Eine Reise ins Jahr 2000 – Kapitel 18
William Wallace Cook
Eine Reise ins Jahr 2000
Kapitel 18
Das Geheimnis der Truhe
Noch bevor die Sonne ganz aufgegangen war, suchte Tiburos seinen Freund Tibilus auf, um ihm seine Glückwünsche auszusprechen. Staatsgeschäfte hatten Tiburos bis zum späten Vorabend in Anspruch genommen, und diese frühe Morgenstunde war die erste Gelegenheit, die er für ein ruhiges Gespräch mit seinem Freund gefunden hatte.
»Sei gegrüßt, Freund Tibilus«, sagte Tiburos, als er das Zimmer betrat, in dem Tibilus ruhte, und herzlich seine Hand ergriff.
»Sei gegrüßt, Tiburos«, erwiderte lächelnd der neue Head Center. »Ich habe schon darauf gewartet, dass du kommst und mir sagst, was du von dem Kampf hältst.«
»Ich hatte bis jetzt keine freie Minute. In der Stadt ging es drunter und drüber, wie du sicher weißt. Der Große Lumley gibt jedem reichlich zu tun.«
»Sich wegen Lumley Sorgen zu machen, ist Zeitverschwendung. Der silberne Muglug wird sich um ihn kümmern.«
Tiburos zog ominös die Brauen zusammen.
»Ich fürchte, Tibilus, du hast einen schwerwiegenden Fehler begangen, als du Lumley den Muglug geschenkt hast.«
»Unsinn!«, protestierte Tibilus. »Nummer Eins wird ihn beschützen und auf ihn aufpassen.«
»Wenn der derzeitige Head Center das wäre, was er sein sollte, ja; aber du musst doch gehört haben, wie die Muglugs überall in der Stadt verrücktspielen. Stell dir vor, mit Lumleys Muglug liefe etwas schief! Ich schaudere bei dem Gedanken, was passieren könnte, Tibilus.«
Tibilus lachte.
»Hältst du mich tatsächlich für so unbesorgt um Lumleys Sicherheit?«, fragte er. »Seit dem Moment, als ich Lumley diesen strammen Automaten gab, habe ich ihn selbst in Bewegung gehalten! Sogar in diesem Augenblick halte ich ihn stabil und lenke ihn nach Lumleys geringstem Wunsch.«
»Gut!«, rief Tiburos zustimmend. »Aber sag mir, hast du eine Ahnung, wo Lumley jetzt ist?«
»Nicht die geringste. Wo auch immer er ist, kann ich dir jedoch versprechen, dass er nicht in Gefahr ist.«
»Was hat ihn dazu bewirkt, das Peristylum so überstürzt zu verlassen?«
Tibilus hatte dazu seine eigenen Vorstellungen, aber die verriet er seinem Freund nicht.
»Genie ist exzentrisch, Tiburos. Man weiß nie, wie es einen Menschen beeinflusst oder wozu es ihn treibt. Wenn ich nur könnte …«
In genau diesem Moment platzte der silberne Muglug unangemeldet bei ihnen herein, die eiserne Truhe unter dem einen Arm und den fest schlafenden Lumley unter dem anderen. Das Erstaunen der beiden Freunde war mit Worten nicht zu beschreiben.
Man hatte Tiburos erzählt, dass die Truhe mit den von Lumley so sehr begehrten Papieren an Bord des geplünderten Fliegers gewesen sei. Die Frage, die sich Tiburos und Tibilus sofort stellte, war: Wie hatte Lumley es geschafft, sie in seinen Besitz zu bringen?
Obwohl sie vor Neugier brannten, weckten sie den Schlafenden nicht, sondern übergaben ihn dem automatischen Kammerdiener, damit dieser ihn ins Bett brachte. Lumleys zweite Flucht aus dem Peristylum, noch melodramatischer als die erste, hatte für endlosen Gesprächsstoff gesorgt und dem Nachrichtenbüro anstrengende Arbeit beschert.
Ihn nun von seinem Muglug zurückbringen zu lassen, zusammen mit der Truhe, grenzte an ein Weltwunder.
»Lumley ist ein Genie«, kommentierte Tibilus. »Der einzige Schandfleck für das Jahr Neunzehnhundert ist in meinen Augen die Tatsache, dass die Menschen jener Tage ihn nicht nach seinem wahren Wert zu schätzen wussten.«
»Sie waren damals eben sehr primitiv«, sagte Tiburos.
