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Faust – Der Tragödie erster Teil

Flix
Faust – Der Tragödie erster Teil

Comic, Softcover, Carlsen, Hamburg, Juni 2014, 96 Seiten, 7,99 Euro, ISBN: 978355171374, ab 12 Jahren

Faust ist ein Student, der sich mit Taxifahren über Wasser hält. Eines Tages verspricht ihm ein Mitarbeiter der Firma »Happy Life«, dass er innerhalb einer Woche Fausts Wünsche erfüllen wird. Faust wünscht sich eine Freundin, und zwar Özlem aus dem türkischen Lädchen, in dem er letztens eingekauft hat. Nur dass Özlem aus ominösen Gründen Margarethe heißt. Was Faust nicht weiß: Happy Life ist eine Firma des Teufels, und Mephistopheles hat eine Wette mit Gott abgeschlossen, dass er Gott Faust entreißen kann. Und dafür nur eine Woche braucht. Allerdings hat er nicht mit Gottes findigem Mitarbeiter gerechnet, der längst nicht so viele Skrupel wie sein Chef hat, und Gott immer wieder dazu bringt, Mephistopheles‘ Pläne zu sabotieren. Für den Teufel sieht es also nicht gut aus, auch weil Faust durch diverse Rückschläge allmählich den Glauben an ihn verliert. Aber dann schafft Mephistopheles es, Margarethe aus der U-Haft zu befreien, in der sie wegen angeblichen Mordes an ihrer Mutter und an ihrem Bruder sitzt.

»Clevere Ideen« – das ist mir als Erstes eingefallen, als ich diesen Comic gelesen habe. Flix schafft es, heutige Themen wie Umweltschutz, Ehrenmorde, Religion, religiöse (und anderweitige) Vorurteile inklusive Fanatismus, Bürokratur, Political Correctness und den Weltklassiker Faust von Goethe so plausibel und dabei so witzig und intelligent miteinander zu verbinden, dass das Lesen aufgrund der vielen Anspielungen ein wahrer Genuss ist. Auch die Details verdienen Beachtung: Das dreieckige Auge Gottes, das über Gott schwebt, gibt Stimmungen und Kommentare in Form von Mimik wieder. Faust als penibler Mülltrenner. Ein perfektes, neu erschaffenes Universum als PC-Programm, das Mephistopheles durch Ziehen des Steckers zerstört. Gegrillte Liebende. Gott bei Betenden am Telefon, inklusive Verwählen. Ein feuerfester Pakt. Und ein vielfaches usw. Als Lektüre nach der Schullektüre Faust ist der Comic zu empfehlen und sicher auch als Referatsthema geeignet, weil das Werk viel an Material bietet, über das man referieren könnte. Flix hat sich des Themas als Diplomarbeit an der Hochschule der bildenden Künste Saarbrücken im Jahr 2002 schon einmal angenommen, war aber mit seinem Erstling nicht zufrieden, sodass er ihn überarbeitet hat. Als gebundene Ausgabe gibt es die Neufassung schon seit 2010. Jetzt liegt sie als Softcover vor.

Fazit:
Clevere, witzige und dabei tiefgründige Übertragung des Klassikers in unsere heutige Zeit.

(ud)