollten bei so großer Furcht wirklich nicht hier draußen im Tiergarten wohnen.«
Für einen Augenblick war auch dem General angst und bang geworden. »Hölle und Teufel!«, fluchte er entgegen all seiner Frömmigkeit im Stillen. »Wie rette ich den Burschen nur aus dieser Misere? Wenn er hier erwischt wird, ist das eine Blamage für die Garde, die gesamte Armee und beide Familien!«
»Die gnädige Frau«, wandte sich der Inspektor wieder an die Hausherrin, »werden unter diesen Umständen sicherlich nichts gegen eine Durchsuchung des Hauses einzuwenden haben.«
»Nein, nein!«, rief die Dame. »Durchsuchen Sie das ganze Haus! Aber es ist gar nicht nötig, denn der, den Sie suchen …«
Dem Fräulein schlugen vor Entsetzen die Zähne aufeinander.
Der General wäre in diesem Moment lieber auf einem Schlachtfeld gewesen. Doch so wie er in keiner Schlacht den Kopf verloren hätte, so behielt er ihn auch hier.
»Wo steckt der leichtsinnige Bursche?«, raunte er dem Fräulein ins Ohr. »Ich rette ihn!« »In der Stube der Kammerjungfer«, flüsterte sie zurück, »direkt hinter dem Zimmer meiner Mutter.«
Der General verließ umgehend den Raum.
»Der, den Sie suchen …«, hatte Frau von Gramzow stammeln wollen, ohne den Satz vollenden zu können. »Nein, nein, wie kann ich das nur aussprechen?«, rief sie schockiert aus.
Die ist wahrhaftig verrückt geworden!, dachte der Inspektor. Laut sagte er: »Nun, was kümmert es mich – ich führe die Haussuchung durch.«
Als er jedoch ins Freie zu seinen Gendarmen und Sergeanten trat, blickte er in recht lange Gesichter. Ein Wachtmeister der Gendarmen trat vor: »Herr Inspektor, derjenige, den wir verfolgt haben, war tatsächlich in Frauenkleidern unterwegs.«
»Wie bitte? Was soll das heißen?«
»Der Herr General von Remscheid hat die Person soeben an der Hand durch eine Hintertür aus dem Haus geleitet.«
»Was? Selbst dieser alte, fromme General treibt noch solche Geschichten?«, staunte der Inspektor. »Na ja … Gegenüber dem Militär sind der Polizei ohnehin die Hände gebunden.«
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