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Bau und Einrichtung von Burgen im Mittelalter – Teil VII

Wohnräume im Palas

Im Palas befanden sich neben dem Rittersaal und im oberen Stockwerk verschiedene Zimmer, von denen einige durch Kamine, spätere Varianten durch Öfen heizbar waren. Die größeren Räume hießen Kemenaten, die kleineren Gadem. In ihnen wohnten der Burgherr mit seiner Familie, zuweilen auch seine Verwandten und jene Gäste, die besonders willkommen waren oder die man mit besonderer Auszeichnung behandeln wollte.

Die Zimmer in unmittelbarer Nähe des Rittersaals wurden sorgfältiger ausgestattet als die übrigen – und umso reicher, je vornehmer die Burg war. Zuweilen waren sie gewölbt und das Gewölbe mit verzierten Schlusssteinen geschmückt, an denen oft das Hauswappen angebracht war. Hatten diese Gemächer eine flache Decke, so waren Wände und Plafond nicht selten getäfelt. In späterer Zeit versah man diese Täfelungen mit tieferen Kassetierungen, illuminierte sie gelegentlich farbig und verzierte sie im Innern mit Vergoldungen. Teppiche bedeckten die Wände ringsum, namentlich wenn diese glatt waren, sowie den Fußboden. Um Zugluft oder blendende Sonnenstrahlen abzuhalten, wurden sie zudem vor den Türen und – an Ringen oder drehbaren Stangen befestigt – vor den Fenstern aufgehängt. Blumen und allerlei Wohlgerüche durchdufteten das Zimmer. Weiterhin befanden sich in der Kemenate ein reich ausgestattetes Bett, ein Tisch, ein Kleiderschrank oder eine Truhe sowie ein erhöhtes, offenes Gestell für Bedarfs-, Luxus- und Toilettenartikel. Vor dem Kamin stand eine Bank mit oder ohne Lehne, auf der es natürlich nie an Kissen mangelte.

Schrank und Truhe gehörten zu den Hauptstücken des mittelalterlichen Hausmobiliars; leider sind nur wenige Exemplare aus jener Zeit erhalten.

Die Schränke waren gewöhnlich von großem Umfang und wurden aus Eichenholz, später – besonders in Süddeutschland – aus verschiedenen Holzarten mit teilweise angewandter Bemalung gefertigt. Sie wiesen in allen Teilen eine reiche eingelegte oder geschnitzte ornamentale Ausstattung auf. Die Flügeltüren waren entweder mit Wappen geschmückt, deren Helmschmuck gleich dem Laubwerk den gesamten Grund umrankte, oder sie zeigten Darstellungen aus der biblischen Geschichte sowie dem gewöhnlichen Leben. Die ebenfalls verzierten Beschläge bestanden aus verzinntem Eisen.

Die Truhen bestanden gewöhnlich aus Buchenholz und waren an der Vorderseite mit Schnitzwerk oder verschiedenfarbigen Holzeinlagen, einem großen Schloss und einem verzierten Schlossblech versehen. Sie ruhten oft auf Füßen, die durchbrochenes Maßwerk aufwiesen. Im Inneren mancher Truhen befanden sich mehrere Abteilungen mit unterschiedlichen Holzeinlagen. Diese Truhen dienten als Aufbewahrungsort für wertvollere Dinge wie Leinwand, Silbergeräte, Geld, Werkzeuge, Rüstungen, Waffen und Ähnliches.

Das prachtvollste Stück des Hausgeräts war das Bett. Ein reiches, kostbares Bett war ein Schmuck des Hauses und zugleich eine Ehre für den Gast.

Die Bettstatt, die man auch Bettstall nannte, war hoch, sehr geräumig, fest und schwer gebaut; als Ehelager für zwei Personen konzipiert, war sie sechs Fuß breit. Das mit reichem Schnitzwerk versehene Holzgestell wurde von einem viereckigen Himmel überdeckt, der von oben an Stangen schwebend gehalten und zuweilen bemalt war. Von seinen Rändern hingen Gardinen kostbarster Art mit reicher, eingewirkter Musterung oder Stickerei herab. Mit diesen ließ sich die Bettstatt gänzlich umschließen, gewöhnlich waren sie jedoch aufgezogen und hochgebunden. An der Längsseite der hohen Bettstatt oder an ihrem Fußende stand eine mit Polstern, Decken oder seidenen Tüchern belegte niedrige Bank, vor der ein Teppich ausgebreitet lag. Hier ließ man sich entschuhen und entkleiden.