»Mag sein; und doch, wenn in einem Mann etwas steckte, holten sie es aus ihm heraus.«
»Wenn ich mit dir streiten wollte, Tibilus, könnte ich auf die Behandlung von Lumley verweisen.«
»Wie ich schon sagte: Er ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt.«
»Man stelle sich vor: Vernünftige, fortschrittliche Menschen, die seine Theorien über das unterbewusste Ego weder verstehen noch würdigen konnten!«
»Man stelle sich den Missbrauch vor, den spätere Generationen mit denselben Theorien getrieben haben!«
»Ich stimme dir nicht zu, dass es einen Missbrauch gegeben hat.«
»Du hältst es also für richtig, Millionen von Facharbeitern durch perfektionierte Muglugs zu ersetzen?«
»War es richtig, die drahtlose Telegrafie durch Gedankenübertragung zu ersetzen, Autocars durch Flugmaschinen, unabhängige Konkurrenten durch Trusts? Ach was, Tibilus. Du hast vor Kurzem die Größe deines Geistes bewiesen – warum kannst du diese Dinge nicht im richtigen Licht sehen?«
»Es ist die Größe meines Geistes, wie du es freundlicherweise nennst, die es mir ermöglicht, diese Dinge furchtlos zu sehen. Der Mensch ist alles, Tiburos. Bei jeder Erfindung, bei jedem neuen Gerät muss die Menschheit im Mittelpunkt stehen. Wenn schöpferisches Genie den Lebensstandard von neun Zehnteln der Rasse senkt, wenn Gier und Geldmacht sich verschwören, um so eine Entwicklung bis zum Äußersten zu treiben, dann nimm dich vor einer Katastrophe in Acht.«
Tiburos schüttelte weise und ahnungsvoll den Kopf.
»Ich habe große Befürchtungen bezüglich dessen, was du als Head Center tun wirst«, sagte er.
Tibilus lachte, aber es war kein fröhliches Lachen. Es hallte angriffslustig durch den Raum.
»Ich trete mein Amt heute Nachmittag um zwei Uhr an«, erwiderte er. »Um halb zwei, alter Freund, oder spätestens um viertel vor zwei, zerlege jeden Muglug in deinem Haushalt. Nimm sie auseinander; getrennt sind sie harmlos, aber in Kombination sind sie zu vielem Bösen fähig.«
Die Äußerung war orakelhaft, und doch brachte sie Tiburos auf die Beine.
»Du meinst …«, rief er.
»Ich meine, dass wir manchmal nur durch das Böse in der Lage sind, viel Gutes zu bewirken.«
»Welche verrückten Pläne schmiedest du?«, verlangte Tiburos zu wissen.
Bevor Tibilus antworten konnte, betrat ein Muglug den Raum. Auf den ersten Blick sah Tibilus, dass er nicht zu seinem Haushalt gehörte.
In der Hand trug der Muglug eine Karte, die er dem neuen Head Center überreichte. Dieser nahm die Karte und las: »Muglug Dreitausendsechshundertfünf reagiert nicht ordnungsgemäß. Durch den Überbringer ersetzen, bis er wieder instand gesetzt ist.«
»Sehr gut«, sagte Tibilus. »Mir war an Dreitausendsechshundertfünf nichts Ungewöhnliches aufgefallen, aber zweifellos weiß der Head Center, was er tut. Deine Nummer ist – mal sehen – Sechshundertachtzehn. Beziehe deinen Posten im Flur, Sechshundertachtzehn.«
Nummer Sechshundertachtzehn stapfte davon, und Tibilus gab den Befehl, dass Nummer Dreitausendsechshundertfünf sich unverzüglich in die Werkstätten begeben solle.
Inzwischen hatte sich eine gewisse Zurückhaltung, fast ein Misstrauen, in Tiburos’ Verhalten gegenüber seinem Freund eingeschlichen. Er dehnte sein Gespräch mit Tibilus nicht weiter aus, sondern machte sich auf den Weg zum Dach, wo er seinen Flieger gelassen hatte.
