Adventskalender 2024 – 10. Türchen
Captain Mayne Reid
Weihnachten auf einem Wal
Wir waren im Südpazifik auf der Jagd nach Cachalots (Pottwale) unterwegs. Wir hatten gefunden, reines Walratöl gebunkert; und hatten fast alle gewagt, um die Ladung des Schiffes zu vervollständigen. Der Kapitän und die Mannschaft – alle waren Geschäftspartner bei dieser Reise – waren gleichermaßen glücklich über unsere erfolgreiche Kreuzfahrt, und in dieser Stimmung wurde es Weihnachten.
Da die meisten von uns aus Pennsylvania stammten, ist es kaum nötig zu sagen, dass dieser Tag unserer Stimmung keinen Abbruch tat. Im Gegenteil, wir waren entschlossen, ihn auf den Antipoden wie zu Hause mit aller gebotenen Feierlichkeit und so viel Fröhlichkeit zu begehen, wie sich aus den Vorratskammern eines Walfängers Weiterlesen
Der lustige Kirmesbruder – Teil 5
Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Der lustige Kirmesbruder
welcher durch listige Ränke auf den Kirmessen die Bauern und andere Personen unterhalten und vergnügt gemacht hat
Vierte Kirmes
Wie der lustige Kirmesbruder, außer anderen Streichen, auch zwei Bürgern mit List ihren Kirmeskuchen und andere Speisen abnimmt
Von Possendorf ging ich nach Berbisfeld und besuchte dort den Müller. Bei demselben traf ich auch zwei Bürger an, die sich ganz weidlich zu nähren suchten. Es waren ein paar gemütliche Männer, die bei der Müllerin in großer Gunst standen und ihr manchen Liebesdienst erwiesen, ohne dass sie dafür von ihrem Mann eine Vergeltung forderten. Der Müller erwies ihnen und mir zugleich große Höflichkeit, und wir machten uns recht vergnügt; denn er hatte eine ziemliche Anzahl Gäste bei sich, sowohl aus seinem Ort als auch aus anderen Dörfern. Nach der Mahlzeit wurden verschiedene Spiele vorgenommen; doch gefiel den beiden Bürgern und Weiterlesen
Die glänzende Steuermarke
George Barton
Die glänzende Steuermarke
Man könnte es mit Fug und Recht das Rätsel der Sullivan Street nennen. Es handelt von Chief Flynn und einem bescheidenen kleinen Laden in dieser Straße, und die letzten Szenen der Aufführung spielten sich innerhalb seiner Grenzen ab. Die erste Auflösung des Rätsels kam jedoch durch eine Expertise über die Art des Papiers, das die Regierung der Vereinigten Staaten für den Druck von Steuermarken verwendet.
Vor einigen Jahren entdeckten Beamte des Internal Revenue Bureau, dass in New York große Mengen gefälschter Steuermarken im Umlauf waren. Das mag auf den ersten Blick nicht so schlimm klingen, aber wer die Verhältnisse in Washington kennt, weiß, dass die Regierung Millionen von Dollar verloren hätte, wenn dem nicht Einhalt geboten worden wäre. Die Drahtzieher des Plans waren bereit, innerhalb weniger Wochen zwischen 20 000 und 80 000 Dollar zu verdienen. Die meisten Fälschungen waren Zwei-Dollar-Marken, und viele wurden auf Fässern gefunden.
Adventskalender 2024 – 9. Türchen
Die drei Bergleute im Kuttenberg
Nach den Gebrüdern Grimm
In Böhmen liegt der Kuttenberg, darin arbeiteten drei Bergleute über viele Jahre hinweg und trugen damit zum Lebensunterhalt ihrer Familien bei. Wenn sie morgens in den Berg gingen, so nahmen sie dreierlei mit: erstens ihr Gebetbuch, zweitens ihr Licht, aber nur auf einen Tag mit Öl versehen, drittens ihr Bissen Brot, das reichte auch nur für einen Tag. Vor Arbeitsbeginn sprachen sie ein Gebet zu Gott, dass er sie in dem Berg bewahren möge, und begannen dann getrost und fleißig mit der Arbeit. Als sie einen Tag gearbeitet hatten und es bald Abend war, geschah etwas Unerwartetes: Der Berg vorn fiel ein und der Eingang wurde verschüttet. In ihrer Not meinten sie, begraben zu sein, und äußerten ihre Besorgnis, nun Hungers sterben zu müssen. »Wir verfügen lediglich über Vorräte für einen Tag, sowohl was das Brot als auch das Öl für das Licht betrifft.« In ihrer Not befahlen sie sich Gott Weiterlesen
Der Märkische Eulenspiegel 17
Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe
Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin
Wie Clauert aus Missverstand der Worte sich mit einer Magd heftig schalt
In Berlin wohnte ein Bürger mit Namen Jakob Schulze, der auch zugleich ein Apotheker war. Mit diesem war Clauert sehr gut bekannt und sein vertrauter Freund. Deshalb pflegte er auch gewöhnlich seine Herberge bei ihm zu haben, wenn er in Berlin war. Als er nun einstmals bei ihm einkehrte und beide in Jakob Schulzens Wohnung zechen wollten, ließen sie Bier aus dem Stadtkeller holen. Die Magd blieb mit dem Bier ziemlich lange aus, und weil Clauert bemerkt hatte, dass dieselbe übrigens eine scharfe Hechel war, so sagte Weiterlesen
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