Nick Carter – Die Rückkehr des Meisterdetektivs
Die geplante exklusive Edition soll dazu beitragen, ein neues Kapitel für Kenner der klassischen Kriminal- und Pulp-Literatur aufzuschlagen. Bereits vor dem weltweiten Siegeszug des Genres setzte Nick Carter als wandlungsfähiger, scharfsinniger Ermittler maßgebliche Akzente und begeisterte Generationen von Lesern. Von den verwinkelten Straßen New Yorks bis zu internationalen Schauplätzen riskanter Einsätze repräsentiert er den Prototyp des modernen Detektivs: furchtlos, intellektuell brillant und von einem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn geleitet.
Die konzipierte Edition bereitet dieses bedeutende literarische Erbe auf eine Weise auf, die historischer Authentizität ebenso verpflichtet ist wie höchsten bibliophilen Ansprüchen. Die geplanten Ausgaben werden fundiert ediert und in einer gediegenen Gestaltung umgesetzt, die den nostalgischen Reiz der Originalfassungen bewahrt.
Entdeckt ein Werk voller packender Rätsel, virtuoser Täuschungsmanöver und zeitloser Spannung – der Meisterdetektiv lädt zu seiner ersten Ermittlung ein.
Die Veröffentlichung des ersten Bandes der Edition mit dem Titel »Das Gesicht am Fenster« ist für das Frühjahr 2027 als Taschenbuch und E-Book vorgesehen.
Einen kleinen Vorgeschmack soll folgende Synopsis sowie eine kleine Leseprobe geben.
Synopsis
Eine grausame Gewalttat am Broadway versetzt New York in Aufruhr: Der angesehene Jurist Carleton Deering wird mitten in der Nacht an seinem Schreibtisch hinterrücks ermordet. Als einziger Anhaltspunkt verbleibt ein kreisrundes Einschussloch in der Fensterscheibe, das darauf hindeutet, dass das Projektil aus dem gegenüberliegenden Margate Building abgefeuert wurde.
Da es sich bei dem Getöteten um einen engen Vertrauten handelt, wird die Aufklärung für Meisterdetektiv Nick Carter zu einer persönlichen Verpflichtung. Die Umstände stellen den Ermittler jedoch vor erhebliche Hindernisse: Es bleibt unklar, wie dem Täter die unbemerkte Flucht aus dem bewachten Gebäudekomplex gelang. Zudem wirft Deerings von Amnesie überschattete Vergangenheit drängende Fragen nach dem eigentlichen Tatmotiv auf.
Als Carter während seiner nächtlichen Recherche auf der gegenüberliegenden Seite ein leichenblasses Gesicht wahrnimmt, entwickelt sich eine riskante Verfolgung im Schutz der großstädtischen Dunkelheit.
Ein facettenreicher Kriminalfall von beachtlicher Dynamik und kontinuierlicher Spannung für Amerikas profiliertesten Ermittler.
Leseprobe
Kapitel 1: Eine Tragödie am Broadway
Carleton Deering, einst als der Mann aus dem Nichts bekannt, wurde tot in seiner Anwaltskanzlei am Broadway in New York City aufgefunden. Er war an seinem Schreibtisch im Privatbüro erschossen worden, während er in seinem Drehstuhl saß.
Wie die spätere Autopsie ergab, stammte das Projektil aus einer Waffe vom Kaliber .38. Es war oberhalb der Schläfe in die linke Kopfseite eingedrungen, verlief im Winkel von 23 Grad nach unten und hatte sich schließlich hinter dem rechten Ohr im Schädel festgesetzt. Der Tod muss auf der Stelle eingetreten sein.
