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Die Hure und der Spielmann

Thomas Ziebula
Die Hure und der Spielmann

Historischer Roman, E-Book, Bastei Entertainment, Köln, August 2014, 687 Seiten, 8,49 Euro, ISBN: 9783838753744, auch als Taschenbuch mit der ISBN 9783404169979 für 9,99 Euro erhältlich

Die schwedische Kaufmannstochter Kristina Thott soll mit dem Geschäftspartner ihres Vaters verheiratet werden. Dieser ist etwa 30 Jahre älter als das Mädchen, trinkt viel zu viel und ist in Kristinas Augen ein Grobian. Niemals wird sie diesen Mann heiraten. Stattdessen erscheint ihr die Flucht zu ihrer Tante nach Prag die Lösung ihrer Probleme zu sein. Bei der Überfahrt nach Deutschland erleidet sie Schiffbruch und damit beginnt für Kristina eine Odyssee quer durch die Geschehnisse des 30-jährigen Krieges. Um zu überleben, wird sie die Mätresse eines Offiziers, der ihr alles verspricht, damit sie bei ihm bleibt. Aber als Kristina dem Spielmann Tonda begegnet, wendet sich das Blatt. Kristina verliebt sich in den jungen Spielmann, ohne zu wissen, dass er ein Jesuitenpater und damit an seine Gelübde gebunden ist. Und Tonda hat noch einen Auftrag zu erledigen, der das scheinbare Glück der beiden auf eine harte Probe stellt …

Liebe Leser, vergesst alle Geschichtsbücher zum Thema 30-jähriger Krieg, denn Thomas Ziebula kennt sich mit den Thema bestens aus und hat all sein Wissen in diesen Roman gepackt. Der Titel erinnert zunächst an die historischen Frauenschicksale, wie man sie seit der »Wanderhure« in Massen konsumieren kann, doch damit hört die Gemeinsamkeit auch schon auf. Thomas Ziebula gibt uns in Die Hure und der Spielmann  mehr Informationen über die Geschehnisse in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als man als unbedarfter Leser überhaupt fassen kann. So jedenfalls ist mein Eindruck nach dem Lesen dieses Buches. Ziebula muss entweder in einem früheren Leben am 30-jährigen Krieg selbst teilgenommen haben, oder aber so ziemlich alles an Informationen darüber aufgesaugt haben, was er bekommen konnte. Die Recherche muss jedenfalls mehr als intensiv gewesen sein, um derart detailliert geschildert werden zu können.

Dennoch blieb bei all den geschichtlichen Daten, Fakten und Geschehnissen noch genug Raum für eine Handlung, die sich zu jener Zeit zugetragen haben könnte. Hier hat sich der Autor glücklicherweise ein wenig zurückgehalten und die Anzahl der Charaktere in einer überschaubaren Anzahl belassen. Das hat den Vorteil, dass alle Hauptcharaktere ebenso intensiv dargestellt werden konnten wie die geschichtlichen Hintergründe. Zu den eher wenig emotional dargestellten Kriegshandlungen zeigten sich die zwischenmenschlichen Beziehungen, Dialoge und Handlungen als eine entspannende Abwechslung beim Lesen.

Die Hure und der Spielmann war der intensivste (ich glaube, ich verwendete das Wort schon mehrfach, aber es ist meiner Ansicht nach die treffendste Beschreibung für dieses Buch) historische Roman, den ich je gelesen habe. Er ist keine Lektüre zum Entspannen, sondern fordert vom Leser doch einiges an Konzentration, um die Handlung im Kontext zur Geschichte verstehen und genießen zu können.

(ab)