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Sagen der mittleren Werra 104

Von der Hexe zu Möhra

In Möhra lebte vor noch nicht allzu langer Zeit eine Hexe, die in dem ganzen Dorf gefürchtet war, und der kein Mensch bei Leib und Leben auf eine ihrer Fragen mit Ja oder Nein geantwortet hätte; denn viele hatten deutlich gesehen, wie Hans oft des Nachts als ein mit einem Feuerschein umgebener schwarzer Klumpen durch den Schornstein zu ihr spill (d. h. auf Besuch) gegangen war.

Einmal hatte es jedoch eine junge Bauerntochter versehen, der Gefürchteten gerade mit Ja geantwortet und sich damit in die Gewalt der Hexe gegeben. Da merkte das Mädchen bald, was sie getan hatte, denn sie wurde von Stund an so krank, dass sie das Bett nicht mehr verlassen konnte. Dazu kam noch, dass sie während ihrer Krankheit jedes Mal in der dritten Nacht einen barbarischen Hasen zum Spillgast bekam, der sich zu ihr auf das Bett setzte und sie gar gewaltig ängstigte.

Als sie nun dieses ihrem Vater klagte und dieser öffentlich auf die Hexe loszog, wurde ihm noch dazu sein ganzes Vieh im Stall aufstößig, sodass es kein Futter mehr zu sich nehmen konnte.

Ja, bei dem nächsten nächtlichen Besuch fing der Hase sogar zu reden an und sprach: »Ja, ja, mein Liebchen, das wird wohl noch eine Weile so dauern.«

Wie nun am anderen Morgen das Mädchen den Vorfall ihrem Vater mitteilte, lief bei dem das Töpfchen über. Er machte sich schnell auf den Weg nach Marksuhl, holte den weisen Mann, und der half.

Nachdem der das Haus und den Stall gehörig ausgeräuchert hatte, machte er alle Türschwellen fest, sodass die Hexe keinen Zugang mehr vorfand. Und so lief die Geschichte noch gut ab. Denn am anderen Morgen schon konnte das Mädchen ohne Beschwerde das Bett wieder verlassen und ihre gewohnte Arbeit verrichten.

Möhra im Dreißigjährigen Krieg

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges soll die Pest in Möhra und der Umgegend so arg gehaust haben, dass der Ort, der vor dem Krieg weit größer gewesen als heute, fast ganz verwaist war und die Felder nicht bebaut werden konnten. Damals kam auch ein Haufen fremden Kriegsvolks ins Dorf, der konnte hier nicht einmal einen Boten zum nahen Werratal auftreiben. Nach langem Suchen fanden sie endlich in der Nähe einen jungen Menschen auf der Wiese beschäftigt, den zwangen sie, ihnen den Weg an die Werra zu zeigen. Der Bursche gedachte bald zurückzukehren und hing seine Sense einstweilen an den ersten besten Weidenbaum am Weg, als er mit dem Kriegsvolk von dannen zog. Das aber steckte ihn unter das Regiment und nahm ihn mit weit hinaus ins Reich. Nach sieben Jahren erst gelang es ihm auszureißen, und als er in die Nähe seiner Heimat kam und den Platz sah, wo er dem Haufen in die Hände gefallen war, gedachte er auch seiner Sense und siehe, die hing noch an demselben Ast, an dem er sie vor 7 Jahren aufgehängt hatte.

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