Das Bett selbst war niedrig, seine Bestandteile jedoch reichhaltig. Zuunterst lag ein Federbett (Pflumit), darüber eine gesteppte, seidene Decke (Kulter, Kolter) und darauf weiße leinene Tücher (Leilachen oder das linde Wat). Unter dem Kopf lagen ein runder Pfühl und ein feines, weiches Kopfkissen (Wangkissen, Ohrkissen). Zur Bedeckung des Schlafenden diente eine genähte, dicke Wolldecke – oft aus mehrfachen Tuchlagen zusammengesetzt (Deckellachen) –, ein reicher Pelz oder auch der eigene Mantel. Es kam durchaus vor, dass die Dame des Hauses ihren Mantel als Ehrengabe zum Zudecken schickte. Pflumit und Kulter hielt man bevorzugt in Grün, beim Deckellachen wählte man gerne Rot, und als Überzug für alle drei Elemente verwendete man Seidenstoffe, mitunter sogar Samt. Das Bett, namentlich jenes der Damen, wurde parfümiert; Polster, Decken und besonders das Kopfkissen besprengte man mit Rosen- und Lavendelwasser. Das Brautbett bestreute man zudem mit Rosen, den Blumen der Verschwiegenheit.

Im früheren Mittelalter legte man sich noch mit dem Unterkleid, dem Hemd, zu Bett. Im 14. und 15. Jahrhundert jedoch wurde es Sitte, völlig nackt ins Bett zu steigen, wie aus zahlreichen zeitgenössischen Bildern zu schließen ist. Zumindest die Nacktheit des Oberkörpers ist darauf deutlich zu erkennen. Als Schlafgewand vor und nach der Ruhe diente entweder ein Mantel oder ein Pelz.

Das Bett wurde gewöhnlich so aufgestellt, dass nur das Kopfende an die Wand stieß, die Längsseiten aber frei blieben. Befanden sich in einem Gemach zwei Betten, so standen sie derart, dass sich zwischen ihnen ein Raum oder Gässchen bildete, welches man durch einen Vorhang abteilen konnte. Nicht immer schliefen der Herr und seine Frau in demselben Bett oder Zimmer – namentlich dann nicht, wenn die Frau, wie es auf großen Burgen vorkam, ein eigenes Gebäude bewohnte.

Es gab zudem noch Ruhebetten, die auch als Sitzgelegenheit dienten. Sie waren nicht so vollständig ausgestattet wie die Schlafbetten, denn der Pfühl und die obere Decke fehlten; die unteren Schichten jedoch waren identisch. Das Ruhebett lag gewöhnlich auf einer Bank an der Wand und besaß ein Rückenlaken (Rücklachen). Übrigens diente das große Bett oft ebenfalls als Ruhesitz. Bei großem Zudrang von Gästen bereitete man zusätzliche Schlafstätten einfach auf dem bloßen Fußboden.

Zimmer der Burgfrau

Unter den kostbar eingerichteten Kemenaten einer vornehmen Burg war das Zimmer der Burgfrau (nach alter Ausdrucksweise ihr »Heimliche«, nach heutiger Benennung ihr Boudoir) am reichsten ausgestattet. Die Frauengemächer befanden sich gewöhnlich im oberen Stockwerk.

Neben dem bereits erwähnten Mobiliar befanden sich im Gemach der Burgfrau noch ein Heiligenbild oder ein Flügelaltärchen mit einem Betschemel sowie ein Weihwasserkessel, wie er gewöhnlich auch im Saal und in den übrigen Zimmern zu finden war. Ebenso verhielt es sich mit der Wasser- oder Sanduhr, die bis ins 17. Jahrhundert hinein unentbehrlich war und zum festen Inventar zählte. Noch die berühmten Astronomen jenes Jahrhunderts, Brahe und Kepler, bedienten sich bei ihren Beobachtungen der Sanduhr.

