Inspektor Pinson – 03
Inspektor Pinson
Nach den Texten, die 1907 in der illustrierten Volks-Familienzeitschrift MON BONHEUR erschienen sind
Der Sohn des Kaisers entgeht dem Tod
Von Jacques Bellême
Der Zufall wollte es, dass Geheimdienstinspektor Pinson an diesem Tag über die Pont de la Concorde ging.
Es war an einem Donnerstagnachmittag. Während seine Aufmerksamkeit auf die Lastkähne gerichtet war, die von einem Schlepper flussaufwärts gezogen wurden, kamen die Schüler eines Internats an ihm vorbei. Sie wurden von einem Hilfslehrer beaufsichtigt, den diese Aufgabe nicht allzu sehr zu amüsieren schien. Die jungen Männer, alle um die zwanzig Jahre alt, trugen Ledergamaschen an den Beinen und hielten eine Reitgerte in der Hand. Sie kamen gerade von ihrer Reitstunde zurück.
Das wäre weiter nicht bemerkenswert gewesen, hätte nicht das Gespräch zweier junger Männer, die sich auf Deutsch unterhielten, plötzlich die Neugier des Polizisten geweckt, der diese Sprache sehr gut verstand.
»Ja«, sagte der eine, »mein Vater hat mir erst gestern geschrieben: Prinz Adalbert wird dieser Tage inkognito nach Paris kommen und mich im Internat besuchen.«
»Warum lässt er dich nicht in die Botschaft kommen?«, fragte der andere.
»Weil er sich selbst vor Ort ein Bild davon machen will, wie ein französisches Internat aussieht.«
Prinz Adalbert? Die Botschaft? Diese im Vorbeigehen aufgeschnappten Worte verfehlten nicht ihre Wirkung auf Pinson. Es handelte sich wahrscheinlich um Prinz Adalbert von Deutschland, einen der Söhne des Kaisers. Er reiste inkognito nach Paris, da diese Reise nicht in den Zeitungen angekündigt worden war. Und was die Botschaft anging, so war es sicherlich die deutsche.
Sieh mal einer an!, dachte Pinson bei sich. Das könnte noch interessant werden.
Er zündete sich seine ausgegangene Zigarette wieder an und folgte den jungen Männern, wobei er darauf achtete, in der Nähe der beiden Deutschen zu bleiben. So erfuhr er, dass sie Internatsschüler einer großen private Einrichtung waren – dem Pensionat Pascal in Neuilly, in dem nur Söhne reicher Familien aufgenommen wurden.
Der junge Mann, der gesprochen hatte, hieß von Eichtel und war der Sohn des deutschen Reichskanzlers. Dieser hatte ihn nach Paris geschickt, um seine Französischkenntnisse zu perfektionieren. Er hatte seine gesamte Schulzeit in Bonn absolviert, wo er ein Schulkamerad von Prinz Adalbert gewesen war. Deshalb würde dieser bei seiner Durchreise durch Paris zweifellos – wie Pinson erfahren hatte – seinen Jugendfreund besuchen, den Sohn eines Vertrauten seines Vaters.
Die Persönlichkeit des anderen Deutschen interessierte den Inspektor weniger. Es war ein gewisser Müller, der ihm ziemlich egal war.
Entlang der Avenue des Champs-Élysées und dann über die Avenue de la Grande-Armée gelangte man schließlich nach Neuilly, wo sich die Institution Pascal in der Rue du Château befand.
Als die Schüler hineingegangen waren, fragte sich Pinson, wie er überhaupt auf die Idee gekommen war, ihnen wegen eines im Vorbeigehen aufgeschnappten Gesprächsfetzens zu folgen. Schließlich konnte Prinz Adalbert doch inkognito nach Paris kommen, wenn es ihm beliebte, und einen Kameraden besuchen, wenn er Lust dazu hatte! Warum musste er, Pinson, sich in Dinge einmischen, die ihn nichts angingen? Es war wieder einmal dieser Polizeiinstinkt, der ihn dazu trieb, überall Schnüffeleien anzustellen, wo es gar nichts zu schnüffeln gab!
Und überhaupt, wie spät war es eigentlich? Um sechs Uhr musste er in der Präfektur sein. Na gut! Seine Uhr war stehen geblieben. Er versuchte, sie aufzuziehen und die Zeiger zu drehen. Vergebens. Seine Uhr funktionierte nicht mehr. Was tun? Pinson erblickte wenige Schritte entfernt einen Uhrmacher und betrat dessen Laden.
