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Lord Lister, genannt Raffles, der Meisterdieb – Band 7

Kurt Matull & Theo von Blankensee
Lord Lister, genannt Raffles, der Meisterdieb
Band 7
Der Spiel-Fürst von Monaco
Überarbeitete Fassung
1. Kapitel
Ein Opfer der Spielhöllen

»Es ist doch ein wunderbares Fleckchen Erde, dieses Monte-Carlo – mit Recht ein Paradies!«, sagte Charly Brand zu seinem Freund und Gebieter Lord Lister, der auch unter dem Namen John Raffles bekannt war.

»Der Blick auf das tiefblaue Meer unter diesem ewig strahlenden, blauen Himmel ist einfach verzaubernd.«

»Du hast recht, Charly. Es ist herrlich, hier auf der Terrasse des Café de Paris zu sitzen und unbesorgt seine Zigarette rauchen zu können.«

Bei diesen Worten blies Raffles einige der schönsten Rauchkringel in die Luft, die sich nach und nach im Raum verflüchtigten.

»Und doch gilt auch hier das Sprichwort: Man wandelt nicht ungestraft unter Palmen.«

»Ich wüsste nicht, welche Schattenseite unserem Aufenthalt hier anhaften sollte!«, erwiderte der Sekretär und sah seinen Meister fragend an.

»Unserem? Hm, uns meinte ich auch nicht! Aber denk doch einmal an all die Hunderte, die Tausende, die dem Spielteufel verfallen sind und keine Ruhe finden, bis sie völlig ruiniert sind! Der Gedanke an diese glücklosen Opfer ist doch wohl geeignet, einen Tropfen Wehmut in den Genuss dieser schönen Umgebung zu mischen.«

»Glaubst du tatsächlich, Edward, dass es so schlimm ist?«

»Leider ja!«

»Es vergeht kaum ein Tag, an dem man hier unter den Palmen nicht jemanden findet, der seinem zerrütteten Leben ein Ende gemacht hat.«

»Schrecklich!«

»Sie alle verlieren ihr Vermögen und ruhen nicht eher, bis sie auch noch ihren letzten Centime verspielt haben!«

»Das ist doch ihre eigene Schuld!«

»Ja, im Grunde schon! Und dennoch darf man sie nicht alle verurteilen. Das Spiel ist eine gewaltige Leidenschaft. Nur wenige können ihr widerstehen, wenn sie erst einmal Blut geleckt haben.«

»Dann fange ich lieber erst gar nicht damit an«, antwortete Brand mit einem scheuen Blick hinüber zum Casino, das, von Sonnengold übergossen, einen prächtigen Kontrast zum Azurblau des Himmels und dem Grün der Palmen bildete.

»Sieh nur, wie sie in die Spielsäle strömen – als könnten sie ihrem Unglück gar nicht schnell genug entgegenlaufen!«

»Ich habe so etwas schon immer verabscheut, Charly! Komm, lass uns ein Stück durch den Park spazieren!«

Raffles bezahlte den Kaffee. Danach stand das Duo auf und verließ die Terrasse mit ihrem Menschengewimmel.

Die Freunde wandelten zu stillen, zauberhaften Orten, und Charly wollte gerade wieder zu allerlei Bewunderungsrufen ansetzen, als die Hand des großen Unbekannten plötzlich schwer auf seinen Arm drückte.

Der Sekretär blickte seinen Freund erstaunt an. Raffles hatte seine Zigarette aus dem Mund fallen lassen.

Was war geschehen?

Charly sollte nicht lange im Ungewissen bleiben. Schon im nächsten Augenblick eilte Lord Lister auf eine Palmengruppe zu. Erstaunt sah Brand zu, was als Nächstes geschah.

Er sah, wie Raffles sein Taschenmesser hervorzog, es öffnete und flink wie eine Katze auf eine Palme kletterte. Im selben Moment sah Brand einen schwarzen Schatten durch die Luft gleiten.

War das ein menschlicher Körper gewesen? Raffles etwa? Nein! Dieser sprang soeben von der Palme herunter und beugte sich zum Boden.

Brand eilte zu der Stelle, an der er seinen Freund soeben hinter einer Gruppe von Aloen und Kakteen hatte verschwinden sehen. Was er dort erblickte, war keineswegs dazu geeignet, ihn zu beruhigen.

Raffles kniete neben dem ausgestreckten Körper eines jungen Mannes, der seinem Äußeren nach zu urteilen dem vornehmen Stand angehören musste. Sein langes, schmales Gesicht, die Form seines Mundes und sein hellblondes Haar wiesen ihn eindeutig als Engländer aus. Das junge Gesicht zeigte jedoch einige Falten, die auf schwere Sorgen hindeuteten.

Raffles war dabei, den jungen Mann, der noch lebte, ins Leben zurückzurufen. Er hatte ein Fläschchen hervorgeholt und rieb dem Fremden Stirn und Schläfen mit dem Inhalt ein. Danach bearbeitete er den Brustkorb des Unglücklichen.

»Lebt er noch?«, fragte Brand.

»Ich hoffe es! Sein Körper ist noch warm. Hilf mir, Charly! Hier, reibe seine Seiten! Das Herz muss wieder anfangen zu schlagen!«

Charly Brand war verblüfft. Doch er versuchte, sich so schnell wie möglich zu fangen, und kniete sich nieder, um unverzüglich Hilfe zu leisten.

»Ich hoffe, ihn am Leben erhalten zu können – der arme Kerl!«, meinte Lord Lister.

»Ist er etwa auch wieder ein Opfer von da drüben, Edward?«

»Natürlich! Und es wird nicht das letzte Opfer sein. Sieh mal! Seine Brust beginnt tatsächlich wieder, sich zu heben und zu senken! Massiere ihn kräftig, besonders in der Herzgegend – aber vorsichtig, nicht zu fest drücken!«

Charly tat, wie ihm geheißen, und arbeitete so eifrig, als wäre er sein Leben lang Masseur gewesen.

Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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