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Im Original Friedrich Gerstaecker

Das Wrack des Piraten – 2. Kapitel

Friedrich Gerstäcker
Das Wrack des Piraten
2. Kapitel
Das Wrack

Am anderen Morgen saß die Señora allein in dem noch leeren Gastzimmer. Sie hatte ihr Nähzeug vor sich auf dem Schoß, doch die sonst so geschäftige Nadel ruhte in ihrer Hand. Für sie höchst ungewöhnlich blickte sie nachdenklich vor sich nieder.

Aufrichtig gesagt, ging ihr der Fremde nicht aus dem Kopf. Gemeinsam mit Manuela hatte sie fast bis Mitternacht all die alten Schuldner in ihren Büchern durchsucht – von A bis Z. Und das waren wahrlich nicht wenige: Chilenen, Engländer, Franzosen, Deutsche, Amerikaner und Italiener; eben alle, die das Schicksal an diese Küste geworfen hatte. Doch sie hatte keinen Einzigen gefunden, dessen Person oder Rechnung auch nur im Geringsten zu dem wunderlichen Fremden passte. Die alte Dame erfreute sich zwar eines ausgezeichneten Gedächtnisses, sodass sie sich zu fast jedem Namen nach kurzem Nachdenken die Gestalt des Betreffenden ins Gedächtnis rufen konnte; der gewaltige Bart jedoch und das tief über die linke Gesichtshälfte fallende Haar Weiterlesen

Das Wrack des Piraten – 1. Kapitel

Friedrich Gerstäcker
Das Wrack des Piraten
1. Kapitel
La Pulpería

In dem Seitenstübchen einer kleinen, aber keineswegs unbedeutenden Pulpería am westlichen Ende der Stadt Valparaíso saß am Abend des 5. August des für Chile besonders wichtigen Jahres 1810 eine stattliche Anzahl von Gästen bunt gemischt zusammen. Sie besprachen vor allem die Hauptereignisse des Tages: die Absetzung des Generalkapitäns Carrasco, die am 18. Juli in der Residenzstadt Santiago stattgefunden hatte, sowie den Antrag des berühmten, über die Kordilleren herübergekommenen Álvarez de Jonte. Dieser forderte, eine Regierungsjunta einzuberufen, um das spanische Joch abzuwerfen, das noch auf ihren Schultern ruhte und mit jedem Jahr drückender wurde.

Señora Fostero – die vortrefflichste lebendige Empfehlung, die je hinter einem Schanktisch gestanden hatte, und zugleich die ehrbare Besitzerin dieser Wirtschaft – würde es uns sicher übel nehmen, wollten wir uns nicht erst einen Augenblick mit ihr Weiterlesen

Der Wolfsbenjamin Teil 4

Friedrich Gerstäcker
Der Wolfsbenjamin
Aus den Backwoods Amerikas

Teil 4

Weiter und weiter ging er. Immer verworrener wurde das Gestrüpp, immer wilder der Wald, und nun, nun versank die Sonne dort drüben in ihrem Blätterbett. Noch immer hatte er den Wasserstreifen nicht erreicht, der ihm als Wegweiser dienen sollte, um wieder auf den Weg zu kommen. So konnte es nicht weitergehen. Wenn er jetzt genau nach Norden ging, musste er den Weg wieder finden, und jetzt konnte er noch mit seinem Kompass die Richtung genau halten, aber wenn es erst dunkel wurde, dann half ihm auch der nicht mehr, und die Sterne waren in dem Dickicht nicht zu sehen. Da aber ging der Mond auf, und mit seinem Bewusstsein schlug er ohne weiteres Zögern die nördliche Richtung ein.

Und die Sonne ging unter, aber wie schnell! So schnell hatte er sie in seinem ganzen Leben noch nicht verschwinden sehen und Weiterlesen

Der Wolfsbenjamin Teil 3

Friedrich Gerstäcker
Der Wolfsbenjamin
Aus den Backwoods Amerikas

Teil 3

Der andere Morgen kam und mit ihm ein reges Leben in die kleine Gesellschaft, denn Scipio musste schon vor Tagesgrauen auf und die Pferde füttern. Mrs. Stuart selber bereitete das Frühstück und backte noch außerdem eine Quantität Maisbrote im Vorrat, damit die Wolfsjäger etwas davon mitnehmen könnten und nicht zu darben brauchten.

Um acht Uhr etwa war alles hergerichtet. Von Questen saß schon vollständig gerüstet und wartete auf seine Begleiter, als Benjamin, der ebenfalls neben seinem Pferd stand, zu dem gerade aus dem Haus tretenden Stuart sagte: »Habt Ihr vielleicht eine Büchse, Stuart, die Ihr mir heute Abend borgen könnt? Man weiß doch nicht, was vorfällt.«

»Haben Sie denn kein Gewehr bei sich?«, fragte von Questen aufs Äußerste erstaunt, einen solchen alten Jäger in einem solchen Weiterlesen

Adventskalender 2024 – 10. Türchen

Captain Mayne Reid
Weihnachten auf einem Wal

Wir waren im Südpazifik auf der Jagd nach Cachalots (Pottwale) unterwegs. Wir hatten gefunden, reines Walratöl gebunkert; und hatten fast alle gewagt, um die Ladung des Schiffes zu vervollständigen. Der Kapitän und die Mannschaft – alle waren Geschäftspartner bei dieser Reise – waren gleichermaßen glücklich über unsere erfolgreiche Kreuzfahrt, und in dieser Stimmung wurde es Weihnachten.

Da die meisten von uns aus Pennsylvania stammten, ist es kaum nötig zu sagen, dass dieser Tag unserer Stimmung keinen Abbruch tat. Im Gegenteil, wir waren entschlossen, ihn auf den Antipoden wie zu Hause mit aller gebotenen Feierlichkeit und so viel Fröhlichkeit zu begehen, wie sich aus den Vorratskammern eines Walfängers Weiterlesen