Ihm fiel jedoch auf, dass das Geschäft früher von einem Obsthändler geführt worden war, dessen Name und Schild noch in deutlichen Buchstaben auf der Markise und dem Giebel zu lesen waren.
Nur einige aufgemalte Buchstaben verkündeten:
Ankauf von Gold und Silber
Reparaturen aller Art
Ach was!, dachte Pinson. Der oder ein anderer! Ich muss doch meine Uhr reparieren lassen!
Daraufhin betrat er den Laden, in dem sich im Augenblick niemand befand.
Eine alte Glocke hatte zwar geläutet, doch niemand war auf ihr Rufen hin erschienen. Pinson musste mehrmals mit seinem Regenschirm auf den Boden stampfen und wiederholt rufen:
»Hallo? Ist hier jemand im Laden?«
Erst dann bequemte sich der Uhrmacher zu kommen.
Dieser war – daran gab es keinen Zweifel – ein Ausländer, seinem Akzent nach zu urteilen ein Deutscher oder Elsässer. Er war von hoher Gestalt, sehr mager und trug einen abgetragenen, grauen Anzug. Sein Stehkragen war schmutzig und seine leuchtend rote Krawatte ziemlich zerknittert.
Er hatte ein blasses Gesicht, das durch sein langes Haar und einen pechschwarzen Bart noch fahler wirkte. Man bemerkte auch zwei funkelnde Augen, die niemals zur Ruhe kamen – ganz wie die eines Wahnsinnigen.
»Nun, was gibt es? Was wollen Sie von mir?«, fragte er ungeduldig.
Der Inspektor konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass er es hier mit einem recht ungewöhnlichen Geschäftsmann zu tun hatte, dem nicht allzu viel an Kundschaft gelegen war.
»Nun ja«, sagte er, »ich bringe Ihnen eine Uhr zur Reparatur. Sie ist heute Nachmittag um drei Uhr stehen geblieben. Und egal, wie sehr ich sie aufziehe oder an den Zeigern drehe, sie will einfach nicht mehr laufen.«
Der Uhrmacher untersuchte sie aufmerksam. Doch während er sie in den Händen hielt, bemerkte Pinson, dass dem Mann der kleine Finger an der rechten Hand fehlte.
»Nein, mein Herr, es ist unmöglich, diese Uhr zu reparieren. Sie ist in einem zu schlechten Zustand.«
»Wie bitte? Und da haben Sie die Stirn, an Ihrer Schaufensterfront zu schreiben: Reparaturen aller Art? Jeder beliebige Uhrmacher würde sie mir reparieren. Sie ist schließlich gar nicht in so schlechtem Zustand…«
»Ich sage Ihnen, dass ich sie nicht reparieren will!«, entgegnete der Uhrmacher. »Jetzt reicht es aber, nicht wahr? Nehmen Sie Ihre Uhr zurück und gehen Sie!«
Pinson verließ den Laden, prägte sich jedoch sorgfältig den Namen des Eigentümers ein: Albert Schmidt.
Niemals im Leben würde er diesem seltsamen Kauz eine Uhr zur Reparatur anvertrauen.
Schmidt? Das war allerdings ein sehr deutscher Name. Der Akzent des Mannes verriet ihn ohnehin.
Pinson befragte diskret einige Nachbarn und erfuhr, dass der Uhrmacher erst seit etwa einer Woche dort war.
Merkwürdig!, dachte der Kriminalinspektor.
Er erfuhr außerdem, dass alle Leute, die Gegenstände zur Reparatur brachten, unter mehr oder weniger faulen Ausreden abgewiesen wurden.
»Aber wenn dieser gute Mann gar keine Kunden sucht«, murmelte Pinson vor sich hin, »wovon lebt er dann eigentlich? Jedenfalls nicht von seiner Arbeit! Ah! Ich frage mich, was dieser Möchtegern-Uhrmacher hier in Neuilly, in der Rue du Château, überhaupt zu suchen hat. Das wird immer merkwürdiger! Er heckt bestimmt etwas Böses aus. Könnte es sich um einen Einbruch in der Gegend handeln?«
Ohne genau zu wissen warum, glaubte Pinson einen Zusammenhang zu erkennen zwischen dem Gespräch der beiden jungen Deutschen, der Ankunft von Prinz Adalbert und dem Laden des Uhrmachers Schmidt, den dieser erst vor wenigen Tagen gemietet hatte.
Der Inspektor, den das alles neugierig gemacht hatte, kehrte am folgenden Tag nach Neuilly zurück. Er setzte sich auf die Terrasse eines Cafés, das fast gegenüber dem Uhrmacherladen lag, und konnte sich davon überzeugen, dass dieser tatsächlich keine Kundschaft hatte.