Im Fensterglas, etwa drei Meter vom Schreibtisch entfernt, wies ein rundes Loch von der Größe eines Silberdollars auf den Anschlag hin. Von diesem Loch aus breiteten sich Risse und Splitter sternförmig in alle Richtungen aus. Das Fenster bot einen freien Blick auf die belebte Hauptverkehrsader der Stadt sowie auf das gegenüberliegende Gebäude. Dies verdeutlichte nicht nur den Flugweg der Kugel, sondern machte auch sofort klar, dass der Attentäter aus dem Haus gegenüber gefeuert haben musste. Aus naheliegenden Gründen wollen wir dieses Gebäude Margate Building nennen – auch wenn das nicht sein tatsächlicher Name ist.
Die Leiche wurde morgens vom Chefsekretär des Büros entdeckt. Zwei elektrische Lampen brannten noch im Raum, als er die schreckliche Entdeckung machte. Auf dem Schreibtisch vor dem Toten lagen zahlreiche aufgeschlagene und aufgestapelte Gesetzbücher. Alles deutete darauf hin, dass der Anwalt gerade eine Rechtsschrift verfasste, als ihn die tödliche Kugel traf. Zu beiden Seiten des Stuhls standen zwei kleine Tische in Griffweite, die zusätzlichen Platz für weitere Werke boten.
Der Ermordete war in seinem Stuhl zurückgelehnt, als die Kugel sein Gehirn durchbohrte. Seine Beine waren gekreuzt, das linke über dem rechten. Auf seinem Knie lag ein aufgeschlagenes Gesetzbuch, worauf seine linke Hand ruhte. Sein Zeigefinger wies auf den Anfang eines Absatzes – als hätte er damit kurz zuvor noch seine müden Augen geführt. Seine rechte Hand lag schlaff auf der Armlehne. Darunter auf dem Boden lag eine halb gerauchte Zigarre, die seinen kraftlosen Fingern beim Einschlag der Kugel entglitten sein musste.
Als man die Leiche fand, hatte die Leichenstarre bereits eingesetzt. Der Mann war schon seit vielen Stunden tot; wie viele genau, ließ sich nicht unmittelbar feststellen. Es war punkt neun Uhr morgens, als die Entdeckung gemacht wurde.
Der Angestellte war seinem Arbeitgeber seit Langem verbunden und ihm tief zugetan. Zudem gehörte er zu jenen besonnenen Menschen, die erst nachdenken, bevor sie handeln. Sein Name war Percy Dalton.
Sein erster Impuls war gewesen, die Polizei zu rufen, doch Dalton kannte Nick Carter. Er wusste auch, dass Carter und sein Chef seit Langem enge Freunde waren – insbesondere seit einer schwerwiegenden Wende im Leben von Carleton Deering, auf die gleich noch kurz eingegangen wird.
Dalton verständigte daher nicht die Polizei, als er das Drama entdeckte. Er griff stattdessen zum Hörer und wählte Nick Carters Nummer. Sobald er den Detektiv persönlich am Apparat hatte, sagte er: »Mr. Carter, können Sie sofort herkommen? Es ist etwas Schreckliches passiert. Mr. Deering ist tot! Ich halte die Außentür des Büros verschlossen, bis Sie eintreffen, damit niemand sonst eintritt. Ich warte im Flur auf Sie.«
Als der Detektiv kurz darauf die Kanzlei betrat, waren er und Percy Dalton die einzigen Personen, die von der Tragödie wussten.
Nun folgen einige Zeilen zur seltsamen Vorgeschichte von Carleton Deering – denn es ist unerlässlich, diese Hintergründe zu kennen, bevor die eigentliche Erzählung fortgeführt werden kann.
Bis vor Kurzem war Deering unter dem Namen John Carleton bekannt und als Anwalt tätig gewesen. Neunzehn Jahre seines Lebens hatte er unter dieser Identität verbracht. Als John Carleton hatte er es zu Erfolg, Ansehen und Wohlstand gebracht und genoss überall einen vorzüglichen Ruf.