Ferner fand man im Frauengemach schöne Schaugeräte, Schmuck- und Geldkästchen sowie allerlei Geschmeide. Diese zeugten von der im Mittelalter so hoch entwickelten Goldschmiedekunst, die – vereint mit der Emaille- und Steinschneidekunst – durch Gravieren, Ziselieren und Treiben Meisterwerke hervorbrachte. Die Kästchen bestanden in ältester Zeit aus Elfenbein, bedeckt mit Ornamenten oder Reliefs. Dieser kostbare Werkstoff wurde jedoch allmählich durch fein geschnitzte Hölzer verdrängt, und das Schnitzwerk später wiederum durch reich verzierte Eisenbeschläge, die das Behältnis vollständig ummantelten. Im 14. Jahrhundert legte man die Kästchen mit farbigen Hölzern aus (Intarsien); die geschnitzten Exemplare wurden mitunter bemalt, bis schließlich die rein malerische Gestaltung die Oberhand gewann. Sie zeigte Darstellungen aus der biblischen und profanen Geschichte, aus der Mythologie sowie Liebesszenen.

Häufig wurden die Kästchen von weiblicher Hand mit Stickereien, Flittern und künstlichen Blumen geschmückt. Es gab auch Ausführungen aus gepresstem, getriebenem Leder oder mit eingeschnittenen Zeichnungen.

Zu den Gegenständen, die in keinem Damenzimmer fehlen durften, gehörte der Spiegel. Er war meist klein, rund und bestand aus poliertem Metall. Gläserne Spiegel, die auf der Rückseite mit Blei belegt waren, zählten zu den größten Seltenheiten. Ihrer Kostbarkeit wegen – und da sie fester Bestandteil der Damentoilette waren – wurden die Spiegel oft in Etuis (Kapseln) eingefasst. Deren Deckel trugen geschnitzte Darstellungen aus dem Leben der Frauen, namentlich Minnehöfe, erstürmte Minneburgen und ähnliche Motive.

Auch Bücher heiligen und profanen Inhalts, die in Schrift und Einband meist prachtvoll ausgestattet waren, lagen auf dem Tisch der vornehmen Burgfrau. Die ritterlich-romantische Literatur blühte besonders in der Zeit der Kreuzzüge und der Staufer (im 12. und 13. Jahrhundert). Im 14. Jahrhundert verfiel sie, flackerte jedoch im 15. Jahrhundert wieder auf und war reich an epischen, lyrischen und didaktischen Dichtungen. Ihre eigentliche Heimat fand diese Literatur in den großen Herrenburgen, wo sie besonders von den Frauen gefördert wurde, die den Männern damals in der Kunst des Lesens einen bedeutenden Vorsprung voraushatten.

Im mittelalterlichen Damenzimmer befanden sich oft auch Instrumente wie Harfe, Lyra (Rotte) oder Fiedel, denn der Musikunterricht gehörte zur standesgemäßen Mädchenerziehung. Der Gesang der jungen Damen war damals ebenso Gegenstand der Bewunderung und Eitelkeit wie in späteren Zeiten. Zudem erfreuten sich die Damen in ihren Räumen an Singvögeln, sprechenden Staren und kleinen abgerichteten Hunden. Mancher Pilger brachte von seinen Reisen sogar einen Papagei oder Affen mit.

Über die genauen Aufgaben und Beschäftigungen der Burgfrau wird an späterer Stelle ausführlicher gesprochen.

Balkon, Galerie, Kommunikation im Palas

Die Wohnqualität des Damenzimmers wurde in manchen Fällen durch einen Balkon (Söller oder Laube) weiter erhöht. Hier verbrachten die Frauen, die Aussicht genießend oder mit Handarbeiten beschäftigt, oft einen großen Teil der schönen Tage. Der Aufenthalt am Fenster oder auf dem Balkon war im Mittelalter bei den Damen nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil sie von dort aus das Geschehen unten im Tal oder auf den nahen und fernen Straßen am besten beobachten konnten. Das mitunter monotone Leben auf einer Burg machte ihre Bewohner empfänglich dafür, in jeder Kleinigkeit ein Ereignis zu sehen und dieses als willkommene Zerstreuung zu nutzen. Wie freudig blickten sie auf, wenn sich ein Fremder näherte, brachte er doch Neuigkeiten aus der Welt in die einsamen Mauern. Es gab viel zu erzählen und zu besprechen – Stoff, von dem die Unterhaltung noch lange zehrte, selbst wenn sich hinter dem Abreisenden das Tor längst wieder geschlossen hatte. Auf dem Balkon schützte man sich durch aufgespannte Teppiche vor Wind und Sonne. In der warmen Jahreszeit wurde die Tür, die vom Zimmer nach draußen führte, oft erst gegen Abend geschlossen.

