Der Märkische Eulenspiegel 29
Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe
Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin
Wie Clauert früher schon einen anderen an seiner Stelle gefangen setzte
Auf dieselbe Weise hatte es Clauert zuvor auch zu Trebbin getrieben. Als er nämlich einmal wegen einiger Verbrechen neben einem Weib, die Reiderin genannt, zu Trebbin in Fesseln gelegt worden war und beide nun im Rathaus gefangen waren, kam der Stadtdiener des Abends zu ihnen, brachte Holz und Kohlen und machte ihnen ein Feuer, damit sie sich wärmen könnten. Eine solche Wohltat gedachte Clauert zu vergelten; er gab Geld her und ließ den Stadtdiener sogleich Bier holen. Clauert stellte sich, als ob er selbst am eifrigsten tränke, nahm jedoch kaum das Bier in den Mund und richtete seine Absicht dahin, dass der Stadtdiener betrunken werden sollte und er selbst nüchtern bliebe.
Als nun der Stadtdiener von dem Rausch überfallen wurde, legte er sich neben Clauert nieder und schlief ganz fest ein. Clauert nun hatte Achtung darauf gegeben, wo der Stadtdiener die Schlüssel zu den Fesseln gelassen hatte, und wusste daher dieselben leicht zu finden. So machte er sich los von seinen Banden und schloss den Stadtdiener zu dem Weib hinein. Dann ließ er sie beide liegen und schlafen, nahm die Schlüssel mit sich und ging nach Hause. Er kam nicht eher wieder, bis der Tag anbrechen wollte.
Da er sie beide noch schlafend fand, weckte er den Stadtdiener auf und sagte zu ihm: »Steh auf, du sollst eilig zum Bürgermeister kommen!«
Der Stadtdiener wollte eilends davonlaufen; aber als er sich aufmachte, schleppte er das Weib mit sich fort.
Da fing diese an zu schreien: »Ach Clauert! Clauert! Bleibt stehen oder ihr werdet mir den Schenkel ausreißen!«
Clauert antwortete: »Welcher Teufel tut dir denn etwas? Ich stehe ja hier ganz ruhig.«
Da begann der Stadtdiener erst zu bemerken, dass er gefangen war; er bat deshalb, Clauert möge ihm diesen Spott doch ja nicht widerfahren lassen, sondern sich selbst wieder einschließen.
Clauert aber antwortete ihm: »Da wäre ich ja närrischer als alle Narren, wenn ich dies täte. Nein, mein Freund, gedulde dich nur eine Weile und versuche es auch einmal, was es für eine schöne Kurzweil ist, wenn man gefangen liegt.«
Hierauf ging Clauert hin zum Bürgermeister, brachte ihm die Schlüssel und erzählte ihm, wie er aus dem Gefängnis wäre befreit worden. Dafür musste der Stadtdiener zur Warnung drei Tage lang in den Fesseln Gehorsam leisten.
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