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Kondorkinder – Die Suche nach den Verlorenen Geschichten

Sabrina Železný
Kondorkinder
Die Suche nach den Verlorenen Geschichten

Fantasy, Paperback, Verlag Mondwolf, Wien, März 2013, 384 Seiten, 18,99 Euro, ISBN 9783950300284, Coverillustration: Maik Schmidt

Yawar ist erst acht Jahre alt, für sein Alter jedoch erstaunlich weit. Aufgewachsen ist er im Hochland Perus, in einem kleinen Dorf, wo er gemeinsam mit seiner Mutter lebt, die alles tut, um ihm Sicherheit zu bringen – selbst, wenn das bedeutet, Geheimnisse vor ihm zu haben. Doch dem Schicksal kann man nicht entfliehen, und so holt es den kleinen Yawar ein: Er soll der neue Yuyaq, der Hüter des Spiegelbuches werden. Dieses besondere Buch ist das Zuhause der Verlorenen Geschichten aus den alten Zeiten des Landes.

Bevor Yawar seine Aufgabe jedoch antreten kann, wird das Spiegelbuch zerstört und die Verlorenen Geschichten verbreiten sich in alle Himmelsrichtungen, heimatlos und verschreckt durch das grausame Ereignis. Vor dem zukünftigen Yuyaq liegt nun eine noch viel größere Aufgabe: Er muss seine Mutter und alle, die er kennt, verlassen, um in der reichen Stadt Arequipa zu lernen, ein neues Spiegelbuch zu schaffen. Außerdem müssen die Verlorenen Geschichten den Weg in ihr neues Heim finden. Doch Yawars Herz ist jung und mutig, also nimmt er die Aufgabe an.

In Arequipa trifft er nicht nur auf eine neue, vollkommen fremde Welt, sondern auch auf Isabel, die Tochter seines Meisters. Ihr allein verdankt er, dass ihm eine Chance gegeben wird und er in die Lehre gehen darf. Und sie ist wie eine Schwester für ihn. Yawars Zukunft jedoch ist hart, denn dem Schicksal kann man nicht entfliehen …

Das Cover von Kondorkinder – Die Suche nach den Verlorenen Geschichten hat mich sofort neugierig gemacht, es gefällt mir sehr gut. Das Andenkreuz, das in der Geschichte eine wichtige Bedeutung hat, findet sich im Schriftzug wieder, was mich sehr gefreut hat.

Der Preis ist sehr stolz, dennoch nutzte ich die Gunst der Stunde, auf der Leipziger Buchmesse gleich beide Bände erstehen zu können, obwohl Band 2 eigentlich erst im August erscheint.

Bereits auf den ersten Seiten erweckte die Geschichte meine Neugier, wirklich fesseln konnte sie mich aber besonders in der zweiten Hälfte. Der Wechsel zu Isabels Perspektive war sehr interessant. Ebenso sehr fieberte ich bei der Suche nach den Verlorenen Geschichten mit und dabei, sie anzulocken, ihr Vertrauen zu gewinnen und ihnen wieder ein Zuhause zu geben.

Überhaupt die Art, wie die Geschichten als lebendige, scheue Wesen dargestellt werden, deren Vertrauen man sich erst erarbeiten muss, hat mich sehr berührt. Nachdem ich das Buch in einem wahnsinnigen Tempo zu Ende gelesen hatte, brauchte ich erst einmal eine Weile, um in die Realität zurückzufinden, so sehr hat Sabrina Železný mich in die Welt ihrer Kondorkinder entführt. Viele Wörter in der Sprache Quechua und einige auf Spanisch fanden ihren Gebrauch, doch durch direkte Übersetzungen oder das Register hinten im Buch bereiteten diese beim Lesen kaum Probleme. Die Idee, jedes Kapitel zweisprachig zu benennen, gefiel mir sehr gut.

Ein wahres Highlight des Buches ist Chasky, das Alpaka, das Isabels Weggefährte wird. Jedes Mal, wenn er mit dem rechten Ohr zuckte, musste ich grinsen! Er hat mich mehrfach zum Schmunzeln gebracht, Hut ab an die Autorin für solch ein putziges »Tier»!

Zur äußeren Form des Buches habe ich leider ein paar Anmerkungen. So angenehm die recht große Schrift auch zu lesen war, so sehr hat sie leider zu Anfang verhindert, dass ich wirklich in die Geschichte eintauchen konnte. Viel zu schnell war die Seite ausgelesen, ich konnte nicht tief genug in der Story versinken, um das Umblättern nicht mehr zu bemerken, sodass ich das Gefühl hatte, die ersten ca. 100 Seiten eher oberflächlich gelesen zu haben. Erst, als Yawar und Isabel mich wirklich nachdrücklich in ihr Abenteuer hineinzogen, legte sich das. Die große Schrift trägt natürlich auch zu der Dicke des Buches zu und damit vermutlich leider auch zum Preis. Der ist natürlich nicht nur von der Seitenzahl abhängig, aber wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, das Buch in etwas kleinerer Schrift zu kaufen, dafür aber ein bis zwei Euro günstiger, hätte ich das sicher begrüßt. Die Länge der Geschichte wäre immerhin dieselbe geblieben.

Auch gab es nicht am Anfang eines jeden Absatzes eine kleine Einrückung, wie es eigentlich üblich ist. Dies war die meiste Zeit über kein Problem und einfach nur ungewöhnlich, an einigen Stellen jedoch kam ich dadurch ins Zögern, beispielsweise, ob immer noch dieselbe Person redet oder doch schon eine andere, weil der Beginn der wörtlichen Rede auf den Zeilenanfang rutschte und ich nicht wusste, ob dort nun ein Absatz war oder nicht.

Fazit:
Insgesamt hat mir Kondorkinder – Die Suche nach den Verlorenen Geschichten außerordentlich gut gefallen und mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt. Ich habe es sehr gern, wenn eine Geschichte mir noch im Gedächtnis bleibt und nicht sofort Platz macht für den Wunsch nach einem neuen Buch.

Kritik gibt es in Sachen Schrift und Einrückung, weil ich dadurch nicht sofort in der Geschichte versinken konnte, dies mir aber sehr wichtig ist. Insgesamt muss ich aber sagen, dass das Buch sein Geld definitiv wert ist. Ich freue mich sehr darauf, den zweiten Teil zu lesen!

(jh)