Manchmal besaß das oberste Stockwerk des Palas eine hölzerne, überdachte Galerie mit offenen Arkaden, die sich entlang der zur freien Gegend zugewandten Außenseite hinzog. Diese Galerie (die »Lieve« oder »Loube«) bot dem Burgherrn und seiner Familie im Sommer ein angenehmes Plätzchen an der frischen Luft. Dort nahm man auch seine Mahlzeiten ein, obgleich der Platz, den eine solche Galerie bot, meist recht begrenzt war.

Wo eine solche Galerie existierte, diente sie zugleich als Verbindungsgang zwischen den Zimmern des obersten Stockwerks. Andernfalls musste man gewöhnlich die Räume direkt durchqueren, um von einem Gemach ins nächste zu gelangen. Geschlossene Mauergänge oder Korridore mit Türen zu den einzelnen Zimmern einer Etage fand man selten, da der Platz im Palas ohnehin knapp bemessen war. Wenn sie vorkamen, waren sie meist eng und der Burghofseite zugewandt. Die Verbindung zwischen den Stockwerken erfolgte durch schmal überwölbte, in die Dicke der Mauer eingelassene Wendeltreppen.

Türen im Palas: Türflügel, Beschläge, Schlösser und Schlüssel

Die Türen waren in früheren Zeiten eher klein, um beim Öffnen – besonders auf rauen Berghöhen und zur Winterszeit – der Kälte weniger Eintritt zu gewähren. Sie wiesen gewöhnlich eine rechteckige Form und einfache steinerne Türgewände auf, die zuweilen mit einem Wechsel aus vertieften Streifen und vorstehenden Stäben profiliert waren. Sind die Türen in den Ecken mit kleinen Viertelkreisbögen verkröpft, lässt dies auf ein hohes Alter schließen. Im 14. Jahrhundert erhielten in manchen ansehnlichen Gebäuden die Türöffnungen einen spitzbogenförmigen Abschluss, doch blieb der horizontale Sturz vorherrschend. Die Profilierung der Türüberdeckung durch Stabwerk und Hohlkehlen entsprach meist jener der Türgewände. Sie durchschlang oder durchkreuzte sich oft in der Spitze des Deckbogens oder in den Winkeln des Sturzes. Dieser ruhte mitunter auf großen Konsolen, die aus mehreren Steinen gebildet waren und meist als einfaches Profil hervortraten. Im 15. Jahrhundert kam als oberer Abschluss der Tür der Kleeblattbogen auf, dessen mittlerer Teil gegen Ende des Jahrhunderts als sogenannter Eselsrücken aufwärts geschweift war. Baumastähnliche, gotische Zierrate am Türsturz deuten ebenfalls auf das ausgehende Mittelalter hin.

Die Eingangstür oder das Portal des Palas wurde im späteren Mittelalter zuweilen von einem mehr oder weniger reichen Ziergiebel bekrönt. Auf Burg Schaunberg etwa geht die Gliederung der Seitenwände am Portal ohne trennendes Glied oder Kapitälchen unmittelbar in den Deckbogen über. Somit bildet sie ein ungebrochenes, durch Stabwerk und Hohlkehlen reich profiliertes Ganzes.

Die Türöffnung wurde gewöhnlich durch einen, seltener durch zwei Türflügel verschlossen. Die Blätter bestanden aus Eichen- oder Nussbaumholz, waren manchmal mit ornamentalen oder figürlichen Skulpturen versehen und entweder lediglich mit Wachs gebohnert oder – wie bereits erwähnt – bemalt.

In der Frühzeit spielte Eisen dabei noch eine untergeordnete Rolle; es beschränkte sich auf die Türbänder, die auf den Flügel genagelt wurden und, in Angeln, Haspen oder Haken eingehängt, die Drehbewegung ermöglichten. Als jedoch im 12. Jahrhundert das Schmiedehandwerk großen Aufschwung nahm und die Türen zumeist aus vertikalen Bohlen zusammengefügt wurden, überzog man sie bald mit einem regelrechten Netz aus ornamental geschmiedetem Eisen. Ab dem 13. Jahrhundert nutzte man horizontale Schienen als Bänder mit ornamentalen Ausläufern, die den Türflügel nicht nur trugen, sondern das Holzgefüge massiv zusammenhielten und verstärkten.