Das wird ja immer mysteriöser. Wir haben hier einen Uhrmacher, der gewiss keiner ist, da man ihm Arbeit bringt, die er weder annehmen will noch kann. Er ist Deutscher. Er hat sich in unmittelbarer Nähe des Pensionats Pascal niedergelassen, wo Prinz Adalbert demnächst eintreffen soll, um den jungen von Eichtel zu besuchen. Und er hat erst vor einer Woche einen leeren Laden gemietet, der kaum zu seinem Gewerbe passt. Das alles erscheint mir sehr verdächtig.
Während Pinson diesen Gedanken nachging, kamen die beiden jungen Deutschen vom Vortag aus dem Institut, um ein paar Besorgungen zu machen.
Der Inspektor bezahlte sein Getränk und folgte ihnen.
Einer von ihnen, von Eichtel, hielt eine deutsche Zeitung in den Händen und las seinem Freund einige Zeilen vor.
»Müller«, sagte er zu ihm, »Prinz Adalbert wird morgen oder spätestens übermorgen in Paris sein. So steht es in den Zeitungen. Und da er nur sehr kurze Zeit bleiben kann, erwarte ich seinen Besuch jeden Moment.«
»Meinst du«, sagte Müller, »dass der Prinz Opfer einer anarchistischen Verschwörung werden könnte?«
»Warum glaubst du das? Er hat niemandem etwas zuleide getan. Wer sollte ihm etwas Böses wollen?«
»Nun, wer weiß? Er ist der Sohn des deutschen Kaisers, des Kaisers, auf den so viele wütend sind … Man könnte sich am Vater rächen, indem man den Sohn ermordet. Du weißt doch, dass es bei politischen Attentaten immer unschuldige Opfer gibt! Und hat man nicht schon einmal versucht, den Prinzen zu ermorden, als er für einige Tage auf dem Anwesen deines Vaters zu Besuch war?«
»Pst! Du weißt, dass die Sache vertuscht wurde und der Kaiser nicht will, dass man ein Wort darüber verliert.«
»Was nichts daran ändert, dass es wahr ist. Aber sag mal, hat man eigentlich je erfahren, was aus dem Verbrecher geworden ist?«
»Niemals. Nachdem der Elende seine Bombe geworfen hatte, die ihr Ziel verfehlte und in einen nahe gelegenen Fluss fiel, gab er auf der Flucht noch einige Schüsse aus seinem Revolver ab, die den Prinzen jedoch nicht trafen. Dieser war glücklicherweise bewaffnet und erwiderte das Feuer. Er tötete ihn zwar nicht, aber eine seiner Kugeln trennte dem Attentäter glatt den kleinen Finger der rechten Hand ab. Der Mann ließ schreiend vor Schmerz seine Waffe fallen. Später fand man auf dem Rasen den Revolver und den blutigen Finger.«
Für Pinson waren diese letzten Worte eine wahre Offenbarung: Hatte er nicht am Vortag bemerkt, dass dem Uhrmacher Schmidt der kleine Finger an der rechten Hand fehlte? War das etwa derselbe Mann, von dem die beiden jungen Leute sprachen? Oder handelte es sich nur um einen bloßen Zufall?
Die Sache war es wert, aufgeklärt zu werden.
Der Inspektor trat an die beiden Deutschen heran und entschuldigte sich für die Dreistigkeit, sie anzusprechen. Er habe ihr Gespräch zufällig mitangehört und hielt es für äußerst wichtig, einige zusätzliche Details über das Attentat zu erfahren, von dem sie gerade gesprochen hatten.
Er nannte ihnen sogleich seinen Namen, um sie über den Zweck seiner Anfrage zu beruhigen. Zunächst sehr überrascht, fassten die jungen Männer bald Vertrauen.