»Gib das Lumley, wenn er aufwacht«, bat Tiburos und reichte Tibilus Lumleys Uhr. »Sie wurde mir zur sicheren Verwahrung übergeben.«
»Ich werde dafür sorgen, dass er sie bekommt«, antwortete Tibilus ernst. »Es tut mir in der Tat leid, dass ich das Geschenk, das ich dir vor zehn Jahren gemacht habe, zurücknehmen muss. Aber ich wusste damals nicht, dass diese Uhr nicht mein Eigentum war, um sie zu verschenken.«
Tiburos verbeugte sich leicht. Als er auf dem Dach und bereit zum Abflug war, bemerkte er: »Ich werde meine Muglugs nicht zerlegen, Tibilus. Wenn etwas schiefgeht, wirst du daran denken müssen, dass dein lebenslanger Freund durch deine Torheit gelitten hat.«
»Schön«, antwortete Tibilus, sehr bleich, aber nicht weniger entschlossen.
Es gab keinen Abschiedsgruß, und als Tibilus in den Nachrichtenraum zurückkehrte, war ihm klar, dass er seinen ersten Freund für das opferte, was er für seine Pflicht hielt.
Eine Zeit lang irrte Tibilus launisch im Haus umher, die Hände hinter dem Rücken verschränkt und den Kopf in tiefem Nachdenken gesenkt.
»Ich darf nicht blutrünstig sein«, murmelte er schließlich, als er sich wieder im Nachrichtenraum befand. »Tiburos ist der eine Plutokrat, der die anderen rettet. Dennoch« – hier ballte er die Faust und schlug sie auf einen Tisch – »wird das Werk vollbracht werden! Der Verlust wird in die Milliarden gehen, aber die Menschen sollen die abscheuliche Macht zum Bösen erkennen, mit der diese Muglugs ausgestattet sind. Ich werde sie davon überzeugen! Sie sollen begreifen, dass ein denkender Arbeiter nicht mit diesen gefühllosen Dingen zu vergleichen ist, die kein eigenes Wollen haben, keinen Willen außer dem, den sie vom Head Center beziehen. Wir werden sehen, wir werden sehen. Jedenfalls sind die Würfel gefallen. Ich habe meine Hand an den Pflug gelegt und werde nicht umkehren.«
Zur Ablenkung für seinen schweren Geist drückte er den Nachrichtensender und bat um etwas Inländisches.
Eine oder mehrere gesetzlose Personen sind letzte Nacht über die Statue von Lumley dem Großen hergefallen und haben sie enthauptet.
Es gibt absolut keinen Hinweis auf die Täter dieses diabolischen Werkes. Was die Sache noch schlimmer macht: Der Kopf wurde weggeschleppt, sodass es unmöglich sein wird, die Statue durch eine andere zu ersetzen, die nach dem wahren Ebenbild des Philosophen geschnitzt ist.
Die Kommissare der Lustgärten haben angeordnet, die kopflose Statue zu entfernen. Eine Belohnung von zehntausend Dollar wurde für die Ergreifung der Vandalen ausgesetzt.
Tibilus schaltete den Sender aus.
So, dachte er bitter, selbst in unserem Zeitalter gibt es jene, die den großen Lumley nicht zu schätzen wissen. Die Zeiten sind reif für eine Veränderung – nie so reif wie jetzt.
Er wollte gerade im Zimmer auf und ab gehen, als er plötzlich entdeckte, dass Lumley selbst den Raum betreten hatte.
»Hast du die Durchsage gehört, Lumley?«, fragte Tibilus.
»Ach, was soll’s mit der Durchsage!«, rief Lumley aus. »Wenn mein Ruhm nicht in den Köpfen und Herzen meiner Landsleute verankert ist, werden ihn auch eine Million Statuen nicht verewigen. Aber sag mir, Tibilus, hast du schon in die Truhe geschaut?«
»Ich habe auf dich gewartet, mein Freund, bevor ich sie öffne.«
»Das war rücksichtsvoll. Wie bin ich hierhergekommen?«
»Der Muglug hat dich getragen.«
»Ich erinnere mich, dass ich etwas erschöpft war und er mich aufgehoben hat. Ich bin wohl eingeschlafen und wurde nicht einmal wach, als man mich ins Bett brachte.«
»Ich hielt es für das Beste, dich nicht zu stören. Wo hast du die Truhe sichergestellt?«
Lumley erklärte es ihm.
»Dann müssen wir Beamte zum Schlupfwinkel der Räuber schicken«, sagte Tibilus und steuerte auf den Sender zu, kaum dass die Erklärung gegeben war.