Diese Bänder bestanden fast ausnahmslos aus einem festen Mittelstab, der oftmals reich durchbrochen war und von dem aus sich dekorative Ranken und Blattwerk über die Türfläche ausbreiteten. Zudem applizierte man seit dem 14. Jahrhundert auf den Türen zuweilen noch weitere ornamentale Beschlagteile, die sich nahtlos an die Tragbänder und deren Ausläufer anfügten, um die Holzoberfläche gleichmäßig zu bedecken.

Ferner belegte man die Holztüren mit sich kreuzenden Eisenschienen. Die dadurch entstehenden Felder wurden entweder bemalt oder mit Ranken, Maßwerk, Wappen und heraldischen Figuren verziert. Auch die Nagelköpfe erhielten oft eine kunstvolle Form. Damit sich die Eisenbeschläge optisch noch deutlicher vom Holz abhoben und vor Rost bewahrt blieben, wurden sie gerne verzinnt oder vergoldet.

Am Türschloss war die Platte oder das Schlossblech häufig nach hinten erweitert, in Schlangenlinien ausgeschweift, mit graviertem Blattwerk und gotischen Verzierungen versehen oder mit feinem Maßwerk durchbrochen. Der eigentliche Mechanismus des Schlosses war gewöhnlich in die Stärke des Holzes eingelassen und dem Auge entzogen; seltener lag er auf der Innenseite des Zimmers bloß. Um ihn vor Staub und Schmutz zu schützen, wurde er ab dem 16. Jahrhundert mit einem Blechkasten ummantelt.

Das Schlüsselloch war unten und an den beiden Seiten von einem vorspringenden Eisenstab umgeben – nicht zuletzt deshalb, damit man es auch im Dunkeln leichter ertasten konnte. Auf der Außenseite der Tür, wo Schloss und Schlosskasten nicht sichtbar waren, brachte man ein Schlüsselblech an. Dies markierte die Position des Schlüssellochs und schützte zugleich das Holz, das an dieser Stelle durch den Schlüsselbart sonst rasch abgestoßen worden wäre. Dieses Schlüsselblech besaß bei kleineren Türen oft die Form eines senkrecht stehenden, dreieckigen Schildes oder einer schräg stehenden Tartsche (ein dem 15. und 16. Jahrhundert entstammender Reiterschild mit seitlichem Ausschnitt für die Lanze). Andere Formen wie Kleeblatt oder Halbmond sind nachmittelalterlichen Ursprungs. Auch hier wurden an den Seiten des Schlüssellochs kleine Eisenstäbchen angebracht, die in Ranken ausliefen, aufgrund des geringen Platzes jedoch keine ausladende Ornamentik entfalten konnten. Bei größeren Türen kam zudem die Form eines nach oben und unten breiter werdenden, bisweilen geschweiften Vierecks vor, das facettenreich verziert wurde.

Die Schlüssel des 12. und 13. Jahrhunderts weisen fast alle einen runden, hohlen Stiel (Halm) auf, an dessen oberem Ende ein verhältnismäßig kleiner Ring (Reide) saß. Der dünne, fast quadratische Bart war mit verschiedenen senkrechten und horizontalen Einschnitten versehen. Im 14. Jahrhundert nahm der Griff am oberen Ende des Stiels – der nun häufig hohl und viereckig ausgeführt wurde – die Gestalt eines über die Diagonale gestellten Quadrats mit drei Ausläufen an. Im Bart traten nun anstelle der einfachen Einschnitte vermehrt haken- und kreuzförmige Varianten auf. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erschien der Griff oft in Dreipassform; auch andere Maßwerkformen wurden populär. Die erneute Rückkehr zu runden und ovalen Griffen – nun auch oft herzförmig und gepaart mit deutlich komplexeren Bartstrukturen – verweist eindeutig auf die nachmittelalterliche Epoche.

Die Türklopfer bestanden aus herzförmigen oder hohlen, runden und oft durchbrochenen Wulsten, manchmal auch aus ringförmigen oder gekreuzten Ästen. Man schmückte sie zuweilen mit vollplastischen Eidechsen oder Figuren, die direkt auf ihnen auflagen. Stets waren die Klopfer an ihrem unteren Ende sehr massiv gearbeitet und besaßen einen nach rückwärts weisenden Knopf. Mit diesem schlug man gegen einen fest in der Tür verankerten, meist auf einer Unterlegplatte ruhenden Gegenknopf. Diese Klopfer dienten oft zugleich als praktische Ziehgriffe für die schweren Türen. Sie wurden nicht nur aus Eisen geschmiedet, sondern häufig auch aus Bronze oder Messing gegossen, wobei sie dann oft die Gestalt eines Hundes, eines menschlichen Gesichts oder Ähnliches annahmen.