Doch während all dieser Jahre litt er an einer Form von Aphasie und hatte keinerlei Erinnerung daran, wer er vor jener Zeit gewesen war. Eines Morgens – nach Tagen intensiver Arbeit an einem juristischen Fall – erlitt er erneut einen Schub und verwandelte sich geistig wieder in den Mann, der er einst gewesen war.
An jenem Morgen begegnete er Nick Carter auf der Straße, erkannte ihn jedoch nicht, obwohl er mit dem Detektiv als John Carleton eng befreundet gewesen war. Er beharrte darauf, Philip Maddox zu heißen – ungeachtet der Tatsache, dass seine Erinnerungen an Gegenstände, Orte und die Stadt New York selbst abrupt vor neunzehn Jahren endeten. Dennoch erinnerte er sich an Personen und Schauplätze aus seinem früheren Leben. Unter diesen befand sich ein gewisser Dr. Parsons, mit dem er einst befreundet gewesen war.
Doktor Parsons konnte ausfindig gemacht werden. Durch ihn erfuhr man, dass zehn Jahre vor dem Beginn von Philip Maddox’ Laufbahn ein siebzehnjähriger Junge aufgefunden worden war, der verwirrt durch die Straßen irrte. Er war infolge einer schweren Hinterkopfverletzung geistig zurückgeblieben. Fähige Chirurgen hatten den Jungen damals operiert. Seine Intelligenz konnte wiederhergestellt werden, nicht jedoch sein Gedächtnis. Diesem Jungen hatte man den Namen Philip Maddox gegeben.
Nick Carter setzte alles daran, das Wirrwarr der Identitäten zu entwirren. Er versuchte unermüdlich, Philip Maddox – den er an jenem Morgen auf der Straße angetroffen hatte – dazu zu bringen, sich sowohl an seine Zeit als Anwalt John Carleton als auch an die Geschehnisse um den verletzten Jungen im Krankenhaus zu erinnern.
Als John Carleton hatte er geheiratet, eine Tochter gezeugt, die inzwischen siebzehn Jahre alt war, und seine Ehefrau verloren. Doch er erinnerte sich an nichts davon, bis seine Tochter aus Europa zurückkehrte. Durch die Zuwendung und Liebe seines Kindes kehrte sein Gedächtnis allmählich zurück. Schließlich spürte man auch eine Tante auf – eine Schwester seiner Mutter –, woraufhin sich nach und nach die Puzzleteile beider vergessener Lebensabschnitte zusammenfügten.
Er nahm schließlich seinen Geburtsnamen Carleton Deering wieder an, nahm seine Kanzleitätigkeit erneut auf und zog gemeinsam mit seiner Tante und seiner Tochter in ein neu erbautes Haus. Fast ein ganzes Jahr lang verlief alles ruhig und harmonisch – bis sich jene schreckliche Tragödie ereignete.
Bevor Nick Carter das Büro betrat, in dem der Tote in seinem Sessel saß, stellte er dem Angestellten Dalton ein paar kurze Fragen.
»Wann sind Sie hier eingetroffen, Dalton?«, fragte er.
»Punkt neun Uhr, Mr. Carter. Es waren wohl nur wenige Minuten vergangen, als ich Sie anrief.«
»Nein, es war exakt fünf nach neun, als Sie anriefen. Erzählen Sie mir, wie Sie ihn gefunden haben.«
»In dem Moment, als ich die Tür aufschloss, spürte ich, dass etwas nicht stimmte. Ich sah, dass in Mr. Deerings Privatbüro noch Licht brannte. Ich ging hinein und entdeckte die Leiche. Daraufhin rief ich Sie an, schloss ab und wartete hier draußen. Glücklicherweise ist noch kein anderer Mitarbeiter eingetroffen.«
»Bleiben Sie hier. Schicken Sie jeden weg, der kommt. Ich rufe Sie, sobald ich Sie brauche.«
Damit ging der Detektiv ins Büro, verriegelte die Tür hinter sich und begann mit den Ermittlungen.

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