»Bitte nicht«, warf Lumley ein. »Mein Feind Kinch ist im Haus von Doktor Kelpie. Es herrscht Waffenstillstand zwischen uns, bis ich meine Unschuld durch die Papiere in dieser Truhe beweisen kann. Wenn Beamte wegen des Diebesguts geschickt würden, könnten sie den Detektiv entdecken, und ich bin ehrenhalber verpflichtet, ihn nicht festnehmen zu lassen.«
»In Ordnung«, sagte Tibilus, »das kann warten. Jetzt lass uns die Truhe öffnen und die Papiere ansehen.«
Die Truhe war nicht mit Schloss und Riegel gesichert, sondern durch eine Kombination. Die Kombination war auf Zahlen eingestellt, mit denen Tibilus vertraut war; er drehte den Knopf und warf den Deckel zurück.
Die Truhe war nicht groß, aber sie war gefüllt mit sperrigen Umschlägen, die mit der Zeit vergilbt waren. Tibilus wusste genau, welchen er wollte, griff hinein und holte ihn heraus.
»Hier haben wir es«, sagte er. »Dieser Umschlag trägt die Aufschrift: Ein Geständnis, das erst nach meinem Ableben gelesen und dann veröffentlicht werden soll, damit der Name eines ehrlichen Mannes von Schande reingewaschen wird.«
»Wann wurde das Geständnis abgelegt?«, fragte Lumley.
»Es trägt das Datum von Neunzehnhundert«, antwortete Tibilus, während er ein gefaltetes Blatt aus dem Umschlag nahm und es vorsichtig öffnete. »Setz dich, Lumley, ich lese es dir vor.«
Lumley setzte sich und lauschte mit angehaltenem Atem, während Tibilus las:
Ich, Gabriel Osborne, bei vollem Verstand, lege hiermit das folgende Geständnis ab, das nach meinem Tod gelesen und veröffentlicht werden soll:
Im Jahre achtzehnhundertneunundneunzig war ich zusammen mit einem gewissen Everson Lumley damit beschäftigt, eine Reihe von Experimenten auf dem Gebiet des Hypnotismus und der unterbewussten Suggestion durchzuführen. Besagter Lumley war der Autor eines Buches, das bestimmte Prinzipien aufstellte, die vom Denken unserer Zeit nicht gut aufgenommen wurden, und wir suchten die Wahrheit bestimmter Theorien zu beweisen, die im elften Kapitel seines Werkes dargelegt wurden.
Einfach ausgedrückt war der Kern dieses Kapitels die Fähigkeit des menschlichen Geistes, toter Materie ein belebendes Prinzip einzuhauchen, das ihr eine unterbewusste, empfindungsfähige Handlung verleihen würde. Ich bin ein Experte in der Wissenschaft des Hypnotismus, und Lumley sollte in einen Zustand der Hypnose versetzt werden, um dann durch unterbewusste Strahlen, die von meinem Geist ausgingen, beeinflusst zu werden.
Das Experiment fand nachts in meinen Räumen in der 42. Straße in New York City statt. Ich hatte Kriminologie studiert, und das Zimmer, in dem der Test stattfand, war mit allerlei Gerätschaften gefüllt, die mit meinem Steckenpferd zu tun hatten.
So viel muss der Leser wissen, denn ich beteuere feierlich, dass ich das Experiment ohne kriminelle Absichten begann. Nur der vollständige Erfolg unserer Arbeit und der Anblick der Einbrecherwerkzeuge legten mir das Verbrechen nahe, das später begangen wurde.
Lumley war ein gutes hypnotisches Subjekt und verfiel bereitwillig in Trance. Dann übte ich die unterbewussten Strahlen gemäß seinen Theorien aus, und die augenblickliche Art und Weise, wie er antwortete, war erschreckend. Er war absolut bewusstlos, und doch bewegte er sich bei meinem geringsten Gedanken, als wäre es sein eigener Gedanke.
Da fasste ich blitzartig den Plan zum Raub. Es war nach Mitternacht, und ich bewaffnete Lumley mit einem Bohrer und einem Brecheisen aus meiner Sammlung und befahl ihm, in eine bestimmte Bank einzubrechen, nicht weit von meinem Wohnort entfernt, und das Bargeld aus dem Tresor zu entwenden. Dies tat er, während ich in meinen Räumen blieb und ihn mit der vollen Kraft meines Unterbewusstseins unterstützte, wobei ich ihn in jeder Phase des Raubes durch mein kriminelles Wissen anleitete. Nach drei Stunden kehrte er mit einer Segeltuchtasche zu mir zurück, die fünfzigtausend Dollar in Banknoten enthielt.
Ich nahm das Geld, nahm meinem Freund seine Uhr und sein Bargeld ab und verschwand. Ich ließ ihn auf einer Couch zurück, fest gefangen im hypnotischen Schlaf.