Der Türgriff oder Türzieher – aus Eisen gefertigt und gewöhnlich feststehend – besaß meist die Form eines kugelförmigen, oft gegliederten Knopfes, der an einem Stiel auf einer Unterlegplatte an der Tür befestigt war. Alternativ trat er als großer ovaler Ring auf oder bildete einen halben, glatten, senkrecht stehenden Zylinder. Die glatte Vorderfläche wurde meist mit Ranken oder Maßwerk und die Kanten mit Blättern verziert. Mit Dornen am oberen und unteren Ende war der Griff fest im Holz verankert. Die Unterlegplatten waren entweder großzügig bemessen und für beide Dorne gemeinsam ausgeführt, oder sie legten sich als kleine, rosettenförmige Beschläge unter jeweils nur einen Dorn.

Die Unterlegplatten für die Türklopfer und Türzieher waren rund, länglich (oblong), als diagonal gestellte Quadrate geformt, mehreckig als Vierpass angelegt, als Rankenwerk ausgebildet oder liefen nach oben hin in Kronen, Spitzen oder Wappenschilder aus. Ihre Oberfläche wurde mit zartem, elegantem Rankenwerk oder gotischem, oft durchbrochenem Maßwerk verziert; der Rand wurde zinnenartig ausgearbeitet oder mit Blattwerk besetzt.

Erdgeschoss des Palas

Im Erdgeschoss des Palas, das in der Regel gewölbt war und an dessen Hofseite die Freitreppe (Gräde) oder Wendeltreppe nach oben führte, befanden sich gewöhnlich die Keller, zuweilen auch ein Gefängnis oder die Schlafräume der Dienerschaft – seltener hingegen Küche und Backstube. Diese Räume waren nicht zwingend mit Bodenplatten ausgelegt, sondern bestanden oft schlicht aus dem natürlichen, lediglich grob geebneten Felsengrund.

Der Palas war in seinen oberen Bereichen zudem stark auf die vertikale Verteidigung ausgerichtet. Die bereits erwähnte hölzerne Galerie im obersten Stockwerk wurde im Belagerungsfall genutzt, um Steine, Balken und andere Projektile auf heranstürmende Feinde herabzuschleudern. Ebenso war mancher Palas mit Friesbögen, Maschikulis (Pechnasen), Eckerkertürmchen oder wehrhaften Zinnenkrönungen versehen. Hatte der Palas zur Hofseite hin einen Wehrgang (manchmal nur als Aussparung innerhalb der Mauerdicke), so diente dieser vor allem dazu, ihn mit eigenen Truppen zu besetzen, falls eingedrungene Feinde den Palas vom Burghof aus attackierten.

Im Erdgeschoss waren Schießscharten eingelassen, zu deren Brüstung oft einige Stufen hinaufführten. Diese sogenannten Stufenscharten dienten dem Zweck, dem Verteidiger nach Abgabe des Schusses zu ermöglichen, schnell in tiefere Deckung zu treten. Da die Schartennischen in früherer Zeit extrem schmal bemessen waren, war ein direktes Ausweichen zur Seite für den Schützen nicht möglich. Diese Konstruktion, die bei niedrig liegenden Scharten fast allgemein üblich war, erhielt sich bis in die Zeit der Kreuzzüge. Erst der aufkommende, vorherrschende Gebrauch der Armbrust zwang die Baumeister später dazu, breitere Schartennischen anzulegen.

Neben dem Palas verfügte jede bedeutende Burg in ihrer Kernanlage noch über weitere Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Diese fielen jedoch hinsichtlich ihrer Anzahl, ihrer äußeren Ausstattung sowie ihrer inneren Einrichtung sehr unterschiedlich aus. Ausschlaggebend dafür waren stets die primäre militärische oder repräsentative Bestimmung der Burg, der Stand und Reichtum ihres Besitzers, die spezifischen Bedürfnisse der Bewohner sowie das schlicht zur Verfügung stehende Platzangebot.

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