»Wir wissen nicht mehr als das, was Sie gehört haben«, sagten sie. »Dem Attentäter gelang nach dem Zwischenfall die Flucht, und der deutschen Polizei ist es nie gelungen, seine Identität festzustellen. Prinz Adalbert war zum Zeitpunkt des Anschlags allein, und die einzigen Angaben, die er machen konnte, waren folgende: Der Mörder war von hoher Gestalt, sehr mager und äußerst blass – was sich durch die Aufregung über das bevorstehende Verbrechen erklären ließ. Er war etwa dreißig Jahre alt. Der Prinz hatte außerdem bemerkt, dass er einen Vollbart trug und dieser wie auch sein sehr langes Haar pechschwarz war.«
Das ist ganz klar mein Uhrmacher, dachte der Polizist. Die Personenbeschreibung stimmt exakt überein – bis hin zum fehlenden kleinen Finger der rechten Hand. Kein Zweifel mehr! Schmidt plant einen weiteren Anschlag auf Prinz Adalbert, den er beim ersten Mal verfehlt hat. Deshalb hat er sich so nahe beim Institut niedergelassen. Er muss von der Reise des Prinzen nach Paris und seinem Besuch bei dem jungen von Eichtel erfahren haben. Und da beschloss er, den Sohn des Kaisers zu ermorden.
»Wir haben keine Minute zu verlieren«, sagte er zu den beiden Deutschen. »Wann, glauben Sie, wird der Prinz in Paris eintreffen?«
»Sehr wahrscheinlich schon heute Abend.«
»Gut.«
»Vielleicht ist er sogar schon in Paris«, fügte Müller hinzu. »Wir wissen es nicht, da diese Reise geheim gehalten wird. Nur eine einzige deutsche Zeitung erwähnt sie kurz – genau die, die wir vorhin zusammen gelesen haben.«
Pinson und die beiden jungen Männer befanden sich in diesem Moment ganz in der Nähe des Uhrmacherladens. Sie sahen, wie dieser herauskam, und der Inspektor sagte mit leiser Stimme zu ihnen: »Sehen Sie diesen Mann dort drüben? Das ist genau der, der schon einmal einen Anschlag auf das Leben des Kaisersohns verübt hat – und er will es wieder tun! Wir müssen ihn daran hindern. Mich kennt er, weil er mich gestern in seinem Laden gesehen hat, als ich meine Uhr zur Reparatur bringen wollte. Sie hingegen hat er noch nie gesehen. Sie werden sich an seine Fersen heften und beobachten, was er tut und wohin er geht. Anschließend treffen wir uns in diesem kleinen Café hier wieder. Los jetzt, und achten Sie auf jedes noch so kleine Detail! Es geht um das Leben des Sohnes Ihres Kaisers. Glauben Sie mir!«
Pinson wartete ungeduldig auf die Rückkehr der beiden Deutschen, als er sie plötzlich wie der Wind in das Café stürmen sah. Sie waren dem Uhrmacher gefolgt, der jedoch umgekehrt war, nachdem er einen Postboten getroffen hatte. Er war in seinen Laden zurückgekehrt, wo ihm der Bote ein Telegramm überreichte.
»Eine Eildepesche oder ein normales Telegramm?«, fragte Pinson besorgt.
»Nein, ein Telegramm, da bin ich mir ganz sicher«, antwortete von Eichtel. »Ich habe es genau beobachtet. Der Uhrmacher hat das Schreiben fieberhaft geöffnet, und wir konnten sehen, wie ein böses Lächeln über sein Gesicht huschte. Er ging in sein Hinterzimmer, kam mit einem kleinen Paket wieder heraus auf die Straße, schloss seinen Laden ab, indem er den Gasschlüssel abzog, und begab sich auf ein Brachland direkt neben unserem Pensionat. Dort müsste er im Augenblick noch sein. Wir sind sofort hergeeilt, um Sie zu warnen.«
»Warten Sie hier auf mich«, sagte Pinson zu ihnen. »Ich bin gleich zurück.«
Der Inspektor begab sich umgehend zum Postamt. Nachdem er dem Postvorsteher seinen Namen und seine Dienststellung genannt hatte, durfte er Einsicht in den Text der Depesche nehmen, die dem Uhrmacher Schmidt kurz zuvor zugestellt worden war:
A. kommt gegen drei Uhr.
Es war genau zwei Uhr. Was war zu tun? Zur Botschaft eilen, um den Prinzen zu warnen? Darauf war nicht zu denken, die Zeit reichte keinesfalls. Und womöglich war der Prinz gar nicht dort. Schmidt als Verdächtigen festnehmen lassen? Dazu hätte er dem Kommissar alles erklären müssen und somit kostbare Zeit verloren. Nein, das Beste war es, die beiden Deutschen an einem Ende der Rue du Château Posten beziehen zu lassen; er selbst, Pinson, würde sich am anderen Ende aufhalten, da man nicht wusste, aus welcher Richtung der Prinz ankommen würde. So konnte man ihn rechtzeitig warnen und das Attentat verhindern.