Während ich im Zug nach Westen vor dem Tatort floh, weckte ich Lumley auf – keine große Kunst für einen geübten Hypnotiseur. In Chicago nahm ich einen fiktiven Namen an und versteckte mich, während Lumley zum Flüchtigen wurde und ich über die Erde wanderte, verfolgt von den Spürhunden des Gesetzes.
Das ist alles. Ich bedaure die Tat und es tut mir doppelt leid, dass ich die Uhr mitgenommen habe, ein Erbstück aus Lumleys Familie. Es ist ein antiker Zeitmesser, graviert mit den Initialen E. L. Dieses Geständnis wird abgelegt, damit die Nachwelt von meiner Schuld und von Everson Lumleys Unschuld erfährt.
(Gez.) Gabriel Osborne.
»Endlich«, hauchte Lumley heiser, wobei er seine dünnen Hände faltete und krampfhaft zusammenpresste, »endlich! Es hat hundert Jahre gedauert, bis meine Theorien Anerkennung und ich selbst Gerechtigkeit erfahren habe.«
»Was machst du hier, Sechshundertachtzehn?«, fragte Tibilus, der sich plötzlich umdrehte und den neuen Muglug ansprach, der im Raum stand. »Wenn ich dich brauche, werde ich dich rufen.«
Der Muglug drehte sich um und stampfte davon.
»Meine Glückwünsche, Lumley!«, rief Tibilus herzlich. »Es ist nicht das erste Mal, dass ein fortschrittlicher Denker seinen eigenen Theorien zum Opfer gefallen ist.«
»Warum haben die Fakten in diesem Papier nie zuvor das Licht der Welt erblickt?«, erkundigte sich Lumley. »In dem Umschlag ist ausdrücklich festgelegt, dass das Papier nach dem Tod von Gabriel Osborne gedruckt werden sollte. Das muss schon sehr, sehr lange her sein.«
»Vielleicht hat mein Großvater, der in den Besitz des Eigentums meines Urgroßvaters kam, das Papier unterschlagen, aus Angst vor dem Verlust der fünfzigtausend Dollar. Man muss die Dinge beim Namen nennen, auch wenn es sich um meine Vorfahren väterlicherseits handelt. Mütterlicherseits ist meine Abstammung so gut wie die jedes anderen, aber mein Großvater war der Letzte einer Reihe von väterlichen Halunken, und …«
Ein ungewöhnliches Geräusch aus dem oberen Teil des Hauses beanspruchte in diesem Moment Tibilus’ Aufmerksamkeit. Er legte das Papier weg und eilte aus dem Zimmer. Lumley folgte ihm.
Die Ursache des Lärms konnte nicht ermittelt werden, und die beiden kehrten in den Nachrichtenraum zurück, nicht wenig verblüfft über die Angelegenheit.
»Das Papier gehört dir, Lumley«, sagte Tibilus und nahm das Thema des Geständnisses wieder auf, wo es so abrupt unterbrochen worden war; »ich würde dir raten, es in die Tasche zu stecken und keine Zeit zu verlieren, nach Neunzehnhundert zurückzukehren.«
»Warum rätst du mir, zurückzugehen?«, erwiderte Lumley.
»Weil diese Zeiten aus den Fugen geraten sind. Es braut sich Unheil zusammen.«
»Wäre es gefährlich, hierzubleiben?«
»Für dich mehr als für jeden anderen. Deine Theorien werden viel Gutes bewirken, aber erst, nachdem sie einiges Unheil angerichtet haben. Wenn du hier bist, wird man dir das Übel zuschreiben, und die Folgen könnten katastrophal sein.«
Lumleys Augen schweiften suchend durch den Raum.
»Wo ist das Papier?«, fragte Lumley.
»Aber«, sagte Tibilus, »ich habe es doch hier auf diesen Stuhl gelegt. Hast du es nicht genommen?«
»Nein«, sagte Lumley in Angst, »ich habe es nicht einmal mehr gesehen, nachdem wir oben diesen Lärm gehört haben.«
»Seltsam!«, rief Tibilus aus. »Außer uns ist keine Seele im Haus, Lumley. Lass uns noch einmal in der Truhe nachsehen; vielleicht ist es da hineingeraten.«
Aber es war nicht in der Truhe. Es war auch sonst nirgends zu finden, obwohl Lumley und Tibilus alles gründlich absuchten.
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