Was den Inspektor jedoch am meisten beunruhigte, war die Tatsache, dass er auf dem Brachgelände, das ihm die jungen Männer beschrieben hatten, keine Spur von dem Uhrmacher gefunden hatte. Wo war er abgeblieben? Er versteckte sich irgendwo ganz in der Nähe, schließlich hatte er es gezielt auf dieses an das Institut Pascal angrenzende Grundstück abgesehen.
Zurück im Café, wo seine beiden Begleiter auf ihn warteten, berichtete Pinson ihnen von seinen Erkenntnissen im Postamt und legte seinen Plan dar.
Wie vereinbart bezogen Müller und von Eichtel am einen Ende der Rue du Château Stellung, während Pinson nahe der Querstraße Posten bezog, die eine direkte Verlängerung der Avenue de la Grande-Armée aus Richtung Paris bildete.
Er stand somit noch vor dem Brachfeld, auf dem er Schmidt vermutete. Da er davon ausging, dass der Prinz von der Botschaft kommend eine Hauptstraße bevorzugen würde, hoffte Pinson, ihn rechtzeitig abfangen und eine Katastrophe verhindern zu können.
Doch wie würde er anreisen?
Zu Fuß? Das war unwahrscheinlich, da er nur sehr wenig Zeit in Paris hatte.
Mit dem Automobil? Vielleicht.
Der Inspektor war noch in seine Überlegungen vertieft, als eine zweirädrige Kutsche, bespannt mit einem prächtigen fuchsroten Wallach, um die Ecke der Rue du Château bog, wo Pinson wartete.
Das Pferd war im vollen Tempo unterwegs, doch der Inspektor erkannte in einer der beiden Personen im Wagen – nämlich dem Lenker – sofort Prinz Adalbert wieder, dessen Porträt er in der deutschen Zeitung bei von Eichtel gesehen hatte.
Nur seinem Mut folgend, sprang Pinson an den Kopf des Tieres und griff nach den Zügeln. Das erschrockene Pferd bäumte sich augenblicklich auf.
»Halten Sie an! Halten Sie an!«, schrie der Polizist, den das Pferd nun über eine weite Strecke über den Boden mittrug.
Verstand der Prinz ihn oder nicht? Hörte er den Rat dieses Fremden?
Man muss annehmen, dass nicht – denn wohl in dem Glauben, man trachte ihm nach dem Leben, versetzte er Pinson einen kräftigen Hieb mit der Peitsche ins Gesicht und trieb sein Tier mit einem weiteren Schlag an.
Das rettete dem Inspektor das Leben. Vor Schmerz ließ er die Zügel los und rollte in den Staub, während das Pferd im Galopp davonstob. Es machte einen gewaltigen Satz und passierte das Brachland, von dem aus im selben Augenblick ein Geschoss von sicherer Hand geschleudert wurde.
Man hörte eine gewaltige Explosion, die sämtliche Fensterscheiben in der Umgebung zertrümmerte, gefolgt von einem Schrei aus Wut und Schmerz. Die Kutsche jagte davon, und ihre Insassen blieben wohlbehalten und unversehrt.
Pinson eilte herbei und war in wenigen Sekunden am Tatort.
Eine Bombe war nur wenige Meter neben dem vorbeifahrenden Buggy detoniert.
In seiner Eile, das Werk zu begutachten, war der Mörder rennend aus seinem Versteck gerannt, und die explodierende Bombe hatte ihn auf der Stelle getötet.
Es war tatsächlich der Uhrmacher Schmidt.
Die beiden Deutschen schlossen zu Inspektor Pinson auf, der noch völlig erschüttert von den raschen Ereignissen war.
Prinz Adalbert, der von einem Attaché der Botschaft begleitet wurde, war ebenfalls umgekehrt und besichtigte den Tatort.
Müller und von Eichtel erklärten ihm, was geschehen war: die Vermutungen des Kriminalinspektors Pinson – den sie ihm vorstellten –, seine Entdeckung bezüglich des Uhrmachers Schmidt, den Zusammenhang zwischen dem ersten Attentat auf dem Anwesen des Ministers von Eichtel und diesem zweiten, vorausgeplanten Anschlag sowie schließlich die wundersame Rettung des Prinzen dank Pinson.
Unnötig zu erwähnen, wie warmherzig sich Prinz Adalbert und seine Freunde bei dem Inspektor bedankten.
Am folgenden Tag erhielt Pinson ein Foto des Kaisersohns mit ein paar Zeilen, in denen dieser ihm für die Rettung seines Lebens dankte, sowie eine Urkunde, die ihm das Großkreuz des Preußischen Adlerordens verlieh.